Richie Porte, Nairo Quintana, Mikael Landa, Jakob Fuglsang – die Startliste der diesjährigen Tour de Suisse liest sich punkto Gesamtklassement-Fahrer ausserordentlich gut. Dazu kommen noch andere Stars wie Peter Sagan, John Degenkolb, André Greipel, Michael Matthews, Greg van Avermaet oder Gippingen-Sieger Alexander Kristoff. Gemixt mit den grössten Schweizer Hoffnungen Stefan Küng, Silvan Dillier, Michael Albasini und Mathias Frank, ergibt das eine äusserst attraktive Mischung, die heute Samstag in Frauenfeld zum Auftakt der Rundfahrt am Start steht.

Ein Tour-de-France-Favorit in den Schweizer Alpen: Richie Porte bereitet sich heuer an der Tour de Suisse auf seinen Saisonhöhepunkt vor.

Ein Tour-de-France-Favorit in den Schweizer Alpen: Richie Porte bereitet sich heuer an der Tour de Suisse auf seinen Saisonhöhepunkt vor.

Sieben zusätzliche Tage Erholungszeit

Kein Wunder, frohlockt Tour-de-Suisse-Direktor Olivier Senn angesichts dieses Staraufgebots. Aber er weiss auch, dass diese Konstellation unter normalen Umständen einmalig schön bleibt. Weshalb? Verantwortlich für die plötzliche Popularität ist eine Terminverschiebung, die der Fussball-WM geschuldet ist. Wegen des sportlichen Megaevents in Russland haben die Organisatoren des wichtigsten Radrennens der Welt, der Tour de France, entschieden, ihren Anlass um eine Woche nach hinten zu schieben. Was bedeutet, dass die Fahrer nach der Tour de Suisse sieben zusätzliche Tage Erholungszeit bekommen.

Und genau diese Zeitspanne ist eben bei der Planung im Hinblick auf die Frankreich-Rundfahrt vor allem für die Gesamtklassements-Fahrer matchentscheidend. «Ob zwei oder drei Wochen Abstand zwischen Tour de Suisse und Tour de France macht einen grossen Unterschied für diese Profis», sagt Olivier Senn.

Der ewige Terminkampf

Schon im kommenden Jahr wird es also wieder so sein, wie es in der Regel eben ist: Die grossen Rundfahrten-Cracks werden sich am Dauphiné tummeln, der eben genau diese drei Wochen Abstand zur Grand Boucle hat. Und mit der ASO erst noch denselben Organisator hat wie die Tour de France.

Nairo Quintana gehört zu den Favoriten an der Tour de Suisse.

Nairo Quintana gehört zu den Favoriten an der Tour de Suisse.

Olivier Senn kämpft seit Jahren dafür, dass seine Rundfahrt einen anderen Termin bekommt. Er könnte sogar damit leben, dass die Tour de Suisse gleichzeitig mit dem Dauphiné stattfindet. Da sich die beiden Events am ersten bzw. letzten Rennwochenende sowieso kreuzen, müssen die World-Tour-Equipen so oder so zwei verschiedene Teams selektionieren.

Auch der dritte Anlauf droht zu scheitern

Olivier Senns Begehren wurden vom internationalen Radsportverband UCI bisher immer abgeschmettert. Auch der dritte Anlauf droht zu scheitern. Der Einfluss der ASO ist auf politischer Ebene schlicht zu gross, als dass man einen Entscheid, der sich negativ für eine der ASO-Rundfahrten auswirken könnte, fällt. Denn die Vorteile der Tour de Suisse würden auf der Hand liegen: «Qualität, gute Hotels, gute Strassen, gute Verpflegung sowie kurze Transfers», fasst Senn zusammen. Der Dauphiné könnte da lediglich die bisweilen ähnliche Streckenführung wie bei den Tour-de-France-Schlüsseletappen in die Waagschale werfen.

Für die Tour de Suisse wäre die regelmässige Teilnahme der Top-Rundfahrtencracks punkto Image natürlich Gold wert und hätte mittelfristig positive finanzielle Auswirkungen: «Wenn man immer die besten Fahrer am Start hat, dann hat man bei den Verhandlungen um die TV-Rechte natürlich die besseren Argumente in der Hand», erklärt Olivier Senn.

Jakob Fuglsang gehört zum Favoritenkreis an der diesjährigen Tour de Suisse.

Jakob Fuglsang gehört zum Favoritenkreis an der diesjährigen Tour de Suisse.

Sieben Einheimische am Start

Gold wert wäre für die Schweizer Rundfahrt aber zweifellos auch, wenn einer der einheimischen Radprofis eine gute Rolle spielen könnte. Nur noch sieben «Radgenossen» stehen dieses Jahr am Start: Stefan Küng, Silvan Dillier, Michael Albasini, Michael Schär, Reto Hollenstein, Mathias Frank und Gregory Rast. So wenige wie nie in der jüngeren Vergangenheit. Immerhin ist dieses Septett aber für den einen oder anderen Exploit gut.