Simon Yates hat am viertletzten Tag des Giro d'Italia erstmals geschwächelt. Der Leader der Italien-Rundfahrt büsste bei der Bergankunft in Prato Nevoso exakt die Hälfte seines Vorsprungs von 56 Sekunden auf den zweitplatzierten Vorjahressieger Tom Dumoulin ein.

Lange hatte es nicht danach ausgesehen, als dass Yates in Schwierigkeiten geraten könnte. Doch als auf den letzten beiden Kilometern des Schlussanstiegs zuerst Dumoulin und dann Chris Froome attackierten, musste Yates abreissen lassen. Der Brite rettete die «Maglia rosa» zwar ins Ziel, verlor aber 28 Sekunden auf Dumoulin, den Gesamtdritten Domenico Pozzovivo aus Italien und Froome, die zusammen über die Ziellinie fuhren.

Yates steigt nun mit einer Reserve von 28 Sekunden auf den Niederländer Dumoulin in die entscheidenden beiden Teilstücke, die am Freitag in Bardonecchia und am Samstag in Cervinia ebenfalls mit Bergankünften enden. Pozzovivos Rückstand auf Yates beträgt 2:43 Minuten, jener des Gesamtdritten Froome 3:22 Minuten.

Die Ausgangslage ist umso spannender, da die Profile der zwei kommenden Etappen deutlich anspruchsvoller sind als jenes von Abbiategrasso nach Prato Nevoso. Denn vor dem 15 Kilometer langen Schlussanstieg hatten die Fahrer keine nennenswerten Hindernisse zu überqueren. Das ist am Freitag mit vier und am Samstag mit drei langen Anstiegen anders.

Yates gab sich kämpferisch: «Ich war heute am Ende nur etwas müde», sagte der Brite. «Aber es gibt noch zwei schwierige Etappen, ich kann zurückschlagen, keine Sorge.» Auch Dumoulin, Yates' erster Verfolger, zeigte sich optimistisch: «Ich habe immer gesagt, dass ich es weiter versuchen werde, wenn ich die Beine dazu habe. Heute hatte ich gute Beine, und es funktionierte. Endlich, nach zweieinhalb Wochen.»

Tagessieg an Schachmann

Mit dem Etappensieg hatten die besten Fahrer des Gesamtklassements nichts zu tun. Diesen sicherte sich der deutsche Maximilian Schachmann, der aus einer ursprünglich 12-köpfigen Spitzengruppe heraus mehr als elf Minuten Vorsprung auf die Gesamtbesten ins Ziel rettete.

Schachmann, der im Gesamtklassement einen Rückstand von über 30 Minuten aufgewiesen hatte, besass im Finale nach 196 Kilometern klar die grössten Kräfte. Der 24-jährige Fahrer der Mannschaft Quick-Step Floors siegte 10 Sekunden vor dem Spanier Ruben Plaza und 16 Sekunden vor dem Italiener Mattia Cattaneo.

Für Schachmann, der erstmals eine dreiwöchige Rundfahrt bestreitet, war es der grösste Sieg der Karriere. Er gewann als erst dritter Deutscher nach Rudi Altig (1966) und Udo Bölts (1992) eine Bergankunft am Giro.