Giro d'Italia
Ein Fragezeichen hinter Froomes Triumph: Wie lange bleibt der Brite Giro Sieger?

Dank einer starken dritten Rennwoche stand Chris Froome zum ersten Mal in seiner Karriere zuoberst auf dem Podest des Giro d'Italia. Doch ob der Brite Gesamtsieger der Italien-Rundfahrt bleibt oder nachträglich doch noch aus der Siegerliste gestrichen wird, ist offen.

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Chris Froome feiert nach der 20. Etappe in Cervinia seinen Gesamtsieg am Giro d'Italia mit Champagner

Chris Froome feiert nach der 20. Etappe in Cervinia seinen Gesamtsieg am Giro d'Italia mit Champagner

KEYSTONE/EPA ANSA/DANIEL DAL ZENNARO

Was ist Froomes ausserordentlicher Erfolg im 101. Giro d'Italia wert? Die Frage beschäftigt den Radsport mindestens bis zum Start der Tour de France am 7. Juli, wenn der Weltverband UCI den des Dopings verdächtigten Briten nicht vorher wegen überhöhter Salbutamol-Werte sanktioniert.

Die UCI führt seit Monaten eine Untersuchung zur unerlaubten Höhe des bei Froome gemessenen Wertes des Asthmamittels Salbutamol und entscheidet letztlich über das Schicksal des Sky-Captains. Froome drohen eine Doping-Sperre und die Aberkennung aller Resultate seit September 2017.

Solange die Richter und Funktionäre zu keinem abschliessenden Urteil gekommen sind, darf Froome weiter seiner Arbeit nachgehen – und er tut dies schlagzeilenträchtig. Der 33-Jährige bereitet sich nach seinem Triumph in Italien auf die Tour de France vor, an der er seinen fünften Gesamtsieg erringen will.

"Ich stehe am Start und werde alles geben", sagte Froome am Samstag in Cervinia, wo er die letzten zaghaften Angriffe auf die Maglia rosa vor der für das Gesamtklassement nicht mehr gewerteten letzten Etappe abgewehrt hatte.

Der grosse Umsturz

4:52 Minuten lag Froome vor einer Woche in der Gesamtwertung hinter seinem damals führenden Landsmann Simon Yates zurück. Auf den letzten sechs Teilstücken wandelte er den Rückstand in einen Vorsprung von 46 Sekunden auf den zweitplatzierten Niederländer Tom Dumoulin und 4:57 Minuten auf den drittklassierten Kolumbianer Miguel Angel Lopez um.

Den Löwenanteil zum Umsturz steuerte Froome in der 19. und drittletzen Etappe bei, als er aus einer scheinbar aussichtslosen Situation nach einem beeindruckenden Soloritt über 80 Kilometer in Bardonecchia allen Konkurrenten drei Minuten und mehr abnahm. "Der macht den Landis" entfuhr es George Bennett. Der Konkurrent von Froome sprach etwas an, was viele andere auch in der Radsport-Szene bei dieser Vorstellung des Briten dachten.

Verständnis für Skeptiker

An der Tour de France 2006 hatte Floyd Landis eine fast identische Aktion gestartet. Nach einer 125 Kilometer langen, ebenfalls erfolgreichen Flucht leitete der Amerikaner den Umsturz in der Gesamtwertung ein - nur einen Tag nach einem Einbruch im Leadertrikot. Wenige Tage nach seinem Gesamtsieg wurde Landis des Testosteron-Dopings überführt.

Froome hatte Verständnis für die Skeptiker: "Ich kann die Parallelen verstehen, die einige (zu Landis' Aktion - Red.) ziehen. Ich bin sicher, dass das Ergebnis hier am Giro Bestand haben wird". Er werde die Rundfahrt, die für ihn mit zwei Stürzen und unerwarteten Zeitverlusten begann, "als die grösste Schlacht meiner Karriere" in Erinnerung behalten.

Plausible Erklärungen

Froome ist überzeugt von seiner Unschuld und fürchtet den Ausgang der Untersuchung nicht. Für Froomes Husarenritt am Freitag gab es aber durchaus auch plausible Erklärungen. Auf der Verfolgung des Briten erhielt Vorjahressieger Dumoulin kaum Unterstützung. Der Leader Simon Yates erlitt an diesem Tag einen Totaleinbruch, ebenso wie der Franzose Thibaut Pinot am Tag danach.

Letztlich war es ein Zweikampf Froome gegen Dumoulin, den Froome - vornehmlich auf den gefährlichen Abfahrten - mit hohem Risiko für sich entschied. Dave Brailsford ordnete den Tag als "wahrscheinlich bemerkenswertesten" der Teamgeschichte ein. Der ebenfalls nicht unumstrittene Chef des Teams Sky möge Recht behalten - im Sinn der Glaubwürdigkeit des Radsports.