Am 1. September wurde im Kanton Graubünden offiziell die Hochjagd eröffnet. Dieser erste Höhepunkt der herbstlichen Jagdsaison dauert bis zum 9. September. Dann wird auch die Mountainbike-WM auf der Lenzerheide zu Ende gehen. Eine zufällige Gemeinsamkeit, die aber doch sinnbildlich ist. Denn für die Schweizer Mountainbiker begann gestern in dieser wunderbaren Landschaft im Bündnerland die Jagd nach Medaillen.

Und zwar so, wie man es sich erträumt – und eigentlich auch erwartet hatte: mit der Goldmedaille im Staffelrennen. Die favorisierte Schweizer Equipe mit den U23-Athleten Filippo Colombo und Sina Frei, Junior Alexandre Balmer sowie den Elite-Dominatoren Jolanda Neff und Nino Schurter setzte sich vor Deutschland und Dänemark durch.

Stimmung für die Athleten

An der vier Kilometer langen Cross-Country-Strecke, welche malerisch oberhalb des Heidsees gelegen ist, versammelten sich schon am ersten WM-Tag mehrere tausend Zuschauer und bildeten so eine stimmungsvolle Kulisse für die Athleten.

Dass das bei anderen Titelkämpfen nicht immer so war, unterstrich der Deutsche Schlussfahrer Manuel Fumic: «Das war ein toller Event. Es ist Wahnsinn, was die Organisatoren hier aufgebaut haben. Ich habe Gänsehaut gekriegt während des Rennens. Das hilft der Nachhaltigkeit für unseren Sport ungemein.»

Fumic erlebte die hervorragende Stimmung vor allem deshalb hautnah, weil er am eigenen Leib erfahren durfte, wie Nino Schurter seiner Ausnahmestellung gerecht wurde und auf der letzten Ablösung kurzen Prozess mit seinem Konkurrenten machte.

Schurter und Fumic waren mit 40 Sekunden Rückstand auf die australische Juniorin Zoe Cuthbert auf die letzte Rennrunde gegangen. Nach lediglich zwei (!) Fahrminuten hatte Schurter die Führende 17-Jährige bereits ein- und überholt. Und gleichzeitig auch noch seinen letzten Begleiter, Manuel Fumic, distanziert.

Neff und das Niemandsland

Schurter sorgte damit schnell für klare Verhältnisse, nachdem sich Jolanda Neff in der vierten Ablösung überraschend schwergetan hatte und sich sogar von der entfesselnd fahrenden Deutschen Juniorin Ronja Eibl einholen lassen musste.

Die Ostschweizerin, die am Samstag eine heisse Anwärterin auf den neuerlichen Gewinn des WM-Titels ist, tat sich offensichtlich schwer damit, dass sie im «Niemandsland» fuhr und vor allem gegen vorne kaum einen Anhaltspunkt hatte, während die hinter ihr fahrende Eibl ihren «Hasen» Jolanda Neff hatte und nutzte.

Nino Schurter fährt als erster über die Ziellinie.

Neff sprach denn auch von einem «brutalen Rennen», freute sich aber umso mehr, dass sie zu dem Team gehörte, welches den Titel des Vorjahrs letztlich souverän verteidigte. «Es ist genial, dass wir unseren Fans schon jetzt einen Grund zum Feiern geben konnten. Ich konnte die Stimmung geniessen und hoffe, dass ich diese Energie mit in das Rennen vom Samstag nehmen kann.»

Apropos Stimmung: Supertalent Alexandre Balmer (18), der auf seiner Ablösung die zweitschnellste Zeit fuhr, sprach nach dem Rennen lächelnd davon, dass «ich fast Kopfweh bekommen habe, so laut war es an der Strecke».

Alles hat zusammengepasst

Nino Schurter freute sich vor allem darüber, dass das Staffelrennen als attraktiver Wettbewerb wahrgenommen werden konnte – und erst noch live im TV: «Es kommt immer darauf an, was man auf diesem Format macht. Diese Rennen sind mit ihren vielen Wechseln für die Zuschauer sehr attraktiv. Dazu sind sie auch sportlich herausfordernd, weil alles zusammenpassen muss, damit man erfolgreich sein kann.»

Bei den Schweizern passte zum Auftakt der Medaillenjagd zweifellos alles zusammen. Nino Schurter sprach in einem Anflug von Euphorie sogar davon, dass dies «die besten Mountainbike-Weltmeisterschaften der Geschichte» werden könnten. Rein sportlich betrachtet, haben die Schweizer Athleten die Messlatte bereits im Vorjahr weit nach oben gesetzt.

In Cairns (Australien) hatten die Mountainbiker nach dem Staffelsieg zum Auftakt fünf weitere Medaillen geholt, darunter WM-Titel von Jolanda Neff und von Nino Schurter. Dazu noch je zwei Triumphe in der Männer- und der Frauenstaffel, welche in diesem Jahr allerdings nicht ausgetragen werden.

Heuer sind dafür wieder die Cross-Country-Rennen der U23 und der Junioren im Programm. Dass man auch dort ein paar heisse Eisen im Feuer hat, bewies die «Jungmannschaft» im Staffelrennen eindrücklich. «Sie alle leisteten tolle Vorarbeit, ich musste eigentlich nur noch vollenden», verteilte Mountainbike-Star Nino Schurter Blumen an seine Teamkollegen. So lässt sichs jagen.