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Vincenzo Nibali gewinnt in Sanremo ersten Frühjahrsklassiker

Der Italiner Vincenzo Nibali gewinnt die 109. Ausgabe von Mailand - Sanremo

Der Italiner Vincenzo Nibali gewinnt die 109. Ausgabe von Mailand - Sanremo

Der erste Klassiker der Radsportsaison endet mit einem italienischen Sieg. Vincenzo Nibali düpiert die Topfavoriten bei Mailand-Sanremo und feiert an der italienischen Riviera einen seltenen Solosieg.

Zuletzt war es Fabian Cancellara gelungen, als Solist beim längsten Eintagesrennen im Radsport zu triumphieren. Der mittlerweile zurückgetretene Berner hatte 2008 mit einem Angriff 1,8 km vor dem Ziel die letzten Konkurrenten abgeschüttelt und so seinen zweiten von insgesamt sieben Klassiker-Siegen eingefahren. In den Jahren danach war die Entscheidung in Sanremo traditionsgemäss immer im Sprint gefallen.

Nun ist es mit Vincenzo Nibali erstmals seit zehn Jahren wieder einem Fahrer gelungen, an der ligurischen Küste einen Angriff erfolgreich zu Ende zu führen. Der 33-Jährige vom Team Bahrain Merida hatte sich am Poggio, dem letzten kurzen Anstieg rund 7 km vor dem Ziel, vom Feld abgesetzt. In der anschliessenden Abfahrt spielte der "Hai von Messina" seine Fähigkeiten voll aus und hielt er seine Verfolger auf Distanz. Schliesslich rettete Nibali nach 294 km und über sieben Stunden Fahrzeit einen minimalen Vorsprung ins Ziel. Den Sprint des heranbrausenden Feldes gewann der Australier Caleb Ewan vor dem Franzosen Arnaud Démare, dem Sieger von 2016.

"Als mir über Radio gesagt wurde, ich hätte 20 Sekunden Vorsprung, dachte ich nur noch: Vollgas! Es ist ein fantastischer Tag für mich. Mir fehlen die Worte", sagte Nibali im Ziel. Der Sizilianer ist der erste einheimische Fahrer seit Filippo Pozzato im Jahr 2006, der auf der Via Roma gewinnen konnte.

Nibali durfte sich zum dritten Mal über einen Sieg an einem der fünf Radsport-Monumente freuen. 2015 und 2017 hatte er sich jeweils an der Lombardei-Rundfahrt durchgesetzt. Nibali ist überdies der einzige noch aktive Fahrer, der alle drei grossen Landesrundfahrten (Tour de France, 2x Giro d'Italia, Vuelta) mindestens einmal gewonnen hat.

Sagan und die Bürde der Weltmeister

Aus dem im Vorfeld mit einigen Sticheleien hochgeschaukelten Duell zwischen Vorjahressieger Michal Kwiatkowski und Topfavorit Peter Sagan wurde nichts. Kwiatkowski, der im Vorjahr so clever auf den letzten Zentimetern Sagan überspurtet hatte, blieb in der Endabrechnung nur Platz 11. Sagan muss sich ein weiteres Jahr auf seinen ersten Sieg bei "La Primavera" gedulden. Nach zwei 2. Rängen 2013 und 2017 musste sich der Weltmeister der letzten drei Jahre heuer mit Platz 6 begnügen.

Damit hält die Durststrecke der Weltmeister bei Mailand - Sanremo weiter an. Der Italiener Giuseppe Saronni war 1983 der letzte Fahrer, der auf der Via Roma im Regenbogentrikot triumphieren konnte.

Cavendish erneut im Sturzpech

Grosses Pech bekundete Ex-Weltmeister Mark Cavendish. Der Brite, 2009 Sieger in Sanremo, prallte 10 km vor dem Ziel aus voller Fahrt auf eine Verkehrsinsel in der Strassenmitte und überschlug sich. Mehrere Fahrer fuhren anschliessend in Cavendish rein. Der 32-Jährige wurde für weitere Untersuchungen ins Spital überführt. Zum Glück bewahrheitete sich die befürchtete Hüftverletzung nicht. Neben Blutergüssen und Hautabschürfungen brach sich Cavendish wie vor eineinhalb Wochen im Mannschaftszeitfahren des Tirreno-Adriatico eine Rippe. Ob er sich auch noch eine Bänderverletzung am Sprunggelenk zugezogen hat, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

Die einzigen beiden Schweizer Teilnehmer hatten mit der Entscheidung nichts zu tun. Die mit Helferdiensten beauftragten Michael Schär (BMC) und Gregory Rast (Trek Segafredo) erreichten das Ziel mit fast fünf Minuten Rückstand und mehr weit hinter der Spitze.

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