Quirici löst das Olympiaticket ein zweites Mal: «Egal wie schwer der Weg ist, man kann es schaffen»

Die Aargauer Karatekämpferin gewinnt das Qualifikationsturnier in Paris und schreibt Geschichte. Denn Quirici war schon einmal für die Sommerspiele in Tokio qualifiziert. Doch dann kam Corona. Und sie musste sich erneut beweisen. Jetzt ist sie wieder am Ziel ihrer Träume.

Martin Probst
Drucken
Teilen
Elena Quirici im Moment, als es feststeht: Sie hat sich erneut für die Olympischen Spiele qualifiziert.

Elena Quirici im Moment, als es feststeht: Sie hat sich erneut für die Olympischen Spiele qualifiziert.

Federico Pestellini / www.imago-images.de

Was war das für eine wilde Fahrt auf der Achterbahn der Gefühle. Und jetzt, als Elena Quirici ein hoffentlich letztes Mal absteigt, ist sie am Ziel ihrer Träume.

Quirici hat sich erneut das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio gesichert, wie der internationale Karateverband auf Twitter bestätigte. Die Aargauerin gewann das finale Qualifikationsturnier in Paris. Sie hat es allen gezeigt. Allen Widerständen zum Trotz.

Und davon gab es viele. Im vergangenen Jahr war sie bereits einmal für Tokio qualifiziert. Doch dann wurden die Sommerspiele aufgrund von Corona um ein Jahr verschoben und Quirici erfuhr auf Facebook, dass der Internationale Karateverband das Qualiranking wieder öffnen würde.

Vom internationalen Karateverband hat Elena Quirici symbolisch ein Ticket von Paris nach Tokio erhalten.

Vom internationalen Karateverband hat Elena Quirici symbolisch ein Ticket von Paris nach Tokio erhalten.

Federico Pestellini / www.imago-images.de

Es war ein Schock. Weil ihr der Lebenstraum entrissen wurde. Und auch, weil die Teilnahme in Tokio eine einmalige Chance ist. Nur in Japan wird Karate olympisch sein. 2024 in Paris steht es nicht mehr im Programm.

Ein Showdown in Paris und dann diese Leistung

Quirici verarbeitete den Schock. Dann würde sie die einmalige Chance eben ein zweites Mal nutzen. Zwei reguläre Turniere blieben ihr, um sich erneut zu qualifizieren. Und ein ultimatives Finale – ausgerechnet in Paris.

Bei erster Gelegenheit stiess die Aargauerin bis in den Final vor, unterlag dort aber ausgerechnet jener Frau, die sie im Ranking überholen konnte. Quirici verpasste die erneute Qualifikation knapp – und als die 27-Jährige an der Europameisterschaft in der ersten Runde scheiterte, war klar: Es kommt zum Showdown in Paris.

Und die Aufgabe war schwierig. Quirici musste sich zuerst in einem regulären Turnier in den ersten Vier klassieren, um dann in einem Miniturnier jede gegen jede um die letzten drei Olympiatickets zu kämpfen. Bis in den Halbfinal lief alles nach Plan, doch dann unterlag Quirici der Italienerin Silvia Semerano und musste einen Umweg nehmen.

Doch die 27-jährige Schweizerin behielt die Nerven, setzte sich gegen die Kroatin Lucija Lesjak durch und nahm somit die erste Hürde.

Ein Vorbild für andere Athletinnen

Das Finalturnier der besten Vier wurde dann zu einer Gala. Quirici konnte alle drei Kämpfe gewinnen und qualifizierte sich erneut für die Sommerspiele in Tokio. Ihr Traum erfüllte sich ein zweites Mal. Und als es feststand, wurden ihre Augen glasig. «Ich bin enorm stolz», sagt sie. «Es zeigt, egal wie schwer der Weg ist, man kann es schaffen. Wenn man nie aufgibt und daran glaubt.» Und die Aargauerin ergänzt:

«Ich hoffe, das macht auch anderen Sportlerinnen, die Rückschläge erleiden, Mut, weiter an sich zu glauben.»

Quiricis Erfolg ist neben all der sportlichen Stärke, die nötig ist, vor allem auch mental eine Meisterleistung. Sie hat jede ­Krise gemeistert. «Dass ich es nicht nur geschafft habe, sondern auch als Siegerin des Turniers, macht es nochmals spezieller.» Noch fehlt die offizielle Selektion von Swiss Olympic für Tokio. Diese sollte aber sehr bald er­folgen.

Aktuelle Nachrichten