UCI World Tour
Ein Aufstieg der Verpflichtungen mit sich bringt

Das Schweizer Profiteam IAM Cycling startet kommende Saison mit World-Tour-Status

Simon Steiner, Saanen
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Der Mann für die Berge: Mathias Frank posiert bei der Teampräsentation in Saanen vor einem Alpenpanorama.

Der Mann für die Berge: Mathias Frank posiert bei der Teampräsentation in Saanen vor einem Alpenpanorama.

Keystone

Als Michel Thétaz seine Fahrer im Sommer an der Tour de France kämpfen sah, stand für ihn fest: Dieses Team gehört in die höchste Liga des Radsports. So leitete der Gründer und Besitzer der einzigen Schweizer Profimannschaft die nötigen Schritte ein, um mit IAM Cycling nach zwei Saisons auf der zweithöchsten Stufe (Pro Continental) in den Status eines World-Tour-Teams aufzusteigen. Neben der Verpflichtung zusätzlicher Fahrer und Betreuer gehörte dazu die Beantragung einer entsprechenden Lizenz beim Rad-Weltverband UCI. Dieser gab vergangene Woche schliesslich grünes Licht: IAM Cycling wird die Saison 2015 mit einer World-Tour-Lizenz bestreiten.

«Die Mannschaft hat sich dies durch ihre Leistungen verdient», sagte Teamchef Thétaz gestern anlässlich der Kaderpräsentation in Saanen. IAM ist damit nicht wie bisher auf Einladungen zu den grossen Rennen angewiesen. Im Gegenteil: Die Schweizer Equipe hat sich mit dem Aufstieg dazu verpflichtet, an sämtlichen Rennen der World Tour teilzunehmen. Diese beginnt bereits am 20. Januar in Australien mit der sechstägigen Tour Down Under und umfasst die wichtigsten Etappen- und Eintagesrennen – insbesondere die dreiwöchigen Rundfahrten Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta.

Grösseres Arbeitspensum

«Es ist eine grosse Erleichterung, dass wir uns nicht mehr um Startgelegenheiten bemühen müssen», sagt Teamchef Thétaz. «Das hat in der Vergangenheit viel Arbeit in Anspruch genommen.» Auch die Planung der Renneinsätze der Fahrer wird deutlich einfacher. «Da unser Wettkampfkalender nun bereits vor der Saison praktisch feststeht, können wir die Rennen gezielter vorbereiten», sagt der Schweizer Marcello Albasini, der bei IAM als Sportlicher Direktor und Trainer fungiert. Die grösste Herausforderung sieht Albasini darin, das gewachsene Team zusammen mit den zusätzlich eingestellten Betreuern zu einer homogenen Einheit zu formen. «Je mehr Leute involviert sind, desto schwieriger wird es, dass alle am gleichen Strick ziehen.»

Trotz der Aufstockung des Kaders steigt zudem das Wettkampfpensum der einzelnen Fahrer. Nachdem die 25 Fahrer in der vergangenen Saison durchschnittlich 66 Renntage absolvierten, rechnet der neue sportliche Manager Rik Verbrugghe für 2015 im Schnitt mit 72 Einsatztagen für die inzwischen 29 Profis. Der Belgier fürchtet jedoch nicht, dass sich die Equipe damit übernehmen könnte. «Wenn man das mit den anderen Mannschaften vergleicht, ist das immer noch eine vernünftige Belastung», sagt Verbrugghe. «Wir wollen uns auf keinen Fall zu viel aufhalsen.»

Um den Anforderungen der World-Tour gerecht werden zu können, greift Teambesitzer Thétaz tiefer in die Tasche. Rund 10 bis 12 Millionen Franken lässt sich der Genfer Vermögensverwalter sein Engagement im Radsport kosten. Ein fixes Budget existiert allerdings nicht. Als Besitzer und Hauptsponsor in Personalunion kann Thétaz als notwendig erachtete Investitionen auch kurzfristig tätigen. Zudem sind die Löhne der Fahrer auch vom Erfolg abhängig. «Je teurer es für mich wird, desto glücklicher bin ich», schmunzelt Thétaz, der gestern bestätigte, dass er das Team über die kommende Saison hinaus finanzieren wird. Dies idealerweise gemeinsam mit einem Co-Sponsor. «Das müsste aber jemand sein, der denselben Esprit besitzt.»

Frank setzt auf die Tour de France

Einer, der die Rechnung des Chefs in die Höhe treiben könnte, ist Mathias Frank. Der im Baselbiet wohnhafte Luzerner ist auch in der kommenden Saison als Teamleader für die grossen Rundfahrten vorgesehen. Der 28-Jährige will sich 2015 noch stärker auf die Frankreich-Rundfahrt konzentrieren. «Mit der Tour de France habe ich noch eine Rechnung offen», sagt Frank, der die Rundfahrt dieses Jahr nach der siebten Etappe mit einem gebrochenen Oberschenkel aufgeben musste. Seine erste Tour-Teilnahme hatte 2010 gar bereits nach einem Sturz im Prolog geendet. Der klare Fokus auf die Tour de France könnte bedeuten, dass Frank möglicherweise seine Ambitionen bei der Tour de Suisse, die er heuer als Zweiter beendete, etwas zurücknehmen muss.

Insgesamt figurieren 2015 zehn Schweizer Profis im Kader des Teams, von Routinier und Landesmeister Martin Elmiger bis zu Neoprofi Simon Pellaud. Die Klassiker-Truppe vom IAM Cycling wird weiter angeführt vom Franzosen Sylvain Chavanel und dem Australier Heinrich Haussler. Prominenteste Neuzugänge im Team sind Stef Clement (Ho). Jérôme Coppel (Fr), Jonas van Genechten (Be) und Larry Warbasse (USA).

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