Sein Wort hat Gewicht. Seine Erfahrung ist Gold wert. Dass Valon Behrami ausgerechnet jetzt verletzt fehlt, schmerzt. Am meisten ihn selbst. Den Samstag verbrachte Behrami mit seinen Teamkollegen. Er war im Hotel dabei, fuhr mit der Mannschaft ins Stadion. Und als es galt, dieses 5:2 gegen Ungarn aufzuarbeiten, war seine Auskunft gefragt.

"Das war ein tolles Signal Richtung Portugal", sagte Behrami. Er hat sich gut unterhalten auf der Tribüne. Die Schweiz hat es ihm auch einfach gemacht. Mit ihrem lustvollen Spiel. Doch nun muss Behrami wieder zurück zu seinem Klub Udinese.

Vom ursprünglichen Plan, dass Behrami auch am Dienstag beim Showdown in Lissabon dabei sein möchte, war sein Klub nicht übermässig begeistert. Nun verfolgt er die Partie eben am TV. "Es wird wohl ein harter und langer Abend", weiss Behrami.

Viel wurde gesprochen und spekuliert über Behramis Ersatz. Von der Leistung von Remo Freuler war Behrami besonders angetan. "Seine Leistung hat mich nicht überrascht", sagt Behrami, "er ist längst ein grosser Spieler geworden. Ich sehe das ja jedes Wochenende, wenn er mit Bergamo spielt."

Und nun also Portugal. Ein Unentschieden reicht, um sich direkt für die WM zu qualifizieren. Aber noch gilt es, einen Giganten aus dem Weg zu räumen. Wobei das eher auf Cristiano Ronaldo zutrifft als auf das gesamte portugiesische Team. Behrami sagt: "Am besten erinnern wir uns, wie wir das im WM-Achtelfinal gegen Lionel Messi und Argentinien gemacht haben - als Team." Damals hatte die Schweiz Messi 118 Minuten im Griff, ehe er in der Verlängerung doch noch zum entscheidenden Sprint ansetzen konnte.

Captain Lichtsteiner: "Das beste Spiel? Hoffentlich das letzte!"

Sein Leistung gegen Ungarn war herausragend. Sein Tor am Ende die Krönung. Stephan Lichtsteiner ist in toller Form. Zusammen mit Xherdan Shaqiri bildet er auf der rechten Seite derzeit ein Duo, das immer wirbelt. Und wenn das so weiter geht, werden auch die Portugiesen ihre Probleme bekommen.

Die Frage an Lichtsteiner lautet: Welches Spiel während dieser neun Siege andauernden Serie in der WM-Qualifikation war das beste? Er braucht nicht lange, um zu überlegen, sagt: "Ich hoffe, das zehnte!" Das Spiel in Portugal also. Ein Portugal, bei das auch in Andorra angewiesen war auf Cristiano Ronaldo.

45 Minuten sass er auf der Ersatzbank, weil er bei einer gelben Karte gegen die Schweiz gesperrt gewesen wäre. Von dort musste er mitansehen, wie seine Teamkollegen daran scheiterten, auch nur ein mikriges Törchen zu erzielen. Also kam Ronaldo aufs Feld - und traf bald. Pflicht erfüllt.

Wie ist er zu stoppen? Captain Lichtsteiner sagt: "Es gibt kein Rezept. Denn wenn es ein Rezept gäbe, würde er nicht so viele Tore schiessen. Ronaldo hat über Jahre alles gewonnen. Er ist herausragend, da müssen wir nicht diskutieren."


Torhüter Sommer: "Dann wären wir qualifziert!"

Eines ist klar: Torhüter Yann Sommer wird gegen Portugal mehr beschäftigt sein als in den letzten Spielen. Es braucht den besten Sommer. Einen Sommer wie an der EM, als ihm gegen Albanien in diesem hochemotionalen Umfeld eine herausragende Partie glückte. "Die neun Siege von uns werden am Dienstag vergessen sein. Alles beginnt von Null. Und dafür werden wir bereit sein. Wir freuen uns auf die Herausforderung. Denn eigentlich lebt ja jeder Fussballer für diese grossen Spiele."

Ob das erste Spiel gegen Portugal (2:0) zu Beginn der WM-Qualifikation noch Erkenntnisse liefern könnte, wird Sommer gefragt. "Ich denke eher nicht. Es sind fast 14 Monate vergangen seither. Wir werden uns eher mit ihren letzten Partien beschäftigen."

Bei aller Konzentration auf diese Finalissima in Portugal. Erstaunlich ist es schon, wie souverän und stilsicher die Schweizer bis anhin durch diese WM-Qualifikation marschierten.

Das soll und wird auch im Falle einer Niederlage in Lissabon nicht vergessen gehen. Wie hätte Sommer darauf reagiert, wenn ihm einer vor Beginn der Qualifikation gesagt hätte, die Schweiz gewinne alle ersten neun Spiele? "Ich hätte wahrscheinlich entgegnet: Ok, dann sind wir wohl für die WM qualifiziert." Nun ist das eben anders. Aber vielleicht sollte man das Spiel gegen Portugal einfach als grosse Chance begreifen. Auch für dieses Schweizer Team gilt: Man wächst an seinen Herausforderungen. Der Dienstag ist eine schöne Gelegenheit, die Entwicklung und Reife zu zeigen.