TV-Doping-Geständnis
Hat Lance Armstrong auch bei seiner TV-Beichte gelogen?

Der ehemalige Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada hat Lance Armstrong erneut beschuldigt, dem Verband eine Spende angeboten zu haben. Armstrong hatte diesen Bestechungsversuch bei seiner TV-Doping-Beichte dementiert.

Thomas Schlittler
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Lance Armstrong bei Oprah Winfrey: Hat der Texaner die ganze Wahrheit gesagt? Quelle: Keystone

Lance Armstrong bei Oprah Winfrey: Hat der Texaner die ganze Wahrheit gesagt? Quelle: Keystone

Letzte Woche dominierte Lance Armstrong dank seiner Doping-Beichte bei US-Talkmasterin Oprah Winfrey die Schlagzeilen. Der gefallene Radstar wollte einen Befreiungsschlag landen und einen Schlussstrich unter seine Doping-Vergangenheit ziehen. Doch die ersehnte Ruhe will einfach nicht einkehren: Terry Madden, der ehemalige Chef der US-Antidoping-Agentur Usada bekräftigte seinen Vorwurf, Armstrong habe zu seiner aktiven Zeit der Organisation über Mittelsmänner eine sechsstellige Spende angeboten. Der 41-Jährige Armstrong hatte dies zuvor im zweiten Teil des Interviews mit Winfrey als falsch zurückgewiesen.

Er erinnere sich «sehr klar» an den Vorgang, sagte Madden dem US-amerikanischen Fernsehsender ESPN. «Travis (Tygart, seit 2007 Chef der Usada, Anm. der Redaktion) informierte mich über das Angebot und wir haben diese Idee sofort abgelehnt. Aufgrund unserer Regeln können wir von niemandem, den wir testen oder irgendwann testen könnten, eine Spende annehmen», so Madden. Es habe sich dabei um eine geplante Spende in Höhe von 250000 US-Dollar gehandelt.

Des Weiteren verneinte Armstrong im Interview von letzter Woche, dass es bei der Tour de Suisse 2001 eine positive Doping-Probe von ihm gegeben habe, die er mithilfe des Weltverbandes UCI vertuscht habe. Dies hatte unter anderem Tyler Hamilton behauptet, Armstrongs ehemaliger Teamkollege und wichtiger Helfer. Hamilton bleibt bei seiner Aussage: «Ich weiss nicht, warum Lance ein paar Sachen zugibt und andere leugnet. Vielleicht hat es mit juristischen Dingen zu tun.»

Die Aussagen von Hamilton und Madden reihen sich in eine Vielzahl von Vorwürfen gegen Armstrong nach dessen Doping-Beichte. Bereits nach der Ausstrahlung des ersten Teils hatte John Fahey, Chef der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) Armstrong vorgeworfen, weiterhin die Wahrheit zu verschleiern. Der gefallene Rad-Profi hatte im Gespräch mit Winfrey bestritten, auch bei seinem Comeback 2009 gedopt zu haben. Laut Fahey ist die Usada jedoch im Besitz eindeutiger Blutproben Armstrongs, die «mit absoluter Sicherheit» zeigten, dass er auch bei seiner Rückkehr in den Profisport mit verbotenen Substanzen nachgeholfen habe.

Lance Armstrong hatte im Interview mit Oprah Winfrey eingeräumt, seit Mitte der neunziger Jahre und auch bei seinen inzwischen aberkannten sieben Tour-de-France-Siegen zu verbotenen Substanzen gegriffen zu haben, darunter Epo, Testosteron sowie Bluttranfusionen. Dem Texaner, der zuvor jegliches Fehlverhalten bestritten hatte, waren bereits im Bericht der US-Antidoping-Agentur Usada massive Dopingvergehen nachgewiesen worden. Der Radsport-Weltverband UCI reagierte nach einer Überprüfung der Unterlagen mit der Aberkennung von Armstrongs Tour-Siegen sowie einer lebenslangen Sperre.