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Thibaut Pinot, die Hoffnung einer stolzen Velonation

Seit 30 Jahren hat kein Franzose mehr die Tour de France gewonnen. Der letztjährige Dritte, Thibaut Pinot, versucht es mit einem anderen Weg als die Konkurrenz – über die Tour de Suisse.

Simon Steiner
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Thibaut Pinot.

Thibaut Pinot.

KEYSTONE

Was macht Thibaut Pinot an der Tour de Suisse? Wo doch als ausgemacht gilt, dass die am Sonntag beendete Dauphiné-Rundfahrt das bessere Vorbereitungsrennen für Fahrer ist, welche die Tour de France gewinnen wollen. Dies einerseits, weil die vom Tour-Veranstalter A.S.O. organisierte Dauphiné bereits einzelne Etappen der Frankreich-Rundfahrt vorwegnimmt, und andererseits, weil danach noch mehr Zeit bleibt bis zum Tourstart am 4. Juli. Ausgerechnet Pinot aber, der für die «Grande Boucle» als Captain der französischen Equipe FDJ vorgesehen ist, bestreitet diese Woche die Tour de Suisse.

«Warum nicht?», fragt der Franzose zurück. «Mir gefällt es in der Schweiz, und ich bin in den letzten Jahren immer die Tour de Suisse gefahren. Ich sehe keinen Grund, mit meinen Gewohnheiten zu brechen.» Ausserdem passe es ihm besser, wenn die Rennpause vor dem Tourstart nicht zu lang sei.

Dem Medienrummel ausweichen

Der Hauptgrund dürfte jedoch ein anderer sein: An der Tour de Suisse kann Pinot dem Medienrummel in seiner Heimat – zumindest vorerst – ausweichen. Der Fahrer aus der Region Franche-Comté weist diese Vermutung zwar entschieden zurück: «Mir ist es egal, wo ich fahre», sagt er. Die Erwartungen an sind hoch in Frankreich, das seit dem Triumph von Bernard Hinault im Jahr 1985 auf einen einheimischen Tour-de-France-Sieger wartet. Spätestens seit dem dritten Gesamtrang im vergangenen Jahr gilt Pinot zusammen mit dem gleichaltrigen Romain Bardet als grosse Hoffnung, das Gastgeberland der bedeutendsten Rundfahrt vom langen Warten zu erlösen.

Auch wenn Pinots Fokus ganz auf die Tour de France gerichtet ist, ist die Tour de Suisse für ihn mehr als ein Trainingsrennen. «Ich hoffe auf ein gutes Resultat in der Gesamtwertung», sagt der Profi, der in den Bergen vom Walliser Steve Morabito unterstützt wird. Der frühere Edelhelfer von Tour-de-France-Sieger Cadel Evans hat auf diese Saison hin von BMC zum Team FDJ gewechselt.

In der zweiten Etappe deutete Pinot bereits an, dass im Kampf um den Gesamtsieg bei der Schweizer Rundfahrt mit ihm zu rechnen ist. Als Etappenvierter traf er in der Spitzengruppe im Ziel ein – im Zwischenklassement nimmt er unmittelbar hinter Morabito die siebte Position ein. Die hiesigen Strassen liegen ihm ohnehin: Seine bisher wichtigsten Etappensiege feierte er in der Schweiz: 2012 in Pruntrut bei der Tour de France und diesen Frühling in Champex-Lac bei der Tour de Romandie.