Tour de France
Lance Armstrong: «Ich bin immer noch Tour-Rekordsieger»

Einen Tag vor dem Start zur 100. Ausgabe der Tour de France meldet sich der des Doping überführte Seriensieger Lance Armstrong mit kritischen Äusserungen zu Wort. Vor seiner Dopingvergangenheit erscheinen diese jedoch fragwürdig.

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Umstrittene Radsport-Legende: Lance Armstrong

Umstrittene Radsport-Legende: Lance Armstrong

Jahrelang hatte Armstrong beteuert, dass er seine sieben Tour de France Siege sauber herausgefahren habe.
Anfang Jahr kam dann aber plötzlich die grosse Wende. Angesichts der erdrückenden Beweiselage durch die Aussagen seiner ehemaligen Teamkollegen Floyd Landis und Tyler Hamilton gesteht Armstrong seinen Dopingmissbrauch.

In einer massenmedial inszenierten und stark beworbenen TV-Show bei Talkmasterin Oprah Winfrey gibt Armstrong zu, dass er bei allen Tour de France Siegen gedopt war.
Der Weltradsport Verband UCI hat ihm in der Zwischenzeit alle Titel aberkannt und ihn lebenslang gesperrt.

Kondition ist entscheidend

Unmittelbar vor dem Auftakt zur 100. Tour de France, die morgen auf Korsika beginnt, meldet sich Armstrong mit brisanten Äusserungen zu Wort und zwar in der Zeitung "Le Monde", die er während seiner Karriere jahrelang boykottierte. Sie war eine der wenigen Zeitungen, die den Texaner immer wieder in Verbindung mit Doping gebracht hatte.
«Es ist unmöglich, die Tour ohne Doping zu gewinnen. Die Tour ist eine Veranstaltung, bei der die Kondition entscheidend ist», sagt Armstrong.

Es sei offensichtlich, dass EPO einem Sprinter weniger helfe als einem Radfahrer. Doch damit noch nicht genug: Lance Armstrong sieht sich nach wie vor als Rekordsieger der Tour de France.

"Zwar wurde mein Name aus der Siegerliste entfernt. Doch die Tour wurde auch zwischen 1999 und 2005 gefahren. Also gibt es auch einen Sieger. Wer ist es? Niemand hat meine Gelben Trikots zurückgefordert", wird Armstrong von "Le Monde" zitiert.

Nur Teil des Systems

Obwohl viele Experten Armstrongs Dopingmissbrauch als das erste systematisch organisierte Dopingsystem im Radsport bezeichnen, sieht sich der Amerikaner nicht in einer Vorreiterrolle. «Ich habe das nicht erfunden, Doping existiert schon seit dem Altertum und wird auch weiter existieren. Es wird nie enden», sagt der 41-Jährige. Er selbst sei nur Teil eines Systems gewesen.

«Ich bin eben nur ein Mensch. Ich kann das alles wohl nicht wiedergutmachen, es aber dennoch als meine Lebensaufgabe ansehen», gibt sich Armstrong geläutert.

Anschuldigungen gegen Fussballer

Armstrong erhebt jedoch auch schwere Vorwürfe. Er verdächtigt "grosse Fussball-Clubs" in die Doping-Affäre um den Mediziner Eufemiano Fuentes verwickelt gewesen zu sein.

Zum Abschluss des Puerto-Prozesses zu Jahresbeginn hatte die Richterin in Madrid verfügt, dass die beim verurteilten Fuentes gefundenen rund 200 Blutbeutel von Sportlern zu vernichten seien. "Ich bin sicher, grosse Fussball-Clubs hatten Einfluss auf diese Entscheidung", sagte Armstrong dazu.

Kritik von Hinault

Der fünffache Tour-Sieger Bernard Hinault, der nun in die Tour-Organisation eingebunden ist, reagierte in einem TV-Interview mit klaren Worten: "Armstrong weiss offensichtlich nicht, wie es ist, die Tour ohne Doping zu fahren." Man müsse aufhören, zu glauben, dass alle Radprofis Gauner und Drogenabhängige seien. Auch Tour-Direktor Christian Prud'homme wies pauschale Verdächtigungen gegen den Radsport zurück: "Die Realität ist, dass der Radsport stigmatisiert wird. Und das ist nicht gerecht. Der Feind ist das Doping - nicht dieser oder jener Sport." (fba/sid)