EM 2016

Polens strapaziöse Rückkehr ins Trainingscamp nach dem Ukraine-Spiel

Schuss ins Glück: Jakub Blaszczykowski erzielte für Polen das einzige Tor gegen die Ukraine.

Schuss ins Glück: Jakub Blaszczykowski erzielte für Polen das einzige Tor gegen die Ukraine.

Polen zollt der Schweizer Nationalmannschaft Respekt. Und dennoch machen sich die Polen wohl berechtigte Hoffnungen auf ein Weiterkommen, wie der Besuch des polnischen Camps in La Baule zeigt.

Am Ende eines langen, unter dem Strich aber hoch erfreulichen Tages wurde es für die polnischen Fussballer richtig ungemütlich. Nach dem 1:0-Sieg in Marseille und der Achtelfinalqualifikation hatten sie unverzüglich die Rückreise ins Trainingscamp in der Bretagne angetreten. Doch als der Pilot die Maschine in Saint-Nazaire auf die Piste bringen wollte, verhinderte der dichte Nebel die Landung. «Wir waren etwa hundert Meter über dem Boden und starteten plötzlich wieder durch», erzählt ein Kameramann, der mit an Bord gewesen war. «Als Pole ist mir sofort der Absturz von Smolensk in den Sinn gekommen.» Vor sechs Jahren war im dichten Nebel das Regierungsflugzeug mit Präsident Lech Kaczyński verunglückt.

Weil der Flieger mit dem Nationalteam an Bord dann in Nantes nicht runter durfte, musste er schliesslich in Rennes landen. «Ich war zu müde, um Angst zu haben. Ich vertraute einfach dem Piloten», sagte der brasilienstämmige Thiago Cionek, der gegen die Ukraine als Rechtsverteidiger aufgelaufen war, gegen die Schweiz aber höchstwahrscheinlich wieder auf die Ersatzbank zurückmuss. Mit 15 Taxis wurde das Team danach die 150 Kilometer zurück ins Camp nach La Baule-Escoublac gefahren, wo es um halb zwei im Hotel Barrière l’Hermitage eintraf.

Der Respekt vor der Schweiz

Natürlich war aber am Tag danach der Achtelfinal vom Samstag bei den Polen das grosse Thema. Cionek war beim 2:2 im November 2014 in Breslau dabei gewesen. «Die Schweizer sind sehr kompakt, ich habe viel Respekt vor ihnen», sagte der Palermo-Profi. Auch Tomasz Jodlowiec war in jenem Spiel im Mittelfeld über neunzig Minuten zum Einsatz gekommen. Für den Spieler von Legia Warschau gilt dasselbe wie für Cionek: Gegen die Ukraine durfte er ran, gegen die Schweiz wird er kaum Titular sein. Er sagt: «Unser nächster Gegner ist international sehr erfahren. Die meisten spielen in der Bundesliga oder sonst in einer Topliga. Erfahrung ist auf diesem Level sehr wichtig. Aber ich denke schon, dass sie in unserer Reichweite liegen.»

In La Baule, direkt am Atlantik, können sich die Polen gut erholen und das Spiel vom Samstag vorbereiten. In der Gemeinde mit den 16 000 Einwohnern ist es derzeit noch ruhig. Das wechselhafte Wetter sorgt dafür, dass erst wenige Touristen die wunderbaren Sandstrände belegen, für die La Baule berühmt ist. In der Hochsaison logieren hier bis zu 150 000 Menschen. Noch aber können die Stars um Roberto Lewandowski unbehelligt auch mal mit dem Rad die Gegend erkunden oder zum Training fahren.

Seit gestern liegt der Fokus auf der Vorbereitung des Spiels gegen die Schweiz, die im Stade Moreau Defarges, nur 1,4 Kilometer vom Hotel entfernt, stattfindet. Die Polen sind glücklich mit der Wahl ihres Camps. Es ist nicht zu heiss, und weil sie in der Bretagne und nicht an der Cote d’Azur logieren, sind bisher auch kaum polnische Touristen aufgetaucht.

Die Polen können sich unter besten Bedingungen auf die Schweiz einstimmen. Weder Cionek noch Jodlowiec denken, dass es ein grosser Nachteil ist, dass sie zwei Ruhetage weniger haben, als die Schweiz. «Das ist doch reine Kopfsache», sagte Jodlowiec.

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