Giro d'Italia

Grosser Umsturz bei Höllenritt: Chris Froome neu in der Maglia rosa – Totaleinbruch bei der Konkurrenz

Chris Froome jubelt beim überqueren der Ziellinie in Bardonecchia.

Chris Froome jubelt beim überqueren der Ziellinie in Bardonecchia.

Mit einer beeindruckenden und in dieser Form unerwarteten Soloflucht sorgte Chris Froome in der 19. Etappe für den totalen Umsturz in der Gesamtwertung des Giro d'Italia. Froome gewann die Bergankunft in Bardonecchia und übernahm am drittletzten Tag das Leadertrikot.

Ausgerechnet Chris Froome hat für einen der spektakulärsten Tage in der jüngeren Geschichte des Radsports gesorgt. Der Brite, der seit der Vuelta im letzten Herbst unter Dopingverdacht steht, griff 80 Kilometer vor dem Ziel an der drittletzten Steigung an und krönte seine unglaubliche Leistung mit dem zweiten Tagessieg und der Fahrt in die Maglia rosa.

Der bisherige Leader Simon Yates, der in der Königsetappe einen rabenschwarzen Tag einzog, und alle anderen Konkurrenten hatten der Attacke von Froome nichts entgegen zu setzen. 3:00 Minuten vor dem Ecuadorianer Richard Carapaz und 3:07 vor dem Franzosen Thibaut Pinot erreichte Froome nach 184 Kilometern und vier happigen Steigungen das Ziel oberhalb der Skistation in den italienischen Alpen.

Mit Höllenritt zur Führung: Chris Froome kommt als Erster im Ziel an

In der Gesamtwertung steigt Froome, der als Gesamtvierter mit einem Rückstand von 3:22 Minuten in die Etappe gestartet war, mit einer Reserve von 40 Sekunden auf den bereits zuvor zweitklassierten Vorjahressieger Tom Dumoulin (5. der Etappe) aus der Niederlande in die letzten beiden Tage. Dritter ist neu Pinot; der Franzose liegt aber bereits 4:17 Minuten zurück.

Vor dem Finale am Sonntagabend in Rom haben die Profis am Samstag von Susa nach Cervinia noch einmal eine schwierige Alpenetappe mit zwei Pässen und einer Schlusssteigung über insgesamt 214 Kilometer zu absolvieren.

Ein Angriff à la Landis

«Ich habe noch nie 80 Kilometer vor dem Ziel angegriffen. Das war schon wirklich etwas ganz Besonderes heute. Ich dachte am Colle delle Finestre: egal – jetzt oder nie. Ich musste es probieren», sagte Froome nach seinem Coup. Dank dem Husarenritt steht er vor seinem ersten Giro-Gesamtsieg und könnte die dritte grosse Rundfahrt in Folge nach der Tour de France und der Vuelta 2017 gewinnen.

Froomes unwiderstehliche Attacke erinnerte an Floyd Landis, dem in der 17. Etappe der Tour de France 2006 eine ähnliche Flucht über gar 125 Kilometer gelang – nur einen Tag nach einem deftigen Einbruch, bei dem der Amerikaner mehr als zehn Minuten verloren und das Leadertrikot hatte abgeben müssen. Drei Tage später fuhr Landis als Sieger der Frankreich-Rundfahrt in Paris ein. Nach der Tour wurde ihm bei seiner irren Show Doping nachgewiesen.

Die Dopingjäger im Genick hat auch Chris Froome, nachdem ihm an der Spanien-Rundfahrt 2017 ein erhöhter Salbutamol-Wert nachgewiesen worden ist. Froome beteuert seine Unschuld, das Verfahren läuft noch immer. Sein Start am Giro ist wegen der ungeklärten Affäre auch von den Fahrern skeptisch beurteilt worden.

Der grosse Einbruch von Yates

Während Dumoulin und Pinot den Schaden noch einigermassen in Grenzen hielten, fiel der bisher so überzeugende Simon Yates aus allen Traktanden. Der bisherige Leader, der seit der 6. Etappe in der Maglia rosa gefahren war, hatte bereits am Vortag geschwächelt und Zeit eingebüsst.

Nun verlor der Landsmann von Froome schon vor dessen Angriff den Kontakt zur Spitzengruppe. Im Ziel betrug Yates' Rückstand fast 39 Minuten. Im Gesamtklassement fiel der dreifache Etappensieger auf Platz 18 zurück, mit einem Rückstand von 35:42 Minuten.

Damit liegt Yates vor der letzten schwierigen Prüfung des Giro noch eine Position hinter Sébastien Reichenbach. Der Walliser war seinem Captain Thibaut Pinot bis in den Schlussaufstieg eine enorm grosse Hilfe und fuhr nach einem erneut hervorragenden Rennen in den 6. Rang der Etappe.

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