Analyse

Wertvolle Impulse für eine darbende Hochburg – die Zukunftperspektiven des Schweizer Radsports

Marc Hirschi (rechts) ist eine der grossen Zukunftshoffnung im Schweizer Radsport.

Marc Hirschi (rechts) ist eine der grossen Zukunftshoffnung im Schweizer Radsport.

Der Donnerstag, 27. September, war ein schöner Tag für Swiss Cycling, den Schweizer Radsportverband. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Aus Innsbruck kam die gute Nachricht, dass unser Land gleich zwei Strassen-Rad-Weltmeisterschaften ausrichten darf: 2020 und 2024.

Erst wird die Region Martigny/Aigle zum Zug kommen. Vier Jahre später soll der prestigeträchtige Event entweder in Bern oder in Zürich ausgetragen werden. Logisch, jubiliert man im Verbands-Hauptsitz in Grenchen angesichts dieser Perspektiven.

Die andere gute Nachricht betrifft ein Sorgenkind des nationalen Strassen-Radsports: den Nachwuchs. Da es auf den zwei höchsten Stufen (World Tour, ProContinental) keine Schweizer Profi-Teams mehr gibt, fehlte den Nachwuchsfahrern auch die Möglichkeit, via Wild Card an einer grösseren Rundfahrt teilzunehmen.

Rücktritte von Routiniers

Nun kommt Swiss Cycling eine Reglementsänderung, welche der internationale Radsportverband UCI an seinem Kongress im Rahmen der WM in Innsbruck beschlossen hat, zupass: In Zukunft dürfen die zwei grossen Schweizer Rundfahrten, die Tour de Suisse und die Tour de Romandie, mit einem Nationalteam und jeweils sieben Fahrern beschickt werden. Diese Massnahme ist insbesondere als Förderinstrument im Hinblick auf die beiden Weltmeisterschaften in der Schweiz extrem wertvoll.

Wenn man sich die Entwicklung im Schweizer Strassenradsport in den letzten Jahren anschaut, dann sind diese Entscheide und Massnahmen umso wichtiger. Das Feld der Schweizer Profis ist kontinuierlich geschrumpft. Nach den Rücktritten von Routiniers wie Fabian Cancellara, Grégory Rast oder Martin Elmiger sowie dem Verschwinden von etlichen Profiteams ist die Basis der einstigen Radsport-Hochburg Schweiz sehr dünn geworden.

Hoffnungsvolle Talente

Stefan Küng (24) wird das Talent attestiert, dass er mal einer der besten seines Fachs werden kann. Fahrer wie Silvan Dillier (28), Sébastien Reichenbach (29) oder Mathias Frank (31) bilden die Mittelschicht, dahinter kommt nicht mehr allzu viel.

Doch es gibt einige hoffnungsvolle Talente, die am Horizont auftauchen. Neben Küng setzt man bei Swiss Cycling grosse Hoffnungen in den Berner Marc Hirschi (20), der kürzlich beim Deutschen Sunweb-Team seinen ersten Profivertrag unterschrieben hat. Schöne Perspektiven bieten sich auch dem frisch gekürten U18-Mountainbike-Weltmeister Alexandre Balmer (18), der vorderhand noch auf die Bike-Karte setzt, aber die Anlagen hat, auch auf der Strasse für Glanzlichter zu sorgen.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Dann gibt es noch Zeitfahr-Spezialist Stefan Bissegger (20), der sich bis Olympia 2020 auf die Bahn konzentriert, aber ebenfalls über grosses Strassen-Potenzial verfügt. Als vierter Mann im Bunde hat schliesslich der Oberaargauer Gino Mäder (21) zuletzt an der Nachwuchs-Rundfahrt Tour de l’avenir mit zwei Etappensiegen seine Möglichkeiten angedeutet.

Nach den durch die Erfolge von Superstar Fabian Cancellara etwas übertünchten Jahren des Rückschritts, darf man in der Radnation Schweiz also wieder optimistischer in die Zukunft blicken.

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