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Aus Freund wird Feind: Schlammschlacht im internationalen Radzirkus

Der gefallene Radstar Lance Armstrong und ex-Verbandspräsident Hein Verbruggen waren einst enge Freunde – nun sind sie verfeindet. Armstrong belastet seinen früheren Weggefährden damit, ihm beim Doping geholfen zu haben.

Ruben Stark
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Hein Verbruggen (l.) und Lance Armstrong.

Hein Verbruggen (l.) und Lance Armstrong.

Der Selbstreinigungsprozess im Radsport nimmt Fahrt auf, und ausgerechnet Lance Armstrong hat erneut den Stein angestossen.

Nach den schweren Vorwürfen des tief gefallenen Idols gegen den ehemaligen Weltverbandspräsidenten Hein Verbruggen zeigt sich die UCI unter ihrem neuen Chef Brian Cooksen zunehmend gewillt, einen Blick in die dunkle Vergangenheit zu wagen – bis hin zu den fragwürdigen Machenschaften seiner früheren Führung.

Verbruggens Attacke auf die Glaubwürdigkeit Armstrongs dürfte das nicht mehr verhindern.

Lance Armstrong gibt Kampf gegen Dopingvorwüfe auf
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Lance Armstrong bei der Dopingkontrolle im Jahr 2002
Lance Armstrong versuchte sich zuletzt auch als Triathlet
Lance Armstrong Welmeister 1993 in Oslo
Lance Armstrong, der Weltmeister
Lance Armstrong an der Tour 2004
Lance Armstrong bei seinem Sieg bei der Tour der France im Jahr 2005.
Lance Armstrong an der Tout 2010 - vor allen anderen.
Lance Armstrong an der Tour 2010
Lance Armstrong im Abschlusszeitfahren 2010
Ein Bild aus besseren Tagen: Lance Armstrong und Johan Bruyneel
Lance Armstrong (links) und Gregory Rast waren bei Astana Teamkollegen Lance Armstrong (links) und Gregory Rast waren schon bei Astana Teamkollegen
Das Podest der Tour de Suisse (v.l.n.r): Lance Armstrong (2.), Gesamtsieger Fränk Schleck und Jacob Fuglsang (3.) Das Podest der Tour de Suisse (v.l.n.r): Lance Armstrong (2.), Gesamtsieger Fränk Schleck und Jacob Fuglsang (3.)

Lance Armstrong gibt Kampf gegen Dopingvorwüfe auf

Keystone

Antraben vor Kommission

Cookson kündigte im Zuge der Auseinandersetzung der einstigen Verbündeten an, Verbruggen vor die Kommission zu laden, die in Zusammenarbeit mit der Welt-Anti-Doping-Agentur die Radsport-Historie unter die Lupe nehmen will. Man ermuntere alle, die involviert gewesen seien, hervorzutreten und Nachweise zu liefern, liess der Brite in einem Statement übermitteln.

Sollten sich Armstrongs Vorwürfe bewahrheiten, droht Verbruggen anscheinend sogar der Verlust seiner IOC-Ehrenmitgliedschaft. «Er muss dann seine Mitgliedschaft niederlegen, und wir müssten unsere Beziehung zu Hein Verbruggen überdenken», sagte das norwegische IOC-Mitglied Gerhard Heiberg (74), der lange der Exekutive des Ringeordens angehörte, dem Fernsehsender TV2.

Gegenangriff hilft wenig

Verbruggen konterte Armstrongs Attacken: «Seit wann glaubt man Lance Armstrong? Seit er bei Oprah Winfrey aussagte, dass er mit der UCI niemals etwas ‹geregelt› habe?», schrieb Verbruggen. Der Gegenangriff des Spitzenfunktionärs, der noch heute im Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und anderen Institutionen erheblichen Einfluss ausübt, verdeutlicht, dass die Bande zum früheren Duz-Freund Armstrong längst zerstört sind.

Armstrong nimmt jetzt die ins Visier, die ihn einst auf den Thron hievten, dann als Doper aber wie einen faulen Apfel fallen liessen. Dazu zählt nebst Verbruggen auch dessen abgewählter Nachfolger Pat McQuaid, der damals riet, den Texaner für immer zu vergessen. «Ich werde nicht lügen, um sie zu schützen. Ich hasse sie», kündigte Armstrong an.

Der gefallene Held spielt die Karte, dass er nach der Entblössung seines Dopingsystems ohnehin nichts mehr zu verlieren habe. In seinen millionenschweren Rechtsstreitigkeiten stehen ihm Anhörungen unter Eid bevor, seit er im Januar erstmals die Einnahme von Dopingmitteln einräumte. Er dürfte sich hüten, dort zu lügen, denn es droht Freiheitsentzug.

Verbruggen hatte kürzlich eingestanden, dass Radprofis über abweichende Werte bei Bluttests informiert wurden. Das sei aber präventiv geschehen und Teil einer «2-Säulen-Strategie» gewesen, die Betrüger zu finden, aber auch, Fahrer vom Doping abzubringen. Dass nun gerade er mit der fehlenden Glaubwürdigkeit anderer spielt, ist nicht frei von Ironie.