Operación Puerto

Proben werden nicht vernichtet: Wird einer der grössten Dopingskandale doch noch aufgeklärt?

Die früheren Kunden des Dopingsrztes Eufemiano Fuentes müssen sich wieder fürchten. Ihre Fälle könnten nach dem neuesten Entscheid noch aufgedeckt werden.

Die früheren Kunden des Dopingsrztes Eufemiano Fuentes müssen sich wieder fürchten. Ihre Fälle könnten nach dem neuesten Entscheid noch aufgedeckt werden.

Nach einer Wende in der «Operacion Puerto» müssen die Kunden des Dopingarztes Eufemiano Fuentes wieder die Aufdeckung ihrer Fälle fürchten. Denn Richter Alejandro Maria Benito entschied – die 211 Proben dürfen nicht vernichtet werden.

Einer der grössten Dopingskandale der Sportgeschichte wird womöglich doch noch aufgeklärt. Gestern entschied ein Madrider Berufungsgericht, dass die in Barcelona eingelagerten Blutbeutel von der «Operación Puerto» herausgegeben werden müssen. Damit steht der Weltsport vor einem weiteren Skandal ungeahnten Ausmasses. Vor allem aber in Spanien dürfte das grosse Zittern beginnen. Die 211 Proben dürfen laut Richter Alejandro Maria Benito nicht vernichtet werden, sie müssen vielmehr unter anderem dem spanischen Radverband, dem Radsportweltverband UCI,der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und dem Nationalen Olympischen Komitee Italiens (Coni) ausgehändigt werden.

Die heisse Ware stammt von Spitzenathleten und wurde im Jahr 2006 beim spanischen Arzt Eufemiano Fuentes sichergestellt. Fuentes soll eine Vielzahl von Top-Stars mit leistungssteigernden Substanzen versorgt haben und wurde damals im Zuge von mehreren Razzien festgenommen.

Die Verjährungsfrist scheint dabei kein Thema mehr. Die Wada hatte im neuen Anti-Doping-Code 2015 auch mit Blick auf die «Operación Puerto» die Verjährungsfrist von acht auf zehn Jahre verlängert.

Die Entscheidung des Gerichts ist vor allem eine Genugtuung für alle, die um die Herausgabe gekämpft hatten. Denn die 2013 durch ein Gericht angeordnete Vernichtung hatte einen Sturm der Entrüstung nach sich gezogen, unter anderem hatten Wada und UCI Einspruch eingelegt.

Nicht nur im Radsport

Bis heute lagern die Beutel in einem Forschungspark in Barcelona in einem Kühlschrank des dortigen Anti-Doping-Labors. Darin schlummert, wie viele Experten annehmen, einer der grössten Dopingeklats der Sportgeschichte. Vor allem auf den Aufschwung im spanischen Hochleistungssport, so vermuten Experten, könnte ein ganz anderes Licht fallen.

Die Fuentes-Affäre betraf zunächst nahezu ausschliesslich den Radsport. Die Klarnamen von über 50 verdächtigen Profis wurden einen Tag vor dem Start der Tour de France 2006 öffentlich. Doch auch Athleten aus anderen Sportarten wie Fussball, Leichtathletik oder Tennis tauchen angeblich in Fuentes’ Kundendatei auf.

Fuentes deutete schon kurz nach seiner Verhaftung im Mai 2006 an, dass sich die Affäre weit über den Radsport hinaus erstrecke. Im Prozess Anfang des Jahres 2013 hatte Fuentes bei einer Vernehmung davon gesprochen, auch Fussballer, Tennisspieler, Leichtathletenund Boxer behandelt zu haben, und bot sogar die Herausgabe seiner Kundenliste an.

Das Gericht wollte damals aber nichts davon wissen. Es verurteilte Fuentes am 30. April 2013 zu einem Jahr Haft auf Bewährung sowie zu vier Jahren Berufsverbot und 4500 Euro Geldstrafe. Diese Entscheidung wurde widerrufen und Fuentes gestern freigesprochen. Blut sei keine Medizin und der Fall damit nicht durch das betreffende Gesetz gedeckt.

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