Radsport

Die Stunde der strammen Waden in Grenchen

Oberschenkel-Vergleich zweier Bahnradfahrer: Die Oberschenkel rechts gehören dem deutschen Fahrer Robert Förstemann.

Oberschenkel-Vergleich zweier Bahnradfahrer: Die Oberschenkel rechts gehören dem deutschen Fahrer Robert Förstemann.

Ab morgen Mittwoch sind in Grenchen ausserordentliche Fähigkeiten gefragt. Wer sich auf der Bahn im Velodrome Suisse eine der insgesamt 66 EM-Medaillen sichern will, braucht zum einen stramme Waden.

Stramme Waden braucht man für die Sprintentscheidungen, in welchen über 70 Stundenkilometer erreicht werden. Oder aber schnelle Beine zum Beispiel für das Scratch- oder die Verfolgungsrennen. Der Bahnradsport ist spektakulär, dynamisch und schnell, und er ist zuweilen etwas kompliziert. Eine Auflistung und Erklärung jener Disziplinen, welche im Velodrome Suisse auf dem Programm stehen:

Ausscheidungsfahren

In der relativ jungen Disziplin sind nicht nur Kraft und Ausdauer, sondern vor allem auch taktisches Geschick gefragt. Der Modus sieht vor, dass immer nach zwei Runden der Letzte ausscheidet. Der «Final» der letzten zwei Fahrer ist dann ein klassischer Sprint. An der Heim-EM in Grenchen kann Loïc Perizzolo (26) im Idealfall um einen Podestplatz mitfahren.

Keirin

Die Wurzeln des «Kampfsprints» liegen in Japan. Der Start des bis zu sechs Fahrer grossen Feldes erfolgt hinter einem Elektromotorrad, welches nach fünf Runden und einer Geschwindigkeit von rund 50 km/h die Bahn verlässt und das Rennen freigibt. Das eigentliche Rennen findet auf den folgenden drei Runden statt. Diese Rennform bevorzugt Sprinter, weshalb auf der EM-Startliste keine Schweizer zu finden sind.

Madison

Das Besondere im «Zweier-Mannschaftsfahren» ist der Schleudergriff, mit welchem sich die Fahrer gegenseitig lancieren. Das heisst, es ist immer nur einer des Duos im unteren Teil der Bahn in der Rennwertung. Der andere ruht sich im oberen Teil der Bahn aus und hält sich für die nächste Ablösung bereit. Die Wertungskriterien ähneln einem Kriterium auf der Strasse (nach genau diesem Prinzip funktioniert auch das Punktefahren, in welchem Claudio Imhof (25) das Potenzial für einen Top-5-Rang hat). Unterwegs werden Sprintwertungen abgenommen und Punkte verteilt. Jenes Team mit den meisten Punkten gewinnt das Rennen. Es sei denn, es weist einen Rundenrückstand auf, denn im Madison gilt die Regel «Rundengewinn vor Punktgewinn». Stefan Küng (21) und Théry Schir (22) haben an der WM 2014 mit Rang 3 ihre Möglichkeiten aufgezeigt.

Omnium

Der Sechskampf des Bahnradsports, bestehend aus Scratch, Einzelverfolgung, Ausscheidungsfahren, Zeitfahren, 200 m mit fliegendem Start und Punktefahren. Das Omnium vereint Kraft und Ausdauer, Kurzzeit- und Ausdauerdisziplinen. Abgerechnet wird in Punkten je nach Klassierung in den verschiedenen Einzeldisziplinen. Da Gaël Suter vor der EM von einem Auto angefahren wurde, startet an seiner Stelle Olivier Beer. Ein Start im Omnium ist deshalb so wichtig, weil es an der EM wichtige Punkte im Hinblick auf einen Quotenplatz für Rio 2016 zu gewinnen gibt. Beer ist ein Kandidat für die Top 8.

Scratch

Die Regel ist ganz einfach und entspricht einem normalen Strassenrennen: Wer zuerst im Ziel ist, hat gewonnen. Fährt eine Gruppe von Fahrern einen Rundengewinn heraus, macht diese im Sprint den Sieger unter sich aus. Das Rennen der Männer ist in Grenchen auf 60 Runden (15 km), bei den Frauen auf deren 40 (10 km) angesetzt. Bei einem taktischen, also nicht allzu schnellen Rennverlauf liegt für Tristan Marguet (28) ein Rang unter den ersten 5 drin.

Sprint

Er gilt als Königsdisziplin im Bahnradsport. In Turnierform ausgetragen, werden auf den Kurzstrecken Geschwindigkeiten von mehr als 70 km/h erzielt. Auch im Sprint spielt die Taktik: So gewinnt nicht selten jener Fahrer, der auf der letzten Runde aus dem Windschatten angreifen kann. Die Schweiz ist in der olympischen Disziplin nicht vertreten.

(Team-)Verfolgung

Die wohl ästhetischste Disziplin des Bahnfahrens. Die vier Fahrer reihen sich möglichst dicht hintereinander auf und lösen sich regelmässig in der Führung ab. Ziel ist es, das gegenüberliegend gestartete Team einzuholen. Gelingt dies, ist das Rennen beendet. Ansonsten ist jenes Team siegreich, dessen dritter Fahrer zuerst über die Ziellinie fährt. In der Besetzung Stefan Küng, Frank Pasche (22), Silvan Dillier (25) und Théry Schir kann die Schweiz in Grenchen im Idealfall aufs Podest. In der Einzelverfolgung möchte Küng nach dem Weltmeistertitel 2015 an der EM nachdoppeln.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1