Tour de France

Wie stark ist der Schweizer Trumpf wirklich?

Der Mann für die Berge: Mathias Frank posiert bei der Teampräsentation in Saanen vor einem Alpenpanorama.

Der Mann für die Berge: Mathias Frank posiert bei der Teampräsentation in Saanen vor einem Alpenpanorama.

Der Schweizer Radprofi Mathias Frank nimmt die Tour de France am kommenden Samstag in Utrecht (Ho) als Leader seines Teams IAM Cycling in Angriff. In dieser Saison hat beim 28-Jährigen nicht viel zusammengepasst.

Vielleicht ist in einem Monat alles gut. Vielleicht ist Mathias Frank dann erfolgreich in Paris angekommen und hat die Tour de France mit der angestrebten Top-Ten-Klassierung im Gesamtklassement abgeschlossen. Und niemand fragt, was eigentlich im Frühling war.

Noch ist es nicht so weit. Noch sind die Fragen da, die Zweifel, ob das wirklich gut kommt mit der Tour de France, diesem Projekt, dem er alles untergeordnet hat in diesem Jahr. Vor wenigen Tagen hat Frank eine Antibiotika-Behandlung abgeschlossen, wegen einer Stirnhöhlenentzündung, die ihn vor zwei Wochen beim Critérium du Dauphiné zur vorzeitigen Aufgabe gezwungen hatte.

Es war ein weiteres Kapitel in der Geschichte einer Saison, in der noch nicht viel zusammengepasst hat beim 28-jährigen Profi aus dem Schweizer Team IAM Cycling. Dreimal war er in diesem Frühling krank, und bei der Tour de Romandie war er als Zwölfter hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben. «Die Saison ist bisher frustrierend verlaufen», sagt er. «Ich fühlte mich zwar in Form, aber habe durch die Resultate keine Bestätigung dafür bekommen.»

Erst die kommenden Wochen werden jedoch zeigen, ob der Versuch glückt, den Frank in dieser Saison unternimmt. Zusammen mit Marcello Albasini, der im Team für die Trainingsplanung verantwortlich ist, hat der Luzerner mit Wohnsitz im Baselbiet sein gewohntes Programm umgestellt und konsequent auf die Tour de France ausgerichtet.

Das hiess: weniger Renntage im Frühling, mehr Trainingsblöcke. Und: Verzicht auf die Tour de Suisse, die er 2014 als Zweiter beendet hatte – ein Entscheid, für den Frank und Albasini auch mediale Kritik einstecken mussten. «Damit können wir leben», sagt Albasini. «Wenn der Erfolg ausbleibt, wird man in der Öffentlichkeit in jedem Fall kritisiert – egal, welchen Weg man gewählt hat.»

Bisher noch nie auf der Champs-Élysées angekommen

Frank hat die wichtigste Rundfahrt des Jahres schon zweimal in Angriff genommen, beendet hat er sie noch nie. Bei seiner Premiere 2010 war bereits nach dem Prolog in Rotterdam Schluss, als er sich bei einem Sturz einen Daumen brach.

Vor einem Jahr zwang ihn ein Oberschenkelhalsbruch nach der ersten Woche zur Aufgabe, nachdem er erstmals als Teamcaptain in die Tour gestiegen war. Eine Rolle, die er mit seinem Wechsel von BMC zu IAM vor einem Jahr bewusst gesucht hatte – und ihm jetzt erneut zugedacht ist.

Die Verantwortung, die er als Leader trägt, ist Frank durchaus bewusst – und hat möglicherweise dazu beigetragen, dass er im Training zeitweise unbewusst zu sehr forcierte. «Ich habe da vielleicht den einen oder anderen Fehler gemacht», sagt Frank. «Dass ich krank wurde, war wohl ein Zeichen des Körpers.»

Der Trainer will Ruhe bewahren

Coach Albasini, der die Trainingsdaten des Fahrers genau überwacht, will nicht dramatisieren. «Dass Mathias dreimal krank wurde, ist zwar nicht das, was man sich wünscht», sagte er. «Aber seine Formbasis ist gut. Nur das Tüpfelchen auf dem i hat bisher noch gefehlt.»

Dass nicht alles falsch gelaufen ist in den letzten Wochen, lässt sich auch anhand der Resultate belegen. Beim Critérium du Dauphiné hielt Frank im Teilstück nach Pra-Loup, der Kopie einer diesjährigen Tour-de-France-Etappe, gut mit und büsste auf die besten Rundfahrten-Spezialisten nur wenige Sekunden ein. Entgegen kommt Frank zudem, dass die schweren Alpenetappen erst in der dritten Woche der Frankreich-Rundfahrt anstehen.

«Im Nachhinein werden wir vielleicht froh sein, dass Mathias nicht zu früh in Topform war», sagt Albasini. Machen die Beine in den Schlüsseletappen mit, spielt es auch keine Rolle mehr, dass Frank auf die im Anschluss ans Critérium du Dauphiné geplante Rekognoszierung einiger Tour-de-France-Abschnitte hat verzichten müssen.

In der ersten Tourwoche, die in der Regel hektisch verläuft, geht es für Frank darum, unfallfrei und mit möglichst geringem Energie- und Zeitverlust über die Runden zu kommen. «Letztes Jahr ist mir das eigentlich ganz gut gelungen – bis es mich mit dem Sturz in der siebten Etappe doch noch erwischt hat.»

Von der Top-Ten-Klassierung, seinem schon lange formulierten Ziel, will sich Frank nach der unbefriedigenden Tourvorbereitung nicht verrückt machen lassen. «Ich versuche, das Beste herauszuholen, und weiss, dass mich meine Teamkollegen dabei gut unterstützen werden», sagt er. «Zu welchem Ergebnis das reicht, sehen wir dann am Ende.»

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