Radsport
Armstrongs Doping-Beichte: «Ich habe mit einer grossen Lüge gelebt»

Lance Armstrong hat in der Talkshow von Oprah Winfrey jahrelanges Doping zugegeben. «Das gehörte für mich dazu, wie Wasser in der Trinkflasche zu haben», sagte der heute 41-Jährige.

Simon Steiner
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Lance Armstrong im Gespräch mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey.

Lance Armstrong im Gespräch mit US-Talkmasterin Oprah Winfrey.

Talkmasterin Oprah Winfrey kam gleich zu Beginn des Interviews auf den Punkt. «Ja, ich habe gedopt», antwortete Armstrong und räumte unter anderem die Anwendung von Epo, Testosteron, Kortison und Bluttransfusionen ein. «Ohne Doping wäre es in dieser Zeit nicht möglich gewesen, sieben Mal die Tour de France zu gewinnen.» Armstrong gab an, in der Periode von Mitte der 90er-Jahre bis zu seinem letzten Tour-Sieg und ersten Rücktritt 2005 zu unerlaubten Mitteln gegriffen zu haben. Die Anschuldigungen, er habe auch bei seinem Comeback in den Jahren 2009 und 2010 weiter gedopt, wies Armstrong hingegen zurück.

Armstrong wirkte im Gespräch mit Winfrey angespannt, aber gut vorbereitet. Er gab sich reumütig und nahm die Schuld für seine Vergehen ganz auf sich, auch wenn er darauf hinwies, dass Doping im Radsport in seiner Ära weit verbreitet gewesen sei. «Ich habe diese Kultur nicht erfunden, aber ich habe sie auch nicht gestoppt.»

Die wichtigsten Aussagen

«Ja.»

(auf die Frage, ob er in seiner Laufbahn verbotene Substanzen eingenommen hat)

«Ich betrachte das als eine große Lüge, die ich sehr häufig wiederholt habe. Wahrscheinlich ist es für die meisten Leute zu spät, und das ist mein Fehler. Diese Episode meines Lebens ist geprägt von Respektlosigkeiten. Der Sport zahlt jetzt den Preis dafür. Das tut mir leid.»

«Mein Cocktail bestand aus EPO, Transfusionen und Testosteron.»

«Meiner Meinung nach war es in dieser Generation nicht möglich, ohne Doping zu gewinnen.»

«Bei meinen Tour-Siegen wusste ich, dass ich gewinnen werde. Das war beängstigend.»

«Diese Geschichte ist nicht wahr, es gab dort keinen positiven Test. Ich bin kein Fan der UCI, aber das ist nicht passiert.»

(zur Frage nach einer Geldspende an den Radsport-Weltverband UCI, deren Zweck die Verschleierung einer vermeintlichen positiven Dopingprobe bei der Tour de Suisse 2001 gewesen sein soll)

«Ich war ein Typ, der alles unter Kontrolle haben musste. Das ist unentschuldbar.»

«Ich hatte den unbändigen Willen, zu siegen. Diese Arroganz, ich kann sie nicht leugnen.»

«Ich sehe die Wut und die Enttäuschung der Leute, die mich unterstützt und mir geglaubt haben. Sie haben das Recht, sich betrogen zu fühlen. Ich werde den Rest meines Lebens damit verbringen, das Vertrauen zurückzugewinnen.»

«Ich habe keinen Kredit, aber ich liebe den Radsport, ich weiß, das klingt für viele Leute respektlos. Wenn man mich einlädt, bin ich dazu bereit.»

(auf die Frage zu seiner Kooperationsbereitschaft im Anti-Doping-Kampf)

"Das letzte Mal, als ich die Grenze zum Doping überschritten habe, war 2005. Bei meinem Comeback war ich sauber."

Der Chef der amerikanischen US-Antidoping-Agentur Usada, Travis Tygart, bezeichnete das Vorgehen in Armstrongs Teams im Herbst als «ausgeklügeltstes, professionellstes und erfolgreichstes Dopingprogramm, das die Welt jemals gesehen hat.» Diese Einschätzung wollte Armstrong relativiert sehen. Sein Dopingsystem sei zwar professionell gewesen, aber auch sehr konservativ. «Ich hatte keinen Zugang zu irgendwas, den andere nicht gehabt hätten.» Ein schlechtes Gewissen haben er dabei nie gehabt.«Es gehörte für mich dazu, wie Wasser in der Trinkflasche zu haben», sagte Armstrong. «Es fühlte sich nicht falsch an. Ich hatte nicht das Gefühl zu betrügen. Ich habe mit einer grossen Lüge gelebt.»

Armstrong räumte ein, dass er in seinen Teams alles habe kontrollieren wollen. «Waren Sie ein Mobber?», fragte Winfrey. «Ja, das war ich», antwortete Armstrong. Er habe nie jemandem einen direkten Befehl gegeben, Dopingmittel zu verwenden. «Aber es gab ein gewisses Leistungsniveau, das erwartet wurde.» Aussagen ehemaliger Teamkollegen hatten zuvor ein Bild eines Mannes gezeichnet, der sein Umfeld auf zuweilen subtile, zuweilen auch unverblümte Art beherrschte und wenn nötig auch drangsalierte. Vor diesem Hintergrund wirkte Armstrong Beichte, die in einem nüchternen Raum in einem Hotel seines Wohnorts Austin aufgezeichnet worden war, fast schon banal.

Armstrong brachte im nun ausgestrahlten ersten Teil des Gesprächs keine Fakten ans Licht, die im Zug der Usada-Untersuchung nicht schon bekannt geworden wären. Wenn er etwas dazu beitragen könne, den Radsport zu verbessern, dann wolle er das tun. «Ich liebe den Radsport», sagte er, der sich bemühte, seine Mitstreiter aus der Sache herauszuhalten. Als Vorkämpfer für einen sauberen Sport sieht er sich nicht. «Dazu bin ich in meiner Position nicht geeignet.»

«Ich habe einen grossen Fehler gemacht», sagte er. «Ich werde den Rest meines Lebens damit verbringen, mich bei den Leuten zu entschuldigen.»