Tour de France
Schweizer Tour-Hoffnung Mathias Frank: «Ich will in die Top Ten»

Mathias Frank ist Captain des Schweizer Teams «IAM Cycling», das an der diesjährigen Tour de France Premiere feiert. Im Interview mit der «Nordwestschweiz» spricht er über die Vorbereitung und Ziele für das härteste Radrennen der Welt.

Roman Geissmann
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IAM-Captain Mathias Frank bei der Teampräsentation in Leeds, wo die Tour de France 2014 startet. IMAGO

IAM-Captain Mathias Frank bei der Teampräsentation in Leeds, wo die Tour de France 2014 startet. IMAGO

imago/Sirotti

Mathias Frank, welches sind Ihre persönlichen Ziele bei der diesjährigen Tour de France?

Mathias Frank: Zuerst gilt es, die erste Woche zu überstehen. Diese wird sehr hektisch, man muss immer aufpassen. Ich nehme Tag für Tag. Aber klar: Mein Ziel ist die Gesamtwertung und dort ein Platz in den Top Ten.

Ein ambitioniertes Ziel ...

Definitiv. Aber wenn du als Rundfahrer wahrgenommen werden willst, musst du mal an der Tour de France vorne dabei gewesen sein. Die Tour de France ist eine Riesensache.

Sie sind der Captain bei IAM?

Für die Gesamtwertung: ja. Ich werde da auch Unterstützung erhalten. Aber als Team haben wir noch andere Ziele: Das Maillot jaune zu holen wäre schon. Und wenn ein Etappensieg drin liegt, nehmen wir den gerne. Für diese Ziele haben wir Leute wie Sylvain Chavanel und Heinrich Haussler dabei. Sie sind unsere Leute für die erste Woche und sollen auf Etappensiege fahren.

Spüren Sie als Captain einen gewissen Druck?

Nicht unbedingt. Ich bin in diesem Jahr im neuen Team in diese Rolle hineingewachsen, ganz ohne Druck. Wenn es Druck gibt, dann den, den ich mir selber mache. Und mit meinem eigenen Druck kann ich in der Regel gut umgehen. Meine Erwartungen sind hoch. Ich bin aber sehr gut in Form!

Seit wann seid ihr in Leeds?

Seit Mittwochabend. Am Dienstag waren wir noch in der Region von Arenberg, um uns die Pavésektoren der 5. Etappe anzuschauen. Das wird eine nervöse und gefährliche Etappe!

So gefährlich, dass ihr die Etappe inspiziert habt?

Genau. Wir haben uns alles genau angeschaut und noch Materialtests gemacht. Auf dieser Etappe ist es wichtig, keine Zeit zu verlieren. Die Pavés könnten entscheidenden Einfluss nehmen auf den Ausgang der Tour de France. Die Favoriten müssen auf der Hut sein.

Nehmen Sie Erfahrungen mit aus früheren grossen Rundfahrten?

Definitiv. Ich bin schon den Giro d’Italia und die Vuelta zu Ende gefahren. Die Tour de France 2010 musste ich nach einem Sturz im Prolog aufgeben – trotzdem: Von den anderen «Grand Tours» nehme ich etwas mit. Ich habe früher zum Beispiel immer wieder Fehler gemacht, einen schlechten Tag eingezogen. Das Ziel ist, drei Wochen lang keinen schlechten Tag einzuziehen. Die erste Woche muss ich jetzt zuerst mal ohne Zeitverlust – und ohne Hautverlust! – überstehen. Bei der Tour de Suisse und anderen Rundfahrten war ich konstant, wurde gar immer besser, baute weniger ab als andere – aber jetzt sind es 21 Tage. Das ist eine Herausforderung. Jeder Tag bei der Tour de France ist eine Schlacht!

Haben Sie sich eine spezielle Etappe ausgesucht?

Nein. Früher bin ich in diesen Rundfahrten auf einzelne Etappen gefahren. Jetzt fahre ich auf die Gesamtwertung. Es gibt aber ein paar schöne Etappen. Zum Beispiel die Ankunft auf dem Planche des Belles Filles – am 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag – da wird einiges los sein. Ich habe diese Gegend und diese Bergankunft angeschaut vor der Tour. Diese Etappe könnte mir liegen. Ich werde auch nicht warten, bis ich abgehängt werde, sondern aktiv fahren, wie es mein Stil ist. Dann wird sich früher oder später eine Chance ergeben.

Haben Sie Respekt vor der ersten Tour-Woche mit den hektischen Flachetappen?

Ja. Der zweite Tag hier auf der Insel wird hart. Das ist ein kleines «Lüttich-Bastogne-Lüttich» (ein hügeliger Frühjahrsklassiker, d. Red.). Ich darf einfach keinen schlechten Tag erwischen, keine Zeit verlieren. Du kannst die Tour nicht an einem Tag gewinnen – aber du kannst sie an einem Tag verlieren! Ein altes Sprichwort, ich weiss, aber es stimmt. Die Flachetappen sind genauso wichtig wie die Bergetappen. Du darfst dort als Gesamtklassements-Anwärter keine Zeit verlieren.

Wie wichtig ist die Ernährung?

Sehr wichtig. Da habe ich früher vielleicht auch Fehler gemacht. Ich hatte immer wieder Magenprobleme. Das Team IAM hat einen eigenen Koch dabei. Und mit unserem Ernährungssponsor bin ich bisher sehr zufrieden, hatte keinerlei Probleme. Die Ernährung ist auch etwas, wo die Erfahrung wichtig ist. Wenn du immer nur Zuckergels isst, kriegst du Magenprobleme.

Wer sind die Favoriten auf den Gesamtsieg? Gibt es einen Fahrer, den man bisher nicht auf dem Radar hatte?

Nein, es sind die üblichen Verdächtigen. Eigentlich sind es zwei Namen (Alberto Contador und Chris Froome, d. Red.). Die 5. Etappe mit den Kopfsteinpflasterabschnitten kann aber alles verändern. Nach den ersten fünf bis sechs Tagen wird sich herauskristallisieren, wer für den Gesamtsieg infrage kommt.