Tour de Suisse
Peter Sagan: Das teure Pferd eines Milliardärs

Tinkoff-Saxo-Fahrer Peter Sagan gewann an der Tour de Suisse die dritte Etappe. Und schafft damit genau das, was sein Chef, der milliardenschwere Russe Oleg Tinkow, von seinem Spitzenfahrer verlangt.

Simon Steiner, Olivone
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Geballte Faust: Peter Sagan überquert die Ziellinie in Olivone als Erster.

Geballte Faust: Peter Sagan überquert die Ziellinie in Olivone als Erster.

KEYSTONE

Oleg Tinkow ist ein reicher Mann. Auf über eine Milliarde Dollar wird das Vermögen des exzentrischen russischen Geschäftsmannes geschätzt. Weil er den Radsport liebt, hält er sich ein Profiteam, dessen Hauptsponsor er mit seinem Finanzunternehmen Tinkoff selber ist. Als Spielzeug, nicht als Business, wie er selber sagt. Was nicht heissen will, dass er für seine Investitionen keinen Ertrag erwartet.

Weil Tinkow keinerlei Hemmungen hat, öffentlich und ungeschminkt seine Meinung zu äussern, fiel die Kritik an Peter Sagan diesen Frühling entsprechend heftig aus. Der Slowake, vom Team Tinkoff-Saxo Bank auf diese Saison hin als einer der teuersten Fahrer in der Geschichte des Radsports verpflichtet, hatte in sämtlichen Frühjahrsklassikern das Podium verpasst.

Worauf Tinkow verkündete, er prüfe juristische Möglichkeiten, den auf rund vier Millionen Euro geschätzten Jahreslohn Sagans zu kürzen. Und gleichzeitig Teammanager Bjarne Riis entliess, von dem er die mit dänischer Lizenz fahrende Equipe Ende 2013 gekauft hatte.

Erfolg dank Majka

Gestern zeigte das teure Pferd im Rennstall des Multimillionärs nun an der Tour de Suisse, warum es sein Geld wert ist. Nach einem anspruchsvollen Finale gewann Sagan in Olivone die dritte Etappe im Spurt des arg dezimierten Feldes und stellte damit zum wiederholten Mal unter Beweis, dass er neben seinen Sprinterfähigkeiten auch über beachtliche Qualitäten am Berg verfügt.

Bedanken durfte sich Sagan danach auch bei seinem Teamkollegen Rafal Majka. Der polnische Kletterer, der im letzten Sommer zwei Bergetappen der Tour de France gewinnen konnte, stellte sich als Edelhelfer ganz in Sagans Dienst und sorgte im langen Aufstieg im Bleniotal praktisch im Alleingang dafür, dass sämtliche Ausreissversuche der Konkurrenten scheiterten.

Zu den Leidtragenden dieser Taktik gehörte der Schweizer Michael Albasini, der auf den letzten zehn Kilometern gleich zweimal in die Offensive ging, aber nie entscheidend wegkam. «Das Tempo im Feld war zu hoch», sagte der Thurgauer, der bei der Tour de Suisse schon drei Etappen gewonnen hat, hinterher. «Die letzten Kilometer waren härter, als ich es erwartet hatte. Aber wenn man nichts probiert, gewinnt man auch nichts.»

Den Rekord vor Augen

Peter Sagan konnte in Olivone bereits seinen zehnten Tagessieg im Rahmen der Tour de Suisse feiern, womit er in der ewigen Rangliste zu Fabian Cancellara aufschloss. Einzig die beiden Schweizer Radlegenden Hugo Koblet und Ferdy Kübler haben noch eine Etappe mehr gewonnen.

Zu ihnen könnte Sagan bereits am Dienstag auf der Etappe von Flims ins st. gallische Schwarzenbach aufschliessen – und damit dank der zehn Bonifikationssekunden gleich auch das Leadertrikot übernehmen. Damit würde er nicht nur dem Teambesitzer eine Freude machen, sondern auch dem Co-Sponsoren: Das Schloss Schwarzenbach ist ebenso im Besitz der dänischen Familie Christensen wie die Saxo Bank.

Nachdem er im Mai bereits die Kalifornien-Rundfahrt gewinnen konnte, hat Sagan nun bereits in Olivone eine eindrückliche Antwort auf die Kritik seines Chefs nach der Klassikersaison gegeben. «Oleg Tinkow ist der Teambesitzer. Er darf sagen, was er will», sagte der 25-jährige Slowake gestern. «Ich konzentriere mich darauf, so schnell wie möglich zu fahren. Das habe ich in den Klassikern versucht, und das versuche ich hier an der Tour de Suisse.» Und er wird es im Juli bei der Tour de France wieder versuchen.