Presseschau
«Es sagt einiges über ein Fussballspiel aus, wenn der grösste Aufreger vor dem Anpfiff geschieht»: Medienreaktionen über die Tor-Panne im St.Galler Kybunpark

Zum unspektakulären Pflichtsieg der Schweizer Nati gegen Litauen gibt es wenig zu sagen. Zu reden gibt stattdessen eine Ungenauigkeit im Kybunpark. Vor dem Anpfiff heisst es, die Tore seien einige Zentimeter zu hoch und müssten ersetzt werden. Die Spötteleien kommen in der Folge nicht zu kurz – eine Presseschau.

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Die Tore im Kybunpark mussten auf Hinweis des litauischen Nationaltorhüters hin auf ihre Grösse überprüft werden. Das Verdikt der Unparteiischen: Die Gehäuse sind zu hoch und müssen ausgetauscht werden.

Die Tore im Kybunpark mussten auf Hinweis des litauischen Nationaltorhüters hin auf ihre Grösse überprüft werden. Das Verdikt der Unparteiischen: Die Gehäuse sind zu hoch und müssen ausgetauscht werden.

Bild: freshfocus

NZZ

«Es war nicht gerade so wie bei den Kindern auf dem Pausenplatz, wenn sie darüber diskutieren, wer seinen Turnsack oder die Jacke hergeben soll für das Tor, und ob man drei oder vier Schritte zwischen dem Turnsack als linkem und der Jacke als rechtem Pfosten machen soll. Immerhin handelte es sich um ein WM-Qualifikationsspiel, eine ernste Sache. So hatte der Fifa-Delegierte die Tore ausgemessen wie das in seinem Pflichtenheft steht. Die Querlatten waren zu hoch, zu dünn, etwas stimmte nicht. Also veranlasste der Delegierte, dass die Tore ausgewechselt werden.»

Kein unbedeutender Pausenkick, sondern ein WM-Qualifikationsspiel.

Kein unbedeutender Pausenkick, sondern ein WM-Qualifikationsspiel.

Symbolbild: Donato Caspari

«Es war der peinliche Prolog zu einem Spiel, das mit 18 Minuten Verspätung losging, wie es sich die Schweizer dann vorgestellt hatten. Ein Litauer wähnte sich auf dem Pausenplatz und spielte einen Ball in die Füsse von Breel Embolo, der Xherdan Shaqiri mit einem Pass auf die Reise schickte. Shaqiri schaute auf, schoss aus der Drehung und traf. 1:0 nach nicht einmal hundert Sekunden.»

«Das Team von Vladimir Petkovic schien jedoch das Gefühl zu haben, dass es so weitergehen wird. Es war rasch klar, dass die Litauer als Nummer 129 der Weltrangliste in allen Belangen unterlegen waren. So dominierten die Schweizer nach Belieben, doch sie fanden keine Lösungen vor dem gegnerischen Tor. Kleine Fehler schlichen sich ein, Ungenauigkeiten, Larifari.»

SRF

«Mit 6 Punkten aus 2 Partien ist der Auftakt in die WM-Qualifikation für die Schweiz resultatmässig geglückt. Dem 3:1 in Bulgarien am Donnerstag liess die Nati ein 1:0 gegen Litauen folgen. Doch die Leistung war nicht über alle Zweifel erhaben.»

«Zwar liess das Team von Vladimir Petkovic defensiv nichts zu. Bis zum Schluss kamen die spielerisch bescheidenen Gäste aus dem Baltikum zu keiner nennenswerten Chance. Doch offensiv ging nach der erneut frühen Führung durch Xherdan Shaqiri zu wenig.»

Tor in St.Gallen ist zu hoch

«Das Spiel hatte erst mit knapp 20-minütiger Verspätung begonnen. Grund dafür war eines der beiden Tore im St.Galler Kybunpark, das nicht die erforderlichen Masse aufwies – es war um einige Zentimeter zu hoch. [...] Die Szene erinnerte in Ansätzen an den berühmten Torfall von Madrid. Beim Champions-League-Halbfinal zwischen Real und Dortmund 1998 hatte es allerdings 76 Minuten gedauert, bis die Partie doch noch angepfiffen werden konnte.»

Tagesanzeiger

«Es sagt einiges über ein Fussballspiel aus, wenn der grösste Aufreger vor dem Anpfiff geschieht. So wie in St.Gallen, als nach dem Einspielen plötzlich festgestellt wurde, dass ein Tor zehn Zentimeter zu hoch war. ‹Zehn Zentimeter›, sagt Yann Sommer auf SRF nach dem Schlusspfiff mit einem Lachen, ‹bei meiner Grösse kann das verheerend sein.› Womit der Schweizer Nationalgoalie nach dem 1:0 noch für den Höhepunkt in Sachen Unterhaltung sorgt. Der Rest in der Mitte, der ist genau so, wie ihn Sommer beschreibt: ‹Zäh.› Seine Mitspieler hätten ‹zu wenig die Tiefe gefunden. Dann wird es immer eng.›»

«Nein, restlos zufrieden wirkt Sommer nicht. Aber er merkt auch an: ‹Eine Qualifikation ist kein Spaziergang. Und schlussendlich sind wir mit sechs Punkten gestartet.›»

Die Zusammenfassung des WM-Qualifikationsspiels zwischen der Schweiz und Litauen.

Video: Youtube

BZ

«Vor dem Aufwärmen soll alles noch gepasst haben, berichtet Adrian Arnold, der Medienverantwortliche des Schweizer Verbandes in der Pause. Es könne vorkommen, dass sich am Tor ­etwas verändere, wenn viele Schüsse darauf abgegeben würden. Offensichtlich meint er das ernst und nicht im Scherz. So sei ihm das eben gesagt worden, fügt er noch bei.»

