Silvan Diller, die Erwartungen waren hoch. Jetzt wurden sie Achter. Sind Sie enttäuscht?

Silvan Dillier: Ehrlich gesagt bin ich ohne grosse Erwartungen ins Rennen gegangen. Darum ist die Enttäuschung auch nicht so gross. Ich habe einfach probiert, das bestmögliche Rennen zu machen. Taktisch war es sehr schwierig. Ich habe gehofft, dass Mathias Frank es für unser Team (AG2R, Anm. der Red.) richten kann. Leider ist es nicht aufgegangen.

Wie war es für Sie, dass Ihnen ein ganzes Dorf die Daumen drückt?

Es war fantastisch! Ich bin wirklich stolz auf die ganze Organisation. Der ganze Anlass war ein Hit. Praktisch das ganze Dorf Schneisingen stand am Strassenrand. Dazu noch ganz viele Zuschauer und Fans aus der Region. Es war ein einzigartiges Rennen für mich.

Wenn man Ihnen vor den Schweizer Meisterschaften einen 2. Platz im Zeitfahren und einen 8. Platz im Strassenrennen angeboten hätte, hätten Sie unterschrieben?

Die Silbermedaille ja. Aber im Strassenrennen war ich schon am Start, um um den Sieg mitzufahren. Aber eben: Die Schweizer Meisterschaften sind taktisch immer schwierig. Und ich wusste, dass alle Augen auf mich gerichtet sind, dass ich mich keinen Zentimeter unbeobachtet bewegen kann.

War der Erwartungsdruck belastend?

Am Ende kommt der Druck sowieso immer von mir selber. Ich hätte gerne gewonnen hier in Schneisingen. Aber ich denke, dass ich mit der Situation recht gut umgehen konnte.

Hätten Sie die Beine noch einmal gehabt, den Abstand nach vorne zu reduzieren, wenn es die Rennsituation zugelassen hätte?

Alleine hätte ich es nicht richten können. Vor allem dann nicht, wenn die Spitzengruppe so gut harmoniert. 

Am Samstag starten Sie Ihre erste Tour de France. Wie sieht das Programm bis dahin aus?

Ich bin nur noch Montag und Dienstag zu Hause. Am Mittwoch besammelt sich das Team in Frankreich. Dort werden wir am Donnerstag noch einmal das Mannschafts-Zeitfahren trainieren. Am Freitag stehen Medientermine und die Fahrerpräsentation auf dem Programm. Und dann gehts schon los.

Freuen Sie sich? Oder dominiert doch eher die Nervosität?

Nervös bin ich gar nicht, aber ich gehe mit Respekt und Ehrfurcht an die Aufgabe. Ich freue mich, das Ganze mal als Fahrer erleben zu dürfen. Die Tour de France ist noch einmal ein anderes Kaliber als Giro oder Vuelta.