Nachgefragt

Cancellara: «Ich bin an meine Grenzen gekommen wie nie»

Erhielt zum dritten Mal den Pflasterstein: Fabian Cancellara

Erhielt zum dritten Mal den Pflasterstein: Fabian Cancellara

Sichtlich gezeichnet von den Strapazen des Tages äussert sich Fabian Cancellara nach dem Rennen gegenüber den Medien.

Wie haben Sie das Rennen erlebt?

Fabian Cancellara: Ich hatte viele heikle Momente zu überstehen. Mein Team musste viel arbeiten, deshalb war ich letztlich früh isoliert. Aber wir hatten gewusst, dass es eine grosse Schlacht geben würde, in der alle gegen mich kämpfen. Wir hatten eine Mission, die nun erfüllt ist. Ich weiss immer noch nicht, wie ich diesen Sieg geschafft habe. Es war ein einziger grosser Fight.

Was war das Schwierigste?

Es gab sehr viele Attacken auf den letzten 50 Kilometern, als ich keinen Teamkollegen mehr an der Seite hatte. Aber ich konnte nicht jedem nachfahren, der einen Angriff lancierte. Am Ende hatte ich auch Glück, dass ich von Defekten oder Stürzen verschont blieb. Das Einzige, was in diesem Rennen kaputt gegangen ist, ist mein Körper.

Hatten Sie Angst, dass sich die Geschichte von 2011 wiederholen würde, als Sie ebenfalls früh isoliert waren und den Sieg am Ende verpassten?

Ich bin sicher mit mehr Zuversicht in die Schlussphase gekommen als damals. Aber dazu war ein Effort nötig, wie ich ihn wohl noch nie geleistet habe. Ich habe mein Leistungsvermögen auf ein neues Niveau hieven müssen und bin an meine Grenzen gekommen wie nie zuvor.

Sie haben erstmals einen grossen Klassiker im Endspurt gewonnen. Waren Sie zuversichtlich, dass Sie Ihren Gegenspieler Sep Vanmarcke bezwingen würden?

Ich wusste um meine Stärke. Als wir nur noch zu zweit unterwegs waren, habe ich ihm zu verstehen gegeben, dass ich ihn nicht an die Ziellinie führen würde, um mich dann übersprinten zu lassen. Ich habe mit ihm das übliche Spiel gespielt und ihn auch Führungsarbeit verrichten lassen, auch auf den Pavé-Abschnitten. Dort fühlte ich mich heute nicht so stark, ich hatte immer das Gefühl, rückwärts zu fahren.

Wohin kommt der dritte Pokal-Stein, den Sie nun gewonnen haben?

In unserer Sauna zu Hause haben wir dafür extra drei kleine Vitrinen eingebaut. Meine beiden ersten Steine sind schon dort, und der dritte kommt nun auch an seinen Platz.

Was sind Ihre weiteren Pläne für die Saison?

Im Moment will ich mich nur ausruhen und Zeit mir der Familie verbringen. Es dauert wohl eine Weile, bis ich die letzten Wochen verdaut habe. Der mentale Stress war dabei noch grösser als der körperliche. Ich habe noch keine Ahnung, wann ich das nächste Rennen bestreite.

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