GP Gippingen

Heimspiele als Fluch und Segen: Lokalmatador Silvan Dillier über Rennen durch die Aargauer Heimat

Alle Augen auf den Schweizer Meister: Silvan Dillier (rechts) wird in den kommenden Wochen unter erhöhter Beobachtung stehen.Keystone

Alle Augen auf den Schweizer Meister: Silvan Dillier (rechts) wird in den kommenden Wochen unter erhöhter Beobachtung stehen.Keystone

Silvan Dillier steht nicht nur heute beim Grossen Preis des Kantons Aargau im Mittelpunkt des Interesses. Was die zusätzliche Aufmerksamkeit für den 27-Jährigen bedeutet.

Was will man mehr? Ein Eintagesrennen, welches man schon als Junior bestritten hat. Eine Rundfahrt im eigenen Land, in welcher eine Etappe im Heimatkanton endet. Eine Schweizer Meisterschaft, welche im eigenen Wohnort über die Bühne geht. Die kommenden drei Wochen haben es für Silvan Dillier in sich. Wo auch immer er sein Rennrad besteigen wird und an die Startlinie rollt, da werden viele Augen auf ihn gerichtet sein.

Auf ihn, den amtierenden Schweizer Meister. Auf ihn, den sensationellen Zweiten von Paris–Roubaix. Und vor allem auf ihn, den Lokalmatador. Gippingen, Gansingen, Schneisingen sind die drei Hotspots, in welchen der 27-Jährige im Mittelpunkt des Interesses stehen wird. Der Reihe nach am Donnerstag Nachmittag beim Grossen Preis des Kantons Aargau, ab Samstag an der Tour de Suisse, welche am Montag einen Zwischenhalt in Dilliers Heimatkanton einlegen wird, und dann am 1. Juli, wenn die nationalen Titelkämpfe vor seiner Haustüre stattfinden.

Vorfreude: Ja, aber ...

Vorfreude? «Jein», sagt Silvan Dillier. Denn er weiss, dass die Leute vor allem nach seinem Parforce-Ritt bei Paris–Roubaix, wo er nur von Weltmeister Peter Sagan geschlagen worden war, nun bisweilen Wunderdinge von ihm erwarten. Der Rummel nach seinem Exploit war riesig. Auch wenn sich die Lage inzwischen wieder etwas beruhigt hat, so ist das Interesse unverändert gross.

«Ich freue mich auf diese Rennen in meiner Heimat. Und ich werde auch versuchen, die zusätzliche Unterstützung des Publikums zu nutzen. Aber es ist extrem schwierig, den Erwartungen gerecht zu werden.» Dillier erklärt, dass einerseits die Rennen sehr unberechenbar sein können und man auch das nötige Glück haben müsse. «Anderseits ist es auch nicht so, dass ich jetzt schon in Bestform bin.»

Keine Priorität

Man spürt es, dass der Profi des französischen AG2R-Rennstalls versucht, den Erwartungsdruck zu dämpfen. Die Rennen in seiner Heimat sind ihm wichtig. Aber er gibt auch zu verstehen, dass sie, rein sportlich betrachtet, aktuell nicht allerhöchste Priorität bei ihm geniessen. Und das aus gutem Grund.

Silvan Dillier wird Teil der Tour-de-France-Formation der AG2R-Equipe sein. «Dieses Rennen ist nicht nur für unser Team extrem wichtig», sagt er. Zumal die Mannschaft mit Romain Bardet einen Fahrer in seinen Reihen weiss, der ein ernsthafter Anwärter auf den Gesamtsieg sein könnte. Logisch, wird da darauf geachtet, dass der Kräftehaushalt aller Beteiligten im Vorfeld nicht unnötig belastet wird.

Das gilt eben auch für Silvan Dillier und zeigt die Zwickmühle, in der er steckt, recht schön auf. Dieser Balance-Akt zwischen Fluch und Segen. Er wird ihn nicht nur heute Nachmittag beim Grossen Preis des Kantons Aargau bewältigen müssen.

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