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Jetzt wo Fabian Cancellara weg ist, steht Silvan Dillier plötzlich im Fokus

"Kopieren kann man Cancellara nicht", sagt Silvan Dillier.

"Kopieren kann man Cancellara nicht", sagt Silvan Dillier.

Der Aargauer Silvan Dillier will an der Flandern-Rundfahrt seinem Teamleader Greg van Avermaet zum Sieg verhelfen – und lernen für die Zukunft.

Die grosse Kunst des Radprofis besteht darin, im richtigen Moment in der bestmöglichen Form zu sein. Für Silvan Dillier ist der richtige Moment am Sonntag, wenn er die Flandern-Rundfahrt bestreitet. Was tun also, wenn man sich schon drei Wochen vor dem Höhepunkt so gut fühlt, dass man ein Dreitagesrennen auf dem zweiten Gesamtrang abschliesst? Bei «Dwars door West-Vlaanderen» landete der Aargauer auf dem Podest. «Es ist schwierig, diese Form dann auch zu konservieren. Das ist mir bis jetzt sehr gut gelungen. Ich bin sogar eher noch etwas besser geworden», ist Dillier zuversichtlich, dass er auch am Sonntag gut über die Runden kommt.

Kein Platz für eigene Ambitionen

Auf den 260 Kilometern kreuz und quer durch Flandern hat er eigentlich nur eine Aufgabe: seinem Teamleader Greg van Avermaet zum Sieg zu verhelfen. Der Classique-Jäger des BMC-Teams stellte seine herausragende Verfassung zuletzt eindrücklich unter Beweis. Der Sieg wird am Sonntag über ihn führen – und Silvan Dillier gehört zu den acht BMC-Profis, die den Belgier bei der Erfüllung seines Traums unterstützen werden. «Letztlich geht es darum, dass das Team das Rennen gewinnt. Es macht aber Sinn, dass man alles dem stärksten Fahrer unterordnet», weiss der Schneisinger, dass eigene Ambitionen keinen Platz haben. «Wenn man als Helfer seinen Job macht und Greg am Schluss das Rennen gewinnt, dann sind alle happy.»
Klar ist aber auch, dass der Erwartungsdruck riesig ist. Greg van Avermaet ist Lokalmatador und Topfavorit in Personalunion. Alle Augen werden auf ihn und das BMC-Team gerichtet sein – und somit automatisch auch auf Silvan Dillier. Jeder Fauxpas, jede Unachtsamkeit könnte dem grossen Favoriten zum Verhängnis werden. Der 27-jährige Dillier lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen: «Ein gewisser Druck ist nicht zu verleugnen. Man wird nach dem Rennen danach bewertet, ob man die gestellten Aufgaben gelöst hat. Aber Angst habe ich keine. Das Selbstvertrauen stimmt.»

Die Rollenaufteilung ist klar. Silvan Dillier gehört zu den BMC-Fahrern, die das Rennen in der Startphase kontrollieren sollen. Aber er weiss auch: «Wichtig ist, dass man intelligent fährt und nicht zu früh schon alle Körner verbraucht. Das Rennen wird auf den letzten 50, 60 Kilometern entschieden. Je mehr Fahrer unseres Teams dann noch dabei sind, umso besser ist es.»
Aus Schweizer Optik gehört es zur neuen Realität, dass «Wasserträger» wie Silvan Dillier in den Fokus rücken. In den letzten zehn Jahren gehörte stets ein gewisser Fabian Cancellara zu den grossen Favoriten auf den Sieg an der Flandern-Rundfahrt. Mit dem Rücktritt des dreifachen Flandern-Triumphators ist ein Schweizer Sieg nicht mehr realistisch. Für Dillier ist Cancellaras Abwesenheit kein spezieller Faktor: «Man wird von den Medien öfters darauf angesprochen, ob man einen zusätzlichen Druck spürt. Kopieren kann man Cancellara nicht. Deshalb müssen wir einfach unseren Job erledigen und versuchen, uns stetig zu verbessern.»

Verbessern ist ein gutes Stichwort für Dillier. Die Flandern-Rundfahrt entspricht genau dem Typ Rennen, welche auf seine Fähigkeiten zugeschnitten sind. Deshalb geht es für ihn auch darum, von Spitzenfahrern wie van Avermaet zu lernen: «Je länger man in der entscheidenden Phase dabei ist, umso mehr Schlüsse kann man daraus ziehen und davon profitieren, wenn man selber mal in der Position ist, ein Rennen gewinnen zu können.» Noch wichtiger sei aber fast, dass man «kleinere Rennen fährt, in welchen man eine Leaderrolle einnimmt und dort alles richtig macht. Dann kann man diese Mentalität auch in grössere Rennen mitnehmen.»

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