Tour de France
Der Thronfolger ist bereit zur Krönung

Christopher Froome startet als Topfavorit in die 100. Tour de France , die heute in Korsika beginnt – diesmal darf er gewinnen. Als grösster Konkurrent Froomes gilt Alberto Contador.

Simon Steiner
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In einer «super Form»: Christopher Froome.keystone

In einer «super Form»: Christopher Froome.keystone

Christopher Froome hätte die Tour de France schon im letzten Jahr gewinnen können, doch er durfte nicht. Als Edelhelfer von Bradley Wiggins war Froome in den Bergen stärker als sein Teamleader, durfte diesem aber nicht davonfahren und beendete die Tour hinter Wiggins schliesslich als Zweiter.

Diesmal darf Froome nicht nur, er muss fast schon. Der 28-jährige Brite startet als Topfavorit in die 100. Tour de France, die heute in Korsika beginnt – und in 21 Tagen und über 3404 Kilometer nach Paris führt. Während Vorjahressieger Wiggins verletzungshalber fehlt, hat Froome eine grandiose Frühlingssaison hinter sich.

Ob Oman-Rundfahrt oder Critérium International, ob Tour de Romandie oder Dauphiné-Rundfahrt – die Gesamtwertung ging immer an Froome. Einzig im Tirreno-Adriatico, der von Wetterkapriolen begleitet wurde, fand er im späteren Giro-Sieger Vincenzo Nibali einen Bezwinger. Der Italiener verzichtet jedoch auf die Tour und konzentriert sich auf die Vuelta und die Heim-WM in Florenz im Herbst.

«Ich bin in einer super Form», sagt der eher unscheinbar wirkende Topfavorit vor dem Start zur Jubiläumstour. «Ich bin bereits und freue mich, dass es losgeht.» Der in Kenia aufgewachsene und geborene Froome ist ein kompletter Fahrer, der sowohl in den Bergen als auch in den Zeitfahren eine gute Figur abgibt. Zudem weiss der Captain des Teams Sky die wohl stärkste Mannschaft im Rücken.

In den Bergen steht ihm der Australier Richie Porte zur Seite, der die Dauphiné-Rundfahrt zuletzt hinter seinem Chef als Zweiter beendete. Als alleinigen Favoriten will sich Froome allerdings nicht sehen: «Ich will keine Namen nennen, weil ich sicher einen vergessen würde», sagt der Brite. «Aber es gibt sicher sieben oder acht Fahrer, welche die Tour gewinnen können.»

Contador als Gegenspieler

Als grösster Konkurrent Froomes gilt Alberto Contador. Der Gewinner von 2007 und 2009 bestreitet die «Grande Boucle» erstmals seit seinem positiven Dopingbefund, der neben einer zweijährigen Sperre unter anderen die Aberkennung des Toursiegs von 2010 zur Folge hatte. Der 30-jährige Spanier könnte mit seiner aggressiven Fahrweise dazu beitragen, dass die Sky-Mannschaft das Rennen auf dem gegenüber 2012 anspruchsvolleren Kurs weniger gut kontrollieren kann als vor einem Jahr.

«Radsport ist keine Mathematik», sagt Contador, zu dessen Helfern unter anderem der Tour-de-Suisse-Dritte Roman Kreuziger zählt. «Glücklicherweise sind wir keine Maschinen, und die Bedingungen bei einer Rundfahrt können sich sehr schnell ändern. Die Tour könnte bis zur vorletzten Etappe offenbleiben.» Zum erwarteten Duell mit Froome sagt Contador: «Ich habe keine Angst vor ihm, er ist zu schlagen. Aber es gibt noch mehr Fahrer, die gefährlich sind.»

Zu diesen gehört auch Joaquim Rodriguez (Sp), sofern er den Rückstand in den Zeitfahren im Rahmen halten kann. Mit Spannung zu erwarten wird auch der Auftritt des von Cadel Evans (Au) angeführten BMC-Teams sein. Sollte der 36-jährige Toursieger von 2011 Schwächen zeigen, könnte der zwölf Jahre jüngere Amerikaner Tejay van Garderen die Leaderrolle übernehmen. Höchstens Aussenseiterchancen werden Andy Schleck (Sieger 2010) eingeräumt, hinter dessen Formstand ein grosses Fragezeichen zu setzen ist.

Als erster Fahrer ins Gelbe Trikot einkleiden lassen dürfte sich heute ein Sprinter. Heissester Kandidat ist Mark Cavendish, der bereits 23 Tour-Etappen gewonnen hat. Im Gegensatz zu seinem letztjährigen Engagement bei Sky hat der Brite wieder ein auf ihn abgestimmtes Team zur Seite. Auf Etappensiege abgesehen haben es auch Profis wie André Greipel (De) oder Peter Sagan (Slk).

Nur drei Schweizer Starter

Unter den 198 Teilnehmern finden sich nur drei Schweizer. Während sich der frischgebackene Schweizer Meister Michael Schär ebenso klar in den Dienst der beiden BMC-Leader Evans und van Garderen stellen wird wie sein Teamkollege Steve Morabito, darf sich Gippingen-Sieger Michael Albasini Hoffnungen auf einen Tagessieg in einer mittelschweren Etappe machen. Sein Team Orica Greenedge hat mit Matthew Goss zwar einen Spezialisten für Massensprints in seinen Reihen, aber keinen Anwärter auf das Gesamtklassement.