Es war Premiere und Derniere zugleich. Gestern stand im neuen Grenchner Velodrome Suisse das erste Abendrennen auf dem Programm. Dabei gab Alexander Aeschbach im Grenchner Oval seine Abschiedsvorstellung. Der 39-jährige Aargauer aus Dürrenäsch beendet seine lange und erfolgreiche Karriere.

Von Menschen enttäuscht

Im Rückblick neigt man dazu, vieles rosig zu sehen. Nicht so Aeschbach. Vielleicht weil er findet, er habe zu selten zeigen können, was er draufhat. Zu oft war er verletzt, zu oft wurde er von Menschen enttäuscht. Wie an den Sixdays 2011 in Zürich. Im Jahr zuvor war Aeschbach mit Franco Marvulli Zweiter geworden und erhielt die Zusage, erneut mit dem Zürcher fahren zu dürfen.

Es war seine vielleicht letzte Chance, im Hallenstadion zu gewinnen. Die Form war ausgezeichnet, Aeschbach lud viele Kollegen ein. Doch die Organisatoren des Heimrennens stellten einen Nachwuchsfahrer an seine Seite. Das Duo fuhr auf den letzten Platz.

«Siegertypen gehen über Leichen»

«Damals ist für mich eine Welt zusammengebrochen», sagt Aeschbach heute. Weinend sass er im Fahrerlager. Zürich hatte ihn aus der Bahn geworfen. «Dieses Erlebnis war ausschlaggebend für meinen Rücktritt», sagt der gelernte Schreiner. Aeschbach mochte nicht mehr kämpfen. «Ich war immer zu lieb, gab mich mit zweiten Plätzen zufrieden. Siegertypen gehen über Leichen.»

Aeschbach findet, er habe für seine Leistungen zu wenig Anerkennung erhalten. 30 Jahre seines Lebens widmete Aeschbach dem Radsport. 1999 wurde er Profi, versuchte sich auch auf der Strasse, doch zum Durchbruch reichte es nicht. Auf der Bahn hingegen feierte er schöne Erfolge. 2004 wurde er mit Marvulli Europameister im Madison. In derselben Disziplin gewann er zweimal den Gesamtweltcup. An Sechstagerennen stand er achtmal zuoberst auf dem Podest.

Zukunft als Trainer denkbar

Neben allen Enttäuschungen nimmt Aeschbach auch viel Positives mit. «Ich bin auf allen Kontinenten dieser Welt gewesen, habe Sachen erlebt, die im normalen Berufsleben nie möglich wären.» Dankbar ist er auch gegenüber seinen Sponsoren, die es dem «Dorfjungen aus Dürrenäsch» ermöglichten, Leistungssportler zu werden.

Nun sei es an der Zeit, die jüngere Generation ran zu lassen. «Ich bin in einem Alter, in dem ich mich nach einer geregelten Arbeit sehne, wo ich nach Feierabend die Beine hochlagern kann.» Derzeit arbeitet Aeschbach drei Tage pro Woche im Aussendienst für einen Sponsor.

Auch eine Zukunft im Radsport ist denkbar. Den ersten Kurs der Trainerausbildung hat er abgeschlossen und trainiert in Baden-Württemberg die U15. Seinem bald neunjährigen Sohn Landis (benannt nach Floyd Landis) rät er von einer Karriere im Radsport ab. Aeschbach ist froh, dass sich Landis für Fussball begeistert. «Das Wichtigste aber ist eine abgeschlossene Ausbildung», sagt Aeschbach.