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Profi-Snowboarder David Hablützel nutzt Corona-Pause, um ein Start-Up zu gründen: Aus Meeresabfall werden Socken

Ein Kürzest-Training auf dem Trampolin bei sich zu Hause. David Hablützel zeigt dem Fotografen einige Saltos – und trägt seine eigenen Socken.

Ein Kürzest-Training auf dem Trampolin bei sich zu Hause. David Hablützel zeigt dem Fotografen einige Saltos – und trägt seine eigenen Socken.

«Wir nutzen die Natur manchmal aus. So schön, wie sie jetzt ist, soll sie uns erhalten bleiben», sagt David Hablützel. Er erzählt, wie er sich zusammen mit drei Freunden für die Natur einsetzt. Und, wie er nach vielen Verletzungen die Liebe zum Snowboarden wieder fand.

Was tun, wenn Corona den Sport lähmt? Der Snowboarder David Hablützel nutzt die Zeit, um ein Start-up zu gründen. Zusammen mit drei Freunden hat er eine Firma ins Leben ­gerufen, die aus Meeresabfall Socken herstellt.

Hablützel steht auf einem Trampolin im Garten seiner Eltern im Zürcher Unterland. Fürs Fotoshooting zaubert er ein paar Sprünge in die Luft, an den Füssen ein Paar eigene Socken aus der ersten Kollektion. «Ein bisschen fühlt sich das an wie eine Vorstation des ersten Babys», sagt er lachend. Und dreht den nächsten Salto.

Auf die Idee gekommen sind die vier Zürcher Jungs wegen den gemeinsamen Leidenschaften. Berge, Meer – also Boarden oder Surfen. Darum auch der Name für ihre Socken: «Teal», meeresblau, «eine Farbe, die alle Elemente der Natur verbindet, das Wasser, den Himmel, den Gletscher auch», erzählt Hablützel. «Nun wollen wir herausfinden, wie unsere Idee ankommt. Bis anhin waren so ziemlich alle, denen wir davon erzählt haben, begeistert – mal schauen, ob das auch so bleibt, wenn es darum geht, die Socken auch zu kaufen.»

Als erstes gutes Zeichen wertet Hablützel die Signale aus dem Ende Jahr erfolgten Crowdfounding. 15000 Franken waren das Ziel, 22000 Franken sind es geworden. Geld, das in die Produktion einer ersten Tranche Socken investiert wurde. Der Plastik aus dem Meer wird zu einem Mikrogranulat verarbeitet, daraus wird ein spezielles Garn gewonnen – am Ende bestehen die Socken zu 34 Prozent aus Meeresabfall.

Profisnowboarder David Hablützel mit seinen Socken «Teal».

Profisnowboarder David Hablützel mit seinen Socken «Teal».

Diese Woche ging das Start-Up online. Hablützel und seine Freunde feierten virtuell, jeder ein Bier vor dem Bildschirm. Es ist der Lohn für viele Stunden Arbeit, oft bis spät in die Nacht. Vorerst setzen sie auf den Vertrieb via Onlineshop (www.teal-project.com), der Traum ist es, irgendwann einmal von ausgewählten Läden berücksichtigt zu werden, vielleicht auch einmal T’Shirts und Shorts zu produzieren. Vorerst ist die Firma ein zeitintensives Hobby.

Hat Hablützel Angst, dass die Natur von den Menschen kaputt gemacht wird? «Das wäre wohl etwas übertrieben. Aber ich finde, wir nutzen die Natur manchmal aus. So schön, wie sie jetzt ist, soll sie uns jedenfalls erhalten bleiben. Und wenn wir mit unserem Projekt etwas kleines Sinnvolles dazu beitragen können, dann ist das toll.»

Schweizer Snowboarder David Hablützel trainiert zu Hause im Wohnzimmer.

Schweizer Snowboarder David Hablützel trainiert zu Hause im Wohnzimmer.

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportarten kamen die Snowboarder bis anhin glimpflich mit Corona davon. Die wichtigsten Wettkämpfe der Saison waren allesamt absolviert, als das Virus die Sport-Welt befallen hat. Hablützel hat die Zeit in den letzten zehn Wochen genutzt, um «Teal» den letzten Schliff zu verleihen. Und das Training für sich alleine zu Hause? Es gibt Dinge, die Hablützel mehr gefallen. Die meiste Zeit verbrachte der 24-Jährige mit seinen vier Geschwistern (22, 20, 17 und 14 Jahre alt) im Elternhaus in Zumikon, oder aber dann in Laax. Diese Woche nun haben die Freestyler erstmals wieder zusammen in Lens bei Crans-Montana trainiert.

Freestyle-Training der Snowboarder: Das kann gut auch mal mit Skateboard sein.

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Hablützel hat ein aufregendes Jahr hinter sich. Nicht nur wegen seiner Socken. Er hat die Liebe zum Snowboarden neu entdeckt. «Am Ende der letzten Saison habe ich mir überlegt, ob ich meine Karriere beenden soll.» Hablützel hatte eine Serie von Verletzungen hinter sich. Kreuzbandrisse. Meniskusprobleme. Rückenprellung. Rückenbruch. Hirnerschütterung. Schlüsselbeinbruch. Verbunden mit dem sich selbst auferlegten Druck.

Seit ihn der fünfte Platz an den Olympischen Spielen 2014 als 17-Jähriger in eine neue Sphäre katapultiert hat, ist vieles anderes geworden. Die Zeit gerast. Einflüsse und Erwartungen von aussen wurden grösser. Dinge, mit denen ein junger Mensch am Anfang spielend leicht umgehen mag. Die sich irgendeinmal aber zu einer Last entwickeln, welche die Freude am Sport rauben kann.

Hablützel hat für sich einen neuen Weg gefunden, um die Freude zurückzuerobern. «Ich lechze nicht mehr nach Resultaten, sondern snowboarde wieder für mich selber, ohne konkretes Ziel. Ohne mir zu sagen: Dann ist es spätestens Zeit für Olympia-Gold.»

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