«Espen on Tour» heisst ein Projekt des FC St. Gallen. Der Verein geht mit seinen Profis hinaus aufs Land, lässt die Mannschaft im grossen Ostschweizer Einzugsgebiet des FCSG spielen und auf die Menschen zugehen. Zweifellos eine gute Idee des Präsidenten Matthias Hüppi. Seit etwas mehr als anderthalb Jahren führt der ehemalige Sport-Anchorman des Schweizer Fernsehens seinen Herzensverein.

Offensichtlich kommt Hüppi, der Neffe des einstigen Bundesrats Kurt Furgler, bei den Fans gut an. Der FC St. Gallen steigerte unter seiner Leitung die Zuschauerzahlen, obwohl die Mannschaft nicht besonders erfolgreich spielt. Auf Platz 6 verpasste Grünweiss das internationale Geschäft.

Rund 12'700 Zuschauer pro Match im Kybunpark

Aber eben, die Besucherzahlen und die Stimmung im Kybunpark sind für Schweizer Verhältnisse sehr erfreulich: 12692 Leute waren letzte Saison durchschnittlich pro Heimspiel im Stadion. Das ist Platz 3 der Super League – und es sind 3328 Menschen mehr als der FCL im Schnitt zu den Heimspielen letzte Saison (9364) begrüssen konnte.

Hüppi nutzte den Vorteil in der Publikumsgunst in einem Interview mit dem «Blick» zu einem Vergleich: «Vergangene Saison haben wir 8000 Saisonkarten verkauft, dieses Jahr hoffen wir auf ähnlich viele. Das ist die dritthöchste Zahl nach Basel und YB. Und das sind etwa doppelt so viele wie der FC Luzern, den man immer mit uns vergleicht von der Begeisterung und dem Einzugsgebiet her.»

Beim FCL ärgert man sich über Hüppis Worte, gibt aber die Zahl der verkauften Saisonkarten nicht bekannt. Dem Vernehmen nach sollen die Luzerner Abozahlen eher wieder zunehmen – reduzierte Preise in einzelnen Sektoren helfen dabei (siehe Infobox unten).

Elementar für den FC St. Gallen ist, dass Sportchef Alain Sutter (51) dem Verein die Treue gehalten hat. Der Ex-Internationale hätte beim Verband Direktor der Nationalteams werden können. Er entschied sich für Kontinuität – im Sinn von Hüppi und St. Gallen.

Suche nach der lange vermissten Konstanz

Beim ältesten Fussballverein des Landes – vor 140 Jahren 1879 gegründet – heisst das Zauberwort sowieso Kontinuität. Mit dem umtriebigen, energetischen und taktisch meist sehr risikofreudigen Trainer Peter Zeidler (56) hat der FCSG im Sommer vorzeitig um ein Jahr bis 2022 verlängert. Die Leihspieler Vincent Sierro (zu YB) und Majeed Ashimeru (zurück zu RB Salzburg) sind gegangen, Tranquillo Barnetta trat zurück. Dafür wurden Rückkehrer Moreno Costanzo (von Thun) sowie der Brasilianer Fabiano Alves (von Septemvri Sofia) und der Deutsche Lukas Görtler (von Utrecht) sowie der US-Deutsche Jonathan Klinsmann (von Hertha BSC) fest übernommen.

Zum Start muss Zeidler einen Weg finden, endlich gegen Luzern zu punkten. Letzte Saison gewann der FCL alle vier Vergleiche mit St. Gallen.