Doping-Skandal
Das droht Lance Armstrong bei einer Doping-Beichte

Am 17. Januar soll es soweit sein: Der gefallene Radrennprofi gibt ein exklusives Interview mit der Talkshow-Legende Operah Winfrey - doch nicht nur in sportlicher, auch in juristischer Hinsicht wartet man die Sendung gespannt ab.

Simon Michel
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Macht Lance Armstrong reinen Tisch?

Macht Lance Armstrong reinen Tisch?

Keystone

Lange stritt der 41-jährige Armstrong heftig ab, dass er gedopt haben soll. Doch nun soll der siebenfache Tour-de-France Gewinner am Montag bei der Aufzeichnung der Interviews eingeräumt haben, leistungssteigernde Mittel eingenommen zu haben.

Armstong unter Meineid

Armstong hat 2006 einen Eid abgelegt, dass er keine Verbindungen mehr habe zum italienischen Dopingarzt Michele Ferrari. Falls sich dies nun als Lüge herausstellen sollte, könnte dem Ex-Fahrradstar ein ähnliches Schicksal drohen wie einst der ebenfalls aus den USA stammenden Leichtathletin Marion Jones. Auch die fünffache Medaillengewinnerin stand unter Eid und gab nach jahrelangem Abstreiten 2007 zu, jahrelang gedopt zu haben. Das Urteil lautete auf sechs Monate unbedingt Gefängnis und Verrichtung von zusätzlichen 400 Stunden gemeinnütziger Arbeit.

Zweiteiliges Interview bei Oprah Winfrey

Das Interview mit der ehemaligen Fahrrad-Ikone soll diese Woche in voller Länge ausgestrahlt werden. Den ersten Teil gibt es am Donnerstag, den zweiten am Freitag jeweils auf oprah.com zu sehen.

Falls Armstrong diesen Donnerstag geständig sein sollte, prognostiziert Rechtsanwalt Michael Noth der Ex-Ikone nebst strafrechtlichen auch zivilrechtliche Konsequenzen:«Es werden sicherlich auch ehemalige Sponsoren auf ihn zurückkommen, was für ihn unangenehm werden könnte». Zum Beispiel die US Postal, welche mit öffentlichen finanziellen Mitteln Armstrong unterstützte.

Stephan Netzle, Rechtsanwalt und Experte im Sportrecht, geht davon aus, dass Armstrong zudem die Preisgelder der gewonnenen Tour-de-France zurückzahlen muss und dass auch weitere Geldgeber Rückforderungen aussprechen.

Rettungsring «Whistleblower»?

Noth kommentiert diesen Ausweg zu Armstrongs Gunsten: «Jedoch trägt er auch als Kronzeuge eine zu grosse Last, dass er frei davon kommen könnte. Aber es wird sicher zu einer Reduktion führen.» Die lebenslange Sperre zum Beispiel könnte laut Rechtsanwalt Netzle auf acht Jahre gekürzt werden. «Jedoch sind die gerichtlichen Entschädigungen im Sport nicht so gross wie bei anderen Strafvergehen», fügt er hinzu.