Rad
Cancellara kann beim morgigen Kopfsteinklassiker neuen Rekord aufstellen

Gewinnt Fabian Cancellara am Sonntag bei Paris-Roubaix, wäre das ein neuer Rekord. Der 33-Jährige wäre der erste, der zum dritten Mal im selben Jahr die beiden Kopfsteinklassiker Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix gewonnen hat.

Simon Steiner
Drucken
Teilen
Fabian Cancellara steht vor einem einmaligen Rekord im Radsport. (Archiv)

Fabian Cancellara steht vor einem einmaligen Rekord im Radsport. (Archiv)

Keystone

Fabian Cancellara hat die 112. Auflage von Paris–Roubaix noch längst nicht gewonnen. Daran sei einleitend erinnert, weil sich wieder einmal alle einig sind: Der Berner startet morgen als unbestrittener Topfavorit zum Pavé-Klassiker im Norden Frankreichs. L’homme à battre – der Mann, den es zu schlagen gilt – heisst Cancellara.

Diese Rolle kommt dem 33-Jährigen nicht nur als Vorjahressieger zu, sondern auch als Gewinner der Flandern-Rundfahrt am vergangenen Sonntag. Nach seinen ersten beiden Siegen beim Eintagesklassiker in Belgien in den Jahren 2010 und 2013 setzte sich Cancellara in der Folge jeweils auch bei Paris–Roubaix durch. Trifft er morgen erneut als Erster im Ziel ein, würde er sein drittes Double in den beiden grossen Kopfsteinpflaster-Klassikern vollenden – ein Unterfangen, das bisher noch keinem Fahrer gelungen ist.

Ein weiterer Rekord vor Augen

Mit einem vierten Triumph würde sich Cancellara zugleich auf eine Stufe hieven mit den beiden Rekordsiegern bei Paris–Roubaix, den beiden Belgier Roger de Vlaeminck und Tom Boonen. Letzterer strebt seinerseits den fünften Erfolg an und zählt morgen auf den 257 Kilometern zwischen Compiègne und Roubaix zu den gefährlichsten Rivalen des Schweizers im Kampf um den Sieg.

So sehr Cancellara bestrebt ist, Radsportgeschichte zu schreiben: Er wird gut beraten sein, wenn er sich während des Rennens nicht zu viele Gedanken über die historische Dimension eines möglichen weiteren Sieges macht. Zu einem Selbstläufer wird ein solcher – Topfavorit hin, Topfavorit her – keineswegs werden. Im Gegenteil: «Es ist schwieriger, einen Sieg zu wiederholen, als zum ersten Mal zu gewinnen», sagt er.

Die erste Voraussetzung dafür mag selbstverständlich klingen, ist aber nicht so einfach zu erfüllen: Wer in der Schlussphase um die begehrte Pavé-Trophäe mitkämpfen will, muss den Ritt durch die «Hölle des Nordens», wie das Rennen auch genannt wird, erst einmal heil überstehen. Über 28 Abschnitte mit total 51 Kilometern Kopfsteinpflaster führt der Parcours, der jedes Jahr seine Opfer fordert.

Ein Lied davon singen kann auch Cancellaras Rennstall Trek. Vor einem Jahr wurde die Equipe, damals noch unter dem Namen Radioshack, durch diverse Stürze zurückgebunden, sodass der Teamleader vorne bereits früh isoliert war. Dieses Szenario wiederholte sich nun bei der Flandern-Rundfahrt. «Wir haben als Team versagt», sagte Cancellaras Edelhelfer Grégory Rast.

Dass sich der Zeitfahr-Olympiasieger von 2008 dennoch beide Male durchsetzen konnte, spricht für seine Klasse. Ob dies unter gleichen Voraussetzungen morgen ein weiteres Mal gut gehen kann, ist jedoch fraglich.

Erschwerend kommt hinzu, dass Cancellara morgen auf einen seiner wichtigsten Helfer verzichten muss. Der Belgier Stijn Devolder hat sich von seinem Sturz bei der Flandern-Rundfahrt noch nicht erholt. Viele Teams werden ihre Taktik darauf ausrichten, Cancellaras erwarteter Schlussoffensive mit frühen Attacken zuvorzukommen.

So beispielsweise die BMC-Equipe, bei der die drei Schweizer Michael Schär, Danilo Wyss und Silvan Dillier als Helfer für den Flandern-Zweiten Greg van Avermaet (Be) im Einsatz stehen. Gleichzeitig dürfte der stark besetzte Rennstall Omega Pharma Quick-Step mit Tom Boonen, Zdenek Stybar (Tsch) oder Niki Terpstra (Ho) die numerische Überzahl in der finalen Phase nicht jedes Mal verspielen – wie er dies bei den letzten beiden Pavé-Klassikern kläglich tat.

Letztlich ist die Frage entscheidend, wer nach dem sportlichen Überlebenskampf über das harte Pflaster auf den letzten Kilometern noch über die grössten Kraftreserven verfügt. Als aussichtsreichster Herausforderer Cancellaras gilt der Belgier Sep Vanmarcke, der sich dem Berner vor einem Jahr erst im Zweiersprint im offenen Vélodrome von Roubaix beugen musste und zuletzt in Flandern als Dritter erneut einen guten Eindruck hinterliess. Zu den weiteren Favoriten zählen Peter Sagan (Slk), Geraint Thomas (Gb) oder der Sieger von Mailand–Sanremo, Alexander Kristoff (No).

Aktuelle Nachrichten