Fussball

Portugal und Ronaldo - nicht immer schön, aber manchmal sehr erfolgreich

Der Auftakt zur EM-Qualifikation gegen die Ukraine ist der portugiesischen Nationalmannschaft missglückt. Das torlose Unentschieden entspricht nicht den Erwartungen an den amtierenden Europameister. Am heutigen Abend bietet sich gegen Serbien die Möglichkeit zur Korrektur. Das Spiel liegt auch im Fokus von Vladimir Petkovic: Ende Juni spielt die Schweizer Nationalelf gegen Portugal im Nations League Halbfinal.

Für den überraschenden Europameister von 2016 steht viel auf dem Spiel. Nicht nur ist das Finalspiel im eigenen Land, sondern man möchte nach den Turbulenzen der letzten zweieinhalb Jahre auch beweisen, dass der Europameistertitel nicht einfach mit sehr viel Glück zustande kam. Denn genau das war die Kritik, die oft an der Mannschaft von Fernando Santos geäussert wurde.

Glück hatten die Portugiesen tatsächlich. Schon nach der Gruppenphase wurde moniert, dass Portugal dem alten Modus nach gar nicht den Achtelfinal erreicht hätte als Drittplatzierter der Gruppe. Auch die Taktik konnte kaum jemanden ausserhalb Portugals begeistern. Zu langweilig, zu defensiv, zu wenig schöner Zauberfussball.

Mit schönem Fussball, den die Portugiesen noch in den Nullerjahren gespielt haben, hat die heutige Taktik von Fernando Santos tatsächlich nicht mehr viel gemeinsam. Damals nannte man sie noch die Brasilianer Europas, aber zu einem grossen Titel hat es nie gereicht. Mit Santos hat man einen Trainer geholt, der ein ganz anderer Stil spielen lässt und dies mit Erfolg.

Das rehhagelsche System

Fernando Santos musste früh seine eigene Fussballkarriere aufgeben. Doch den Fussball selbst wollte er nicht verlassen, also wurde er Trainer. Von unten arbeitete er sich bis zum FC Porto hoch und wurde 1998 Cheftrainer beim Spitzenteam aus dem Norden Portugals. In seiner ersten Saison holte er die Meisterschaft. Nach zwei Vizemeistertiteln ersetzte man ihn bei Porto und der junge Trainer wechselte nach Griechenland.

Während Santos im griechischen Clubfussball Erfolge feierte, gelang einem anderen Trainer die ganz grosse Sensation. Otto Rehhagel führte die Nationalmannschaft eben jenes Landes zum Europameistertitel 2004. Seine defensive Taktik erinnert dabei nicht ohne Grund an jene, die Fernando Santos mit der portugiesischen Elf spielt. Auch in der Liga kultivierte man das rehhagelsche System.

Als Otto Rehhagel nach einer enttäuschenden WM 2010 zurücktrat wurde Santos sein Nachfolger. Er führte die Griechen bis in den Achtelfinal an der Weltmeisterschaft in Brasilien und machte damit sein Heimatland wieder auf sich aufmerksam. Im September desselben Jahres wurde Fernando Santos zum Nationaltrainer Portugals ernannt.

Das Ziel war klar. Knapp zehn Jahre nachdem sich die goldene Generation um Luis Figo aus der Nationalmannschaft verabschiedeten, soll Portugal wieder ein Spitzenteam werden. Einen neuen Spitzenstürmer haben sie wieder, es fehlt nur noch die Mannschaft und eine passende Spielstrategie. Das zweite brachte der neue Trainer aus Griechenland mit. Eine Strategie, die dem Star den Rücken freihalten sollte und gleichzeitig im Notfall auch ohne ihn funktionieren kann.

Kein einziges Spiel in der EM-Qualifikation verlor das portugiesische Nationalteam unter den Augen von Santos. Auffallend ist jedoch, dass kein Spiel mit mehr als einem Tor Unterschied gewonnen wurde. Das zeigt sich dann auch an der EM-Endrunde: Drei Unentschieden reichten um die Gruppenphase zu überstehen. Bis auf den Halbfinal gegen Wales gingen alle K.o.-Spiele in die Verlängerung oder gar ins Penaltyschiessen.

Während der EM-Kampagne kann Portugal auf seinen Star zählen. Im Final verletzte sich Cristiano Ronaldo und coachte die Mannschaft an der Seitenlinie zum Titel. Mit viel Glück gelang Eder ein Treffer in der Verlängerung, die zum Sieg reichte. Doch es stellte sich die Frage: Kann die Mannschaft auch ohne die Tore von Cristiano Ronaldo gewinnen?

Unabhängig vom Star

Im vergangenen Herbst zog sich der beste oder zweitbeste Spieler der Welt aus der Nationalmannschaft zurück. Die beiden letzten Gruppenspiele der Nations League fanden ohne die Nummer sieben statt.

Verloren hat Portugal ohne den Star genauso wenig wie vorher, aber gewinnen konnten sie auch nur gegen nominell schwächere Teams in Freundschaftsspielen. In der Nations League reichten die Unentschieden gegen Polen und Italien zum Einzug in den Halbfinal. Es braucht Cristiano Ronaldo also nicht, um sich wieder knapp zu qualifizieren. Auch seine Tore können das Team nicht immer zum Sieg führen, wie das Scheitern im WM-Achtelfinal beweist.

Ohne Ronaldo fehlt das, was die Fans sehen wollen: Tore und Spektakel. Die portugiesische Nationalelf ist nicht so unabhängig von ihrem Star, wie sich der Verband erhofft hatte bei der Verpflichtung von Fernando Santos. Aber auch ohne Cristiano Ronaldo kann das Team durch solide Defensivarbeit ein Unentschieden oder einen knappen Vorsprung bis zum Schluss aussitzen.

Für die Schweizer Nationalmannschaft wird es keine leichte Aufgabe sein, ein Portugal zu schlagen, das sich wieder einen Titel holen möchte, vor allem im eigenen Land. Die helvetische Elf kann jedoch ohne Druck auftreten und dass sie Portugal schlagen können haben die Schweizer schon einmal bewiesen.

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