WM Yorkshire

Küng holt Bronze - Aussenseiter Pedersen krönt sich zum Weltmeister

Stefan Küng fährt im WM-Strassenrennen in England sensationell zu Bronze

Stefan Küng fährt im WM-Strassenrennen in England sensationell zu Bronze

Stefan Küng gelingt im WM-Strassenrennen mit dem Gewinn von Bronze ein Coup. Der Thurgauer beweist beim Überraschungssieg des Dänen Mads Pedersen einmal mehr seine Qualitäten als Schlechtwetterfahrer.

Wenn andere wegen des schlechten Wetters die Nase rümpfen, lässt sich Stefan Küng nichts anmerken. So auch am Sonntag, als das britische Wetter seinem Ruf alle Ehre machte und das WM-Strassenrennen in der englischen Region Yorkshire bei Dauerregen, Wind und niedrigen Temperaturen für die Fahrer zu einer Herkulesaufgabe machte.

Aber wie man Küng kennt, liess er sich von den misslichen Bedingungen nicht beirren und zog seinen Plan, ein aktives Rennen zu fahren, voll durch. Nach einem Vorstoss des Amerikaners Lawson Craddock 67 km vor dem Ziel setzte der Schweizer Zeitfahr-Meister nach und biss sich an der Spitze fest. Begünstigt durch das Aufschliessen des bei den Buchmachern hoch im Kurs stehenden Niederländers Mathieu van der Poel entwickelte sich für Küng im erwarteten Ausscheidungsfahren genau jene Konstellation, die sich das Schweizer Team um Nationaltrainer Marcello Albasini erhofft hatte.

Als Van der Poel zu Beginn der neunten und letzten der knapp 14 km langen Zusatzschlaufen die Kräfte verliessen, war für Küng die Medaille plötzlich zum Greifen nah. Mit einer Tempoverschärfung im letzten Anstieg schaffte es Küng, auch den Italiener Gianni Moscon abzuschütteln. Am Ende fehlte ihm auf der ansteigenden Zielgeraden in Harrogate mit Dreiersprint gegen den Dänen Mads Pedersen und den Italiener Matteo Trentin aber die Kraft für die ganz grosse Krönung.

"Mit Herz gefahren"

Dennoch zeigte sich Küng überglücklich mit dem Gewinn von Bronze, nachdem er am Mittwoch im Zeitfahren als Zehnter die angestrebte Medaille doch klar verpasst hatte. "Mit dieser Medaille und der Art und Weise, wie ich gefahren bin, kann ich sehr zufrieden sein", sagte er im Ziel, gezeichnet von der Kälte. Er sei "mit Herz gefahren" und habe "die Flucht nach vorne" gesucht. "Im letzten Anstieg habe ich versucht, die anderen noch abzuschütteln, aber sie waren genug stark, um mir am Hinterrad zu bleiben."

Mit seinem couragierten Auftritt sorgte Küng für einen grossen Tag im Schweizer Radsport. Der letzte Medaillengewinn in einem WM-Strassenrennen eines Fahrers von Swiss Cycling liegt bereits zwanzig Jahre zurück. Als Markus Zberg 1999 in Verona Silber gewann, war Küng gerade einmal knapp sechs Jahre alt.

Mit dem letztjährigen U23-Weltmeister Marc Hirschi (27.) und Teamsenior Michael Albasini (22.) erreichten zwei weitere Fahrer aus dem Schweizer Sextett das Ziel. Insgesamt beendeten nur 46 der 196 gestarteten Fahrer das Rennen, das wegen teils überfluteter Strassen um zwei Anstiege von 280 auf 261 km verkürzt werden musste.

Pedersen düpiert die Favoriten

Noch überraschender als die Bronzemedaille von Küng kam der Sieg von Mads Pedersen, der sich als erster Däne überhaupt das begehrte Regenbogentrikot sicherte. Der 23-Jährige liess im Sprint den stärken einzustufenden Italiener Matteo Trentin hinter sich und feierte seinen mit Abstand grössten Erfolg. Sein bislang wertvollstes Resultat war ein 2. Rang in der Flandern Rundfahrt 2018.

"Als ich die Ziellinie sah, waren die Schmerzen vorbei und ich hoffte auf einen guten Sprint. Nach sechseinhalb Stunden auf dem Rad ist jeder am Limit, deshalb war in diesem Sprint alles möglich", erklärte der talentierte Däne. "Jeder will das Regenbogentrikot tragen. Jetzt habe ich es. Unglaublich!"

Mit Trentin hatte es in einem turbulenten Rennen immerhin einer der vielen Favoriten aufs Podest geschafft. Andere wie Ex-Weltmeister Philippe Gilbert (nach einem Sturz) oder Titelverteidiger Alejandro Valverde gaben das Rennen frühzeitig auf. Der dreifache Champion Peter Sagan wagte sich zu spät in die Offensive und wurde nur Fünfter. Wie der von den Kräften verlassene Van der Poel (43.) gehörte auch der Franzose Julian Alaphilippe (28.) an einem denkwürdigen Renntag zu den Geschlagenen.

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