Für den Franzosen war es der fünfte WM-Titel. Bronze holte wie an den Olympischen Spielen in London der Italiener Marco Aurelio Fontana. Aus dem Schweizer Team reihten sich neben Schurter auch Lukas Flückiger (7.) und Ralph Näf (10.) in den Top Ten ein.

Das eine Rennen zu viel für Schurter?

Julien Absalon war eine Klasse für sich. Der 34-Jährige aus den Vogesen drehte nach einem schwachen Start immer mehr auf, nach 40 Rennminuten konnte er den führenden Nino Schurter einholen, und schon wenig später zog Absalon mit einer Tempoverschärfung davon. Am Ende betrug sein Vorsprung fast zwei Minuten.

Schurter hatte auf Absalons Attacke keine Antwort gefunden. Der 28-Jährige aus Tersnaus musste die Dominanz seines Konkurrenten anerkennen. In der Schlussphase des Rennens ging es für Schurter primär darum, den 2. Platz abzusichern. Dabei blieb er nicht ohne Missgeschick.

In der letzten Abfahrt, als sich Enttäuschung breit machte und die Konzentration nachliess, stürzte Schurter in einem Steingarten. Mit starken Schmerzen kämpfte er sich über die Ziellinie. Schurter konnte später Entwarnung geben. Er habe sich nur einen Finger eingeklemmt und sich eine Knieprellung zugezogen, meinte er. In ein paar Tagen sei dies verheilt.

Die seelischen Schmerzen sind im Nachgang möglicherweise grösser. Schurter gab zwar an, dass er sich über Silber freuen könne. Hinter Absalon Zweiter zu werden sei keine Schande.

Er war jedoch in Norwegen mit der eindeutigen Absicht angetreten, um den WM-Titel erfolgreich zu verteidigen. Zu Beginn hatte auch alles auf einen weiteren Triumph des Schweizers hingedeutet. Sogar Schurter selber hatte in der Anfangsphase das Gefühl, das Geschehen im Griff zu haben.

Als dann aber Absalon an ihm vorbeigezogen sei, habe es ihm nicht nur an der Pace, sondern auch an der mentalen Frische gefehlt, so Schurter. Er meinte: "Vielleicht war es das eine Rennen zu viel. Im Kopf war ich nach dieser harten Saison etwas müde. Ich schaffte es nicht mehr, genug zu leiden und übers Limit zu gehen. Das wäre notwendig gewesen, um Absalon die Stirn bieten zu können."

Fully als Glücksgriff

Für Absalon hat sich ausbezahlt, dass er aufs WM-Rennen hin einen Bike-Wechsel vorgenommen hat. Der Franzose hatte zuletzt auf ruppigen Strecken-Abschnitten, wie man sie auch in Hafjell in einer Vielzahl vorfindet, jeweils einiges an Terrain eingebüsst.

Viele Insider rieten ihm deshalb, davon abzukommen, weiterhin auf eine Hardtail-Maschine mit weniger Federung zu setzen. Mit einem sogenannten Fully habe er bessere Erfolgsaussichten, lautete der Tenor. Absalon tat sich schwer damit, das Hardtail in die Ecke zu stellen.

Er betrachtete den Wechsel als Risiko, weil er bisher noch nie in einem wichtigen Cross-Country-Rennen ein Fully verwendet hatte. Schliesslich konnte er sich dazu durchringen, in Hafjell ein vollgefedertes Bike einzusetzen - und die Rechnung ging tatsächlich auf. Sieben Jahre nach seinem letzten WM-Titel und sechs Jahre nach seinem zweiten Olympiasieg kehrte er an internationalen Grossanlässen auf die oberste Podeststufe zurück.

Absalons Hausse ist nicht ohne Vorankündigung gekommen. Schon im letzten Jahr hatte er nach seinem Transfer von "Orbea" zum hochkarätig besetzten BMC-Team phasenweise zu alter Stärke zurückgefunden. An den Europameisterschaften in Bern trat er ähnlich dominant auf wie nun in Hafjell.

2013 mangelte es ihm aber noch etwas an der Konstanz - auch weil er immer wieder durch Materialdefekte und körperliche Probleme behindert wurde. An den letzten Weltmeisterschaften in Südafrika hatte er sich wegen des Handicaps einer Rippenverletzung nicht auf Augenhöhe mit Schurter befunden.

In dieser Saison konnte sich Absalon stabilisieren. Im Weltcup demonstrierte er seine Top-Verfassung regelmässig, was mit dem Gesamtsieg gekrönt wurde. Und nun an den Weltmeisterschaften lieferte er den nächsten Nachweis für sein enormes Leistungsvermögen.