Radsport
Reifenwechseln mit Lance Armstrong – Flick-Tipps statt Einsicht

Lance Armstrong fühlt sich immer noch als Tour-Rekordsieger. Von Reue über seine Doping-Vergangenheit keine Spur. Dafür zeigt der Texaner in einer Videoanleitung, wie man in Rekordzeit einen platten Velo-Reifen wechselt.

Roman Geissmann
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Reifenwechseln wie ein Profi: Lance Armstrong

Reifenwechseln wie ein Profi: Lance Armstrong

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Lance Armstrong ist bekanntlich des Dopings überführt worden. Anschliessend wurden ihm seine sieben Tour-de-France-Titel aberkannt. Doch der Texaner hält sich noch immer für den Sieger dieser Rennen.

Wirft man einen Blick auf die Siegerlisten der Tour de France, fällt zwischen 1999 und 2005 eine Lücke auf. Es gibt keine Sieger. Lance Armstrong, der sieben Mal in Folge die grösste und wichtigste Landesrundfahrt gewann, wurde des Dopings überführt. Nachdem er jahrelang vehement behauptete, ja sogar vor Gericht schwor, niemals illegale Substanzen genommen zu haben. Die sieben Titel wurden ihm aberkannt und auch kein anderer Sieger ernannt.

Doch Armstrong, der überdies lebenslang gesperrt wurde, behauptet im Online-Magazin "Outside" nach wie vor Tour-de-France-Rekordsieger zu sein.

Armstrongs Betteln nach einer zweiten Chance

„Outside" drehte mit Armstrong einen „How to Do"-Clip. Der Texaner musste dabei vorzeigen, wie man einen platten Reifen wechselt. „Hi, mein Name ist Lance Armstrong, siebenfacher Tour-de-France-Champion. Hey! Ich habe das Skript nicht geschrieben." Mit diesem (schlechten) Witz beginnt der Clip.

Platter Reifen, platter Clip: Armstrong sitzt in einer Werkstatt, hat ein Cap aufgesetzt. Er erklärt ruhig, wie man den Reifen wechselt und gibt Tipps. Will der Texaner vermitteln, dass auch er eine zweite Chance verdient?

Lange Zeit hatte war der einstige Star der Radsportszene von der Bildfläche verschwunden. Viele Fans waren enttäuscht. Ehemalige Sponsoren fordern Schadenersatz. Nun ist er wieder da und polarisiert sogleich. Im Interview sagt er: „Ja, ich fühle mich noch immer als Sieger dieser Rennen."

Er wisse, dass dies keine beliebte Antwort sei. „Aber Realität ist: Es waren chaotische Zeiten." Armstrong bezeichnet die damalige Zeit als „Wettrüsten". Jeder habe dieses Spiel gespielt. Nicht nur er. Leider hat er damit wahrscheinlich Recht.

Respektlos gegenüber dem Sport

Klage gescheitert

Der ehemalige Radprofi Lance Armstrong ist mit seiner Klage gegen die Wiedereröffnung des Berufungsverfahrens, wonach ihm die Rückzahlung von Sponsor-Einnahmen droht, gescheitert. Das Berufungsgericht erklärte sich für nicht zuständig. Somit geht die juristische Auseinandersetzung zwischen Armstrong und der US-Versicherungsgesellschaft SCA Promotions in die nächste Runde. Diese fordert von Armstrong die Rückzahlung von Bonuszahlungen von zwölf Millionen Dollar.

Dass es respektlos war, jahrelang gedopt und dies auch noch hartnäckig geleugnet zu haben, davon sagt Lance Armstrong aber nichts. Von Reue keine Spur. Nicht die besten Voraussetzungen für eine zweite Chance.

Leserreaktionen auf das „Outside"-Interview fielen dann auch teilweise entrüstet aus. Man gäbe Armstrong eine Plattform, die er gar nicht verdiene, sagen einige. Das Magazin wehrt sich dagegen und schreibt, auch Tyler Hamilton, ein anderer Ex-Radprofi, der Doping gestand, habe eine zweite Chance bekommen. Wieso denn nicht auch Armstrong?

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