«Das alles passt zu diesem Spiel, das von einer Qualität ist, auf die getrost verzichtet werden kann.»

«Die erste Halbzeit ist schon nicht gut, und die zweite ist so richtig langweilig. Es bleibt alle Zeit, den Mond anzuschauen, der so herrlich leuchtet.»
Packend war die Partie gegen Litauen nicht. Da sind sich die Schweizer Medien einig.

Packend war die Partie gegen Litauen nicht. Da sind sich die Schweizer Medien einig.

Bild: freshfocus

«Na ja, solche Spiele gibt es halt, solange an der Qualifikation jeder teilnehmen darf – egal, wie gut er ist und wie viel Lust er am Fussballspielen hat. Die Litauer verteidigen ihr Tor mit Mann und Maus und unternehmen keine Anstalten, im Verlauf des Spiels gross etwas daran zu ändern. Ihr erster offensiver Höhepunkt ist ein Eckball, zu dem sie in der 39. Minute kommen. Der Rest ihrer Bemühungen ist an Harmlosigkeit nicht zu überbieten.»

Watson

«Peinlich, peinlich! Der Start zum WM-Qualifikationsspiel zwischen der Schweiz und Litauen in St.Gallen (1:0) hat sich am Sonntagabend verzögert. Der kuriose Grund: Ein Tor hatte nicht die reglementskonformen Masse.»

«Xherdan Shaqiri, der einzige Torschütze im Kybunpark an diesem Abend, staunte, dass ‹das auch auf diesem Niveau mal passieren kann. Aber wir konnten dann ja doch noch spielen.›»

20Min

«Als die Offiziellen vor dem Spiel der Schweizer Nati gegen Litauen routinemässig die Tore überprüften, förderten sie einen Fauxpas zutage: Die Überprüfung ergab, dass das Tor statt 2,44 Meter fünf Zentimeter zu hoch war. Nicht nur Sascha Ruefer amüsierte sich danach köstlich über das Malheur. «Ein erstes Tor ist gefallen, es wird aus dem Stadion getragen», war nur einer der zahlreichen Witze, die der SRF-Kommentator in den 15 Minuten bis zum Spielstart riss.»

Nationaltrainer Vladimir Petkovic.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic.

Bild: Keystone

«Trainer Vladimir Petkovic zieht ein gemischtes Fazit: ‹Gut war, dass wir sofort ein Tor geschossen haben und hinten fast keinen Torschuss zugelassen haben.› Man habe aber zu wenige Tore gemacht.»

«Gegen solche Gegner müssen wir mehr Tore schiessen.»

«Wir haben die Litauer aufgebaut, weil wir nicht früher das Spiel entschieden haben.› Zum Tor-Debakel vor dem Spielstart sagt der Nati-Coach: ‹Wir haben mit der Verspätung viel Energie verloren und es war sehr schwierig wieder einen Rhythmus zu finden.›»

Blick

«Krummes Ding zum Anfang. Die Latte des einen Torgehäuses ist ordentlich in Schieflage. Man spricht von 5 Zentimetern Höhenunterschied zwischen den beiden Lattenkreuzen. Es werden eher 10 gewesen sein. Um 20.36 Uhr, neun Minuten vor dem geplanten Anpfiff, sind vier Arbeiter im Vollstress. Sie versuchen verkrampft, den einen Torpfosten zu senken.»

Busse von der Fifa?

«Auf SRF äussert sich Adrian Arnold, Medienchef des SFV, zum Tor-Skandal: ‹Vor dem Warm-up sind die Tore von den Schiedsrichtern gemessen worden. Es wurde festgestellt, dass alles regelkonform sei. Beim Warm-up hat dann unser Goalie-Trainer Patrick Foletti gemerkt, dass das Tor auf der linken Seite 10 Zentimeter zu hoch ist. Das konnte nicht sofort repariert werden, darum musste ein neues Tor geholt werden. Das gibt es während des Warm-ups, da kann es tatsächlich Veränderungen geben.›»

«Wenn die Tore plötzlich in den Himmel wachsen … Ist der Vollmond schuld? Oder böse Geister? Gibts für den Veranstalter Sanktionen? Arnold: ‹Möglich, dass wir mit einer Busse durch die Fifa rechnen müssen.›»


Auch ausländische Medien griffen den Lapsus auf



Kicker

«Noch immer passieren im Fußball Dinge, die man eigentlich nicht für möglich gehalten hätte. Die beiden Teams standen bereits in den Katakomben bereit, als Stadionmitarbeiter anfingen, an einem der beiden Tore im St. Gallener Kybunpark herumzuschrauben. Es war offenbar der Versuch, das Ziel "tieferzulegen". Wie mehrere Schweizer Medien übereinstimmend berichten, hatten Offizielle um den finnischen Schiedsrichter Mattias Gestranius festgestellt, dass das Gehäuse fünf Zentimeter zu hoch war.»

Bild

«Hektik vor Anpfiff: Beim Nachmessen wurde festgestellt, dass ein Tor zu groß war. Ersatz musste her. Alle verfügbaren Helfer packten mit an – Tor abbauen, neues Gehäuse aufbauen. Und dann musste auch noch ein Loch im Netz geflickt werden. Mit 20 Minuten Verspätung ging's dann in St.Gallen los und die Schweiz jubelte schnell: Liverpool-Star Xherdan Shaqiri (29) traf nach Assist von Gladbacher Embolo zum 1:0 (2.).»