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Nairo Quintana baut im Zeitfahren Gesamtführung beim Giro aus

Mit seinem unwiderstehlichen Ritt von Bassano del Grappa zur Cima Grappa zerstreute Quintana die geringen Hoffnungen der Gegnerschaft auf einen Ausrutscher.

Christian Brägger
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Angefeuert von den Zuschauern kämpft sich «Pink Panther» Quintana erfolgreich den Berg hoch.

Angefeuert von den Zuschauern kämpft sich «Pink Panther» Quintana erfolgreich den Berg hoch.

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Der Kolumbianer demonstrierte seine derzeitige Vormachtstellung am Berg – ob im Feld oder allein im Kampf gegen die Uhr – und gewann 17 Sekunden vor dem ebenfalls entfesselt fahrenden Fabio Aru das drittletzte Teilstück des Giro. Uran, der Gesamtleader der zweiten Woche, beendete das Bergzeitfahren mit dem Rückstand von 1:26 Minuten im dritten Rang.

Die ersten 7,5 km der Etappe waren noch flach, da lag Quintana zwischenzeitlich bloss an sechster Position. Danach, als es 19,3 km lang mit teilweise bis zu 14 Prozent Steigung bergauf ging, war gegen Quintana kein Kraut gewachsen. Nur noch der junge Italiener Aru, der heuer am Giro am Plan de Montecampione gewann, war ebenbürtig.

Doch auch er konnte den zweiten Tagessieg des 24-jährigen Südamerikaners nicht verhindern. So führt der Movistar-Profi, der als grosser Favorit zur dreiwöchigen Rundfahrt angetreten war, vor den letzten beiden Etappen mit 3:07 Minuten vor Uran und 3:48 vor Pierre Roland. Der Franzose lieferte im Zeitfahren mit dem vierten Tagesrang erneut eine starke Performance ab.

Zum vermeintlich grossen Verlierer wurde erneut Cadel Evans, der vor dem Zeitfahren im neunten Gesamtrang lag. Der australische Leader in der Startwoche büsste als Elfter wie am Vortag viel Zeit auf Quintana ein. Indes offenbarten die vor ihm liegenden Ryder Hesjedal und Wilco Kelderman noch grössere Defizite, weshalb der 37-jährige Evans im Gesamtklassement sogar noch zwei Ränge gutmachte und auf den
7. Platz vorrückte.

Quintanas perfekter Rennplan

Quintanas Rennplan für den Giro scheint vollends aufzugehen. In der ersten Woche noch von Krankheit und Atemproblemen behindert, galt es den Schaden möglichst gering zu halten. In der zweiten Woche liess der Kolumbianer vermehrt seine Muskeln spielen, ehe für den Vorjahreszweiten der Tour de France in der Schlusswoche mit insgesamt vier Bergankünften das bevorzugte Terrain kam.

Eiskalt schlug der «Bergfloh» mehrmals zu, weshalb ihm die «Maglia rosa» bis zum Ziel in Triest nur noch schwer abzunehmen sein wird. Er wird die Rundfahrt gewinnen, und dies sogleich mit seiner ersten Teilnahme. Alleine dieser Fakt wird Quintana für die im Juli beginnende Tour de France neben dem letztjährigen Sieger Christopher Froome zum Mitfavoriten machen.

Doch zuerst muss auch Quintana den letzten Tag in den Bergen und die vorletzte Etappe des Giro überstehen. Es geht von Maniago über 167 km hinauf zum Monte Zoncolan, es warten teilweise happige Abschnitte mit bis zu 22 Prozent Steigung. Doch auch diese Prüfung – daran besteht kein Zweifel – wird Quintana mit Bravour meistern.