In Abwesenheit der amerikanischen Weltcup-Leaderin Courtney setzte sich Jolanda Neff auf dem unbekannten Kurs in Brünn schon in der ersten Viertelstunde des Rennens an der Spitze ab. In der Folge baute die 26-Jährige, die im Weltcup noch auf den ersten Saisonsieg wartet, ihre Reserve sukzessive aus. Dahinter kämpfte mit Alessandra Keller zunächst eine weitere Schweizerin um eine Medaille. Die U23-Weltmeisterin aus Nidwalden, die sich Mitte Mai bei einem Sturz beide Mittelhandknochen gebrochen hat, wurde schliesslich Sechste.

Für Neff ist es der vierte EM-Titel nach 2015, 2016 und 2018. Schon im Vorjahr in Glasgow hat sie mit mehr als zwei Minuten Vorsprung gesiegt. Das Saison-Highlight folgt in einem Monat mit der WM in Kanada. Dort will sich Neff das Regenbogen-Trikot zurückholen, das sie in der letzten Saison an Kate Courtney abtreten musste. Davor stehen noch die Weltcup-Stationen in Val di Sole und Lenzerheide auf dem Programm.

Triumph von Van der Poel, Silber für Vogel

Zwei Monate nach seiner Siegpremiere im Weltcup errang Mathieu van der Poel seinen ersten bedeutenden Titel mit dem Mountainbike. In Abwesenheit von Nino Schurter und Mathias Flückiger, den grössten Konkurrenten im Weltcup, triumphierte der 24-jährige Allrounder aus den Niederlanden 43 Sekunden vor dem Schweizer Altmeister Florian Vogel. Dritter wurde Van der Poels Landsmann Milan Vader. Zweitbester Schweizer war Reto Indergand als Fünfter. Titelverteidiger Lars Forster musste sich mit Platz 11 begnügen.

Florian Vogel bewies, dass er auch mit 37 Jahren noch zu Spitzenresultaten fähig ist. Der Aargauer, der seit dieser Saison für die französische Equipe KMC Ekoi Orbea fährt, verwies seinen niederländischen Teamkollegen Milan Vader um 19 Sekunden auf den 3. Platz und komplettierte damit seinen Medaillensatz an Europameisterschaften. 2008 und 2017 hatte er den Titel geholt, 2011 war er Dritter.

"Dass ich 21 Jahre nach meinem ersten EM-Titel bei den Junioren immer noch vorne dabei bin, macht mich stolz. Neben Leuten wie Van der Poel auf dem Podest zu stehen, ist eine Ehre", sagte Vogel, dessen konservative Taktik sich abermals auszahlte. Während sich die Gegner in Positionskämpfe und Tempowechsel verstrickten, fuhr Vogel in seinem Tempo zu Silber. "Es fühlt sich an, als ob die Routine das Alter jedes Jahr mehr wettmacht", so Vogel.

Auch in der U23-Kategorie der Männer blieben die Schweizer dank Filippo Colombo nicht ohne Medaille. Der 21-jährige Tessiner wurde Zweiter hinter dem überlegenen Rumänen Vlad Dascalu. Mit vier Goldmedaillen und drei silbernen war die Delegation von Swiss Cycling auch in diesem Jahr die erfolgreichste an der EM.