Nino Schurter holte in Nove Mesto seinen fünften Weltmeistertitel im Cross Country. Der Bündner siegte zum Abschluss der Titelkämpfe solo vor dem Tschechen Jaroslav Kulhavy und dem französischen Altmeister Julien Absalon. Matthias Stirnemann wurde guter Sechster.

Schurter setzte in der vierten von sechs Runden die entscheidende Attacke. Ab diesem Zeitpunkt fuhr er vor über 23 000 Zuschauern entlang der 4,1 km langen Schlaufe solo zur erfolgreichen Titelverteidigung. Kulhavys Rückstand im Ziel betrug 17 Sekunden, Absalon folgte 30 Sekunden hinter dem überlegenen Sieger. «Es war ein perfektes Rennen für mich. Ich spürte, dass ich heute stärker bin als die anderen», so Schurter.

Als zweitbester Schweizer überraschte der Aargauer Matthias Stirnemann als Sechster, gut zweieinhalb Minuten hinter Schurter. Lukas Flückiger wurde Zwölfter, sein jüngerer Bruder Mathias folgte auf Platz 14. Lars Forster, der neben Schurter und Mathias Flückiger dritte Olympiastarter von Swiss Cycling, war als 28. nur der achtbeste Schweizer. Zu den Pechvögeln des Tages gehörte Florian Vogel, der sich nach zwei Defekten mit Platz 23 begnügen musste.

Schurters Solofahrt

Mit dem vierten Titel in den letzten fünf Jahren fügte Weltcup-Leader Schurter seiner Trophäensammlung die fünfte WM-Goldmedaille bei. Der 30-Jährige schloss damit zum ebenfalls fünffachen Weltmeister Absalon auf, der als Dritter seine bereits neunte WM-Medaille einfuhr.

Für einmal konnte aber der französische Altmeister nicht ernsthaft in den Kampf um den Sieg eingreifen. Eine geschickte Einteilung der Kräfte verhalf ihm immerhin zum Podestplatz. Absalon liess seine beiden Hauptkonkurrenten und auch den am Ende viertplatzierten Tschechen Ondrej Cink gleich nach dem Start ziehen, schloss die zwischenzeitlich auf rund 30 Sekunden angewachsene Lücke gegen Ende der dritten von sechs Runden wieder und duellierte sich in der Schlussrunde mit Kulhavy um Platz 2.

Im Gegensatz zu Kulhavy, der sich alsbald auf die Verteidigung des 2. Platzes konzentrierte, verfügte Schurter beim Zusammenschluss des Trios um Rennhälfte ganz offensichtlich über Reserven. Mit einer Tempoverschärfung setzte er sich in der vierten Runde solo ab.

«Ich dachte, dass wir mit meiner Attacke Kulhavy abschütteln können, und sah dann, dass Absalon auch nicht folgen konnte. Also zog ich das Tempo durch, und es ging auf. Mit Absalon hätte ich mich getraut, in einen Sprint zu gehen. Mit Jaroslav nicht», so Schurter. Nachdem er sich ein beruhigendes Polster geschaffen hatte, konnte er das Risiko auf der Schlussrunde dosieren. Auf der Zielgeraden blieb ihm genügend Zeit, seinen Triumph gebührlich zu zelebrieren.

Mit seiner Demonstration in der tschechischen Mountainbike-Hochburg avanciert der Schweizer definitiv zum grossen Favoriten an den Olympischen Spielen in Rio im August. Gleichwohl sieht sich Schurter nun weniger unter Zugzwang: «Dieser Sieg nimmt mir ein bisschen den Druck vor Rio, denn ein grosses Saisonziel habe ich damit bereits erreicht.»

Kulhavys Kampfansage

Der nach einer Operation im März immer stärker werdende Kulhavy deutete an, dass er Schurter in Rio fordern kann, zumal sich der unberechenbare Tscheche noch nicht in Topform wähnt. «Ich bin mit dem 2. Platz sehr zufrieden, denn ich hatte heute nicht allzu gute Beine. In Rio wird meine Form sicher besser sein», so Kulhavy. An den letzten Olympischen Spielen vor vier Jahren in London setzte sich Kulhavy knapp vor Schurter durch.