Radsport

Der Toursieger als ruhiger Pol im Sturm um sein Team

Vincenzo Nibali gibt sich vor der Tour de Romandie entspannt.

Vincenzo Nibali gibt sich vor der Tour de Romandie entspannt.

Vincenzo Nibali, der im Sommer die Titelverteidigung an der Tour der France anstrebt, ist der Stars an der Tour de Romandie. Die Unruhen rund um sein Team will er nicht als Ausrede gelten lassen, dass die Erfolge in diesem Jahr bisher ausblieben.

Vincenzo Nibali hat die Tour de France auch deshalb gewonnen, weil er Störfaktoren besonders gut auszublenden weiss. Ohne diese Eigenschaft kommt kein Favorit mit dem Medienrummel an der Frankreich-Rundfahrt zurecht. Es mag daher tatsächlich zutreffen, wenn Nibali sagt, die Vorgänge um sein Team Astana in den vergangenen Monaten hätten ihn nicht belastet. Erst seit letztem Donnerstag ist klar, dass die kasachische Mannschaft ihre World-Tour-Lizenz behalten darf. «Das ist eine gute Nachricht, aber es ist deswegen kein Druck von meinen Schultern gefallen», sagt der 30-jährige Italiener. «Es gab nämlich keinen Druck – ausser in den Medien.»

Nach mehreren Dopingfällen im Team in der letzten Saison – zwei bei den Profis und drei im Nachwuchs – hatte der Radsport-Weltverband UCI der Mannschaft die Lizenz für die laufende Saison nur provisorisch erteilt und eine externe Untersuchung durch das Sportwissenschaftliche Institut der Universität Lausanne eingeleitet. Aufgrund des Untersuchungsberichts beantragte die UCI dann im Februar bei der eigenen Lizenzkommission einen Entzug der World-Tour-Lizenz. Nach dem jüngsten Entscheid verbleibt Astana nun unter Auflagen in der höchsten Stufe.

Der kleine Makel auf dem Trikot

«Ich bin in dieser Sache immer ruhig geblieben – egal, ob ein Entscheid positiv oder negativ war. Und nun haben wir gemeinsam mit der UCI eine Lösung gefunden», sagt Nibali, der mit seinem Team bei einem Lizenzentzug nicht mehr automatisch zur Tour de France startberechtigt gewesen wäre, wo er im Sommer die Titelverteidigung anstrebt. Dass letzten Herbst mit Maxim Iglinski einer seiner Helfer auf dem Weg zum Toursieg des EPO-Dopings überführt wurde, bleibt als kleiner Makel auf dem Maillot jaune, kann Nibali aber ebenso wenig persönlich angelastet werden wie der Umstand, dass bisher weder Teamchef Alexander Winokurow noch Edelhelfer Michele Scarponi über ihre eigene Dopingvergangenheit erkennbare Reue gezeigt hätten.

Die Querelen um das Team also will Nibali nicht als Ausrede dafür gelten lassen, dass bei ihm in dieser Saison die grossen Erfolge bisher ausgeblieben sind. Den Grund dafür sieht er vielmehr in der konsequenten Ausrichtung auf die Tour de France. «Ich bin diese Saison ruhiger angegangen als in anderen Jahren», sagt der gebürtige Sizilianer, der seit einigen Jahren in Lugano wohnt. «Die Tour de France liegt mitten im Jahr, da macht es keinen Sinn, vorher schon einen Formhöhepunkt einzuplanen.»

Dass es zuletzt in den Ardennen-Klassikern trotz aktiver Fahrweise nicht zu einem zählbaren Resultat reichte, war für Nibali dennoch eine leichte Enttäuschung. «Es waren schwierige Rennen», stellt der amtierende italienische Strassenmeister fest. «Aber ich spüre, dass die Form immer besser wird.»

Doppelspitze in der Romandie

Ob die Verfassung diese Woche bereits ausreicht, um bei der Tour de Romandie um den Sieg mitzufahren, wird sich weisen. Nibali gibt sich vor dem Start defensiv. «Ich werde von Tag zu Tag schauen, was drinliegt.» Dass er mit dem Dänen Jakob Fuglsang einen Kollegen im Team hat, der ebenfalls als Podestkandidat für die Gesamtwertung gilt, kommt ihm nicht ungelegen. «Fuglsang ist vielleicht einen Tick besser in Form als ich», sagt Nibali und kündigt an, mit der gleichen Strategie anzutreten wie im letzten Jahr, als sich die beiden Teamleader gegenseitig unterstützten und am Ende auf den Rängen 5 (Nibali) und 7 (Fuglsang) landeten. «Im Lauf der Woche wird sich zeigen, wer die besseren Beine hat.»

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