Lance Armstrong
Oprah Winfrey: «Das grösste Interview, das ich je geführt habe»

Das Interview mit Lance Armstrong dürfte Oprah Winfrey Rekordquoten bescheren. Solche kommen ihrem angeschlagenen Sender OWN höchst gelegen.

Renzo Ruf, New York
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Lance Armstrong bei Oprah Winfrey.

Lance Armstrong bei Oprah Winfrey.

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Darauf hat Oprah Winfrey lange gewartet: Endlich macht die ungekrönte Königin des amerikanischen Unterhaltungsfernsehens wieder positive Schlagzeilen. Das Exklusivinterview mit dem gefallenen Radstar Lance Armstrong, das am Donnerstag und Freitag in voller Länge auf ihrem gleichnamigen Sender OWN (und im Internet) ausgestrahlt wird, ist in aller Munde.

Und Oprah wäre nicht Oprah, wenn sie diesen Moment nicht nutzte, um sich selbst ins beste Licht zu stellen. «Das ist sicherlich das grösste Interview, das ich je geführt habe», sagte Winfrey gestern im Frühstücksfernsehen des Senders CBS. «Ich bin zufrieden mit den Antworten, die ich erhalten habe.» Dann ging die 58-Jährige dazu über, den Gemütszustand des Radstars zu charakterisieren - obwohl sie wenige Sekunden zuvor verkündet hatte, dass «sie von solchen Beschreibungen» absehen wolle. Demnach war Armstrong in den zweieinhalb Stunden «bedächtig und ernsthaft», während sie geradezu «hypnotisiert und gefesselt» von seinen Antworten gewesen sei.
Verluste in den letzten Jahren
Solche Häppchen sollen natürlich helfen, die Einschaltquoten am Donnerstag (und Freitag) auf neue Rekordhöhen zu hieven. Das sollte allerdings auch nicht allzu schwer fallen. Denn bisher hat OWN (Oprah Winfrey Network), gestartet zu Beginn des Jahres 2011, die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Auch im vorigen Jahr soll der Sender einen Verlust in dreistelliger Millionenhöhe eingefahren haben, wie es aus Branchenkreisen heisst.

Immerhin: Mit einer Reihe von harten Einschnitten und programmatischen Entscheiden gelang es Winfrey, die seit Sommer 2011 auch als OWN-Geschäftsführerin amtiert, die Zügel herumzureissen. Rasch zeigte sich dabei, dass sie selbst immer noch am besten zieht. Oprahs tränenreiche Einblicke ins Privatleben prominenter Amerikanerinnen und Amerikaner - ausgestrahlt in der Gesprächssendung «Oprah's Next Chapter» - faszinieren ein Millionenpublikum. So schauten voriges Jahr 3,5 Millionen Menschen zu, als Bobbi Kristina über ihre Mutter Whitney Houston sprach. Und als Rihanna im vorigen August einräumte, dass sie ihren Ex-Freund und Peiniger immer noch liebe, fesselte dies immerhin 2,5 Millionen Fernsehzuschauer. Bereits verkünden Fachleute, dass OWN im laufenden Jahr erstmals eine schwarze Null schreiben könnte.
Vermögend dank Talkshow
Andererseits kann sich Oprah Winfrey die Verluste leisten. Ihr Privatvermögen wird vom Wirtschaftsmagazin Forbes auf 2,7 Milliarden Dollar geschätzt - weil es ihr gelang, in den Jahren 1986 bis 2011, als ihre Talkshow noch auf dem Sender CBS ausgestrahlt wurde, ein regelrechtes Geschäftsimperium aufzubauen.