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Rückkehrer Froome bei Ineos ohne Sonderstatus

Chris Froome im Februar bei seinem Wettkampf-Comeback in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Chris Froome im Februar bei seinem Wettkampf-Comeback in den Vereinigten Arabischen Emiraten

Ein Sieg fehlt Chris Froome bei der Tour de France noch, um auf einer Stufe mit Eddy Merckx und Co. zu stehen. Doch bei Ineos hat er nach seinem Horror-Sturz vor einem Jahr keinen Sonderstatus mehr.

Die fünf schlimmsten Minuten seiner Radsport-Karriere sind im Gedächtnis von Chris Froome immer noch gelöscht. "Ich erinnere mich, wie ich am Boden liege und mit dem Helikopter ins Spital gebracht werde, aber nicht an den Sturz", berichtet der vierfache Tour-de-France-Champion von dem tragischen Sturz im Juni 2019. Während der Streckenbesichtigung bei der Dauphiné-Rundfahrt war Froome von einer Windböe erfasst worden und mit Tempo 55 in eine Mauer gekracht.

Brüche am Oberschenkel, der Hüfte, am Ellbogen, an den Rippen und im Nackenbereich machten nicht nur Froomes Hoffnungen auf einen fünften Tour-Sieg im Sommer 2020 zunichte, sondern drohten auch seine beeindruckende Karriere auf unschöne Art zu beenden. Ein Szenario, mit dem sich der Brite partout nicht anfreunden wollte. So beharrlich wie er sonst seine Gegner in den Bergen abschüttelte, so unnachgiebig arbeitete Froome daheim in Monaco an "einer der grössten Comeback-Storys im Sport", wie er es selbst nennt.

Ein Jahr später ist bei Froome die Zuversicht zurück: "Ich bin bereit, auch als Captain." Das grosse Ziel bei der wegen der Coronavirus-Pandemie auf Ende August verschobenen Frankreich-Rundfahrt hat er klar vor Augen. "Mein Traum ist, bei meinem Rücktritt mehr Tour-Siege als jeder andere zu haben. Das ist das Traumszenario, aber ich weiss, dass da noch viel Arbeit wartet, ehe es Realität wird", sagte der 35-Jährige in einem Interview der französischen Sporttageszeitung "L'Equipe". Ein Sieg fehlt ihm noch, um dem erlesenen Kreis der Fünffach-Sieger Jacques Anquetil, Eddy Merckx, Bernard Hinault und Miguel Indurain beizutreten.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Teamchef Dave Brailsford versprach Froome zwar die Chefrolle für die Tour, aber das sagte der allmächtige Ineos-Boss auch Geraint Thomas und Egan Bernal zu, den Tour-Siegern der Jahre 2018 und 2019. Und der kolumbianische Titelverteidiger stellte sogleich klar: "Ich bin nicht bereit, eine Chance auf einen weiteren Sieg wegzuwerfen." Mit drei Captains an den Start zu gehen, hält Froome kaum für möglich.

Und allmählich schwant dem über viele Jahre unantastbaren Froome, dass seine Regentschaft beim britischen Super-Team enden könnte. Seine Berater sollen bereits bei anderen Teams angeklopft haben. Denn sein Vertrag läuft Ende des Jahres aus - im Gegenteil zu Thomas und Bernal, die noch bis 2021 bzw. 2023 an Ineos gebunden sind und im Vorjahr in Abwesenheit von Froome gut harmoniert haben.

Sogar über einen Wechsel während der laufenden Saison wird spekuliert. Schliesslich hat der Weltverband vom 1. bis 15. August wegen der Coronavirus-Pandemie ein Transferfenster geöffnet. Interessenten gibt es einige, wie etwa die mit vielen Millionen alimentierten Teams UAE, Bahrain-McLaren und Israel Start-Up Nation.

Ein Jahreslohn von schätzungsweise mehr als 4,5 Millionen Franken für einen 35-Jährigen ist in Krisenzeiten aber abschreckend. Und schliesslich hat Froome innerhalb der letzten zwölf Monaten nur einmal Rennkilometer abgespult, bei der wenig bedeutenden UAE Tour diesen Februar.

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