Klub-Comeback
Racing Strasbourg steht vor dem Aufstieg in die Ligue 1 – 2011 spielte der Klub noch in der 5. Liga

2011 der Konkurs und die Verbannung in die 5. Liga: Heute steht der Klub drei Spieltage vor Saisonende auf Platz 1 der Ligue 2.

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Racing Strasbourg
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2011 ist der Klub in die 5. Liga abgestiegen.

Racing Strasbourg

Frank Kobi

Das Strassburger Meinau-Stadion ist wieder der Hexenkessel längst vergangener Zeiten. Von Heimspiel zu Heimspiel stellt der Zweitligaverein Racing Strasbourg neue Zuschauerrekorde auf. Beim 2:0-Sieg gegen Le Havre am vergangenen Montag waren es 25 647, die «Les Bleus», wie sie in Strassburg wegen ihrer blau-weissen Trikotfarben heissen, in der Meinau siegen sehen wollten.

Erstmals in der Saison war der Klub als Tabellenerster der Ligue 2, der zweithöchsten Liga in Frankreich, angetreten. Mit vier Punkten Vorsprung reist er am kommenden Montag zum Tabellendritten Lens. Siegt Racing, könnte der Verein schon am 8. Mai als Aufsteiger feststehen. Das hängt allerdings davon ab, wie die Verfolger Amiens und Troyes spielen.

Ein Bild aus vergangenen Tagen RC Strasbourg spielt im Uefa-Cup 2006 gegen den FC Basel und Mladen Petric

Ein Bild aus vergangenen Tagen RC Strasbourg spielt im Uefa-Cup 2006 gegen den FC Basel und Mladen Petric

Keystone

Nur spielen um Klassenerhalt

Noch vor wenigen Monaten hat Klubpräsident Marc Keller in seiner Videoansprache vor Weihnachten mit Nachdruck darauf verwiesen, dass der Klub vor allem um den Klassenerhalt spiele. Betont bemühte er sich, keinen Hype um einen Aufstieg zu entfachen. Dabei hat Racing in den letzten Jahren schon viele positive Erfahrungen mit Aufstiegen gesammelt.
Nach seinem Konkurs 2011 wurde der Klub in die 5. Liga zurückgestuft, stieg aber in den folgenden drei Jahren wieder in die 3. Liga auf, von wo er es 2016 in die 2. Liga schaffte. Eine wichtige Rolle beim neuerlichen Erfolg spielt Präsident Keller. Der sechsfache französische Nationalspieler war nicht nur bei Racing, sondern auch beim Karlsruher SC in der Bundesliga und in England aktiv. Das Präsidentenamt hat er seit 2012 inne.

Von den letzten elf Heimspielen haben «Les Bleus» zehn gewonnen. Hatte Racing in der 3. Liga die beste Verteidigung, zeichnet sich diesmal der Angriff aus. Mit 58 Toren haben die Elsässer mit Abstand die meisten Treffer erzielt und weisen, wenn auch knapp, die beste Tordifferenz auf. Diese könnte für den Aufstieg entscheidend werden. Drei Punkte hinter Racing steht Brest auf dem zweiten Platz.

Selbst wenn die Strassburger in Lens verlieren, können sie den Aufstieg aus eigener Kraft schaffen. Am 12. Mai geht es auswärts gegen Niort. Das letzte Spiel der Saison findet am 19. Mai wieder in der heimischen Meinau statt. Die grosse Kulisse und die wieder erwachte Begeisterung für den Klub sind eine grosse Unterstützung. «Man kann nicht 25 000 Zuschauer enttäuschen», hat Trainer Thierry Laurey schon vor dem Spiel gegen Le Havre gesagt.

Gilbert Gress schweigt lieber

Der Racing und die Begeisterung für ihn sind eine längere Geschichte. 1979 sind die Elsässer unter ihrem Trainer Gilbert Gress französischer Meister geworden. Der gebürtige Strassburger hat etliche Jahre selber für Racing gespielt und ist in der Schweiz vor allem als Fussball-Kommentator und -Experte bekannt. Zum heutigen Racing und seinen Erfolgen will sich Gress nicht äussern. «Mich verbindet nichts mehr mit dem Verein», sagte er gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Gilbert Gress stand von 1977 bis 1980, 1991 bis 1994 und im Jahr 2009 an der Seitenlinie von Racing Strasbourg.

Gilbert Gress stand von 1977 bis 1980, 1991 bis 1994 und im Jahr 2009 an der Seitenlinie von Racing Strasbourg.

Keystone

Schafft es Racing in die Ligue 1, sind im erweiterten Dreiland bald wieder grosse französische Spitzenklubs wie Paris Saint-Germain, Saint-Etienne, Lyon oder die AS Monaco zu sehen.