Kommentar
Was kommt nach Cancellara?

Trotz einer Krankheit sorgte Fabian Cancellara mit Podestplätzen in den Zeitfahren für die einzigen Schweizer Höhepunkte an der diesjährigen Tour de Suisse. Doch kommen hinter dem 34-Jährigen junge Fahrer nach? Ein Kommentar.

Simon Steiner
Simon Steiner
Merken
Drucken
Teilen
Fabian Cancellara fuhr im abschliessenden Zeitfahren auf Rang drei.

Fabian Cancellara fuhr im abschliessenden Zeitfahren auf Rang drei.

Keystone

Am Ende war es doch wieder Fabian Cancellara, der die Kohlen aus dem Feuer holen musste. Mit den beiden
Podestplätzen im Prolog und im Schlusszeitfahren sorgte der Berner für die besten Schweizer Etappenresultate bei der Tour de Suisse. Und dies, obwohl Cancellara nach seiner Angina in der Vorwoche der Rundfahrt keineswegs mit optimalen Voraussetzungen an den Start gegangen war.

Dass es keinem der anderen acht einheimischen Profis gelang, für das angeschlagene Aushängeschild in die Bresche zu springen, wirft kein gutes Licht auf die Schweizer Veloszene. Dabei war es nicht so, dass sich die Fahrer keine Mühe gegeben hätten: Immer wieder konnten sie sich in Fluchtgruppen in Szene setzen, und auch der 8. Gesamtrang des Wallisers Steve Morabito darf sich sehen lassen. Unter dem Strich zählt im Sport aber primär eines: Siege.

Im Ranking der World Tour belegt die Schweiz gegenwärtig nur den 16. Rang. Nach Cancellaras Verletzung im Frühling fehlen die Punkte, die der 34-Jährige in anderen Jahren mit seinem Erfolgen in den grossen Klassikern einheimste. Das rächt sich: An der WM im September in Richmond (USA) wird die Schweizer Delegation voraussichtlich nur gerade drei Startplätze zur Verfügung haben. Auch für die Tour de Suisse sind starke Schweizer Fahrer zentral. Um ein breites Publikum zu erreichen, gibt es nichts Besseres als einheimische Fahrer, die um den Sieg kämpfen können.

Für den Schweizer Radsport ist die Situation umso alarmierender, als sich Cancellaras Karriere dem Ende zuneigt. Immerhin gibt es Hoffnungsschimmer: Das Profidebüt des derzeit verletzten Stefan Küng in diesem Frühling verlief vielversprechend, und bei der Tour de Suisse deutete mit Silvan Dillier ein weiterer junger Profi sein Potenzial zumindest an.