Für Iouri Podladtchikov, der als 1997 als knapp Neunjähriger seinen damals anwesenden Skateboard-Helden Hawk um ein Autogramm gebeten hat, ist das "freestyle.ch" eine ideale Plattform für das Snowboard-Business, "das sich ja nicht gerade im Höhenflug befindet". Denn die Verkaufszahlen gehen stetig zurück, die Anzahl der einst hoch im Trend stehenden Anlässe ebenfalls. Deshalb sieht Iouri "Ipod" Podladtchikov sein Heimspiel als Inspirationsquelle. "Man sieht, was gerade boomt."

Podladtchikovs Kritik
Gleichzeitig sagt der Halfpipe-Champion und begeisterte Skateboarder aber auch: "Ich will mehr Evolution sehen. Wir müssen die Bühne vergrössern." Die riesige Schanze sei seit Jahren gleich hoch, als Vergleich bringt er seinen Lieblings-TV-Event, den Big-Air-Wettkampf der X-Games in Aspen, ins Spiel. Dort könnten die Fahrer die technische Entwicklung mitgehen. In Zürich hätten sich die Fahrer schneller entwickelt als die Schanze. "Für uns war der Kicker am freestyle.ch mal spektakulär." Den Big-Air-Wettkampf wird "I-Pod" auslassen und sich stattdessen, wie auch Gian Simmen (erster Auftritt am freestyle.ch seit 2006), auf die Style-Session vom späten Samstagnachmittag konzentrieren. Dort geht es im Stil, nicht im möglichst viele Rotationen und Schrauben. Um Freestyle im ursprünglichen Sinn also.

Wie hat sich Ihr Leben nach dem Olympiasieg verändert?
Iouri Podladtchikov: Die Präsenz auf der Strasse veränderte sich explosiv. Früher war es nicht so, dass mich im Restaurant alle anschauten. Das ist nicht immer angenehm. Und ich werde ständig dokumentiert, ob es mir passt oder nicht. Ich möchte mein Leben eigentlich nicht führen wie im Reality-TV.

Was bedeutet Freestyle.ch für Sie?
Hier fing für mich alles an. Mit acht Jahren stand ich auf der Landiwiese, hatte bis dahin noch nie ein Snowboard unter den Füssen. Zu sehen, wie alle durch die Luft fliegen, hat mich inspiriert. Ich habe jetzt im September schon extrem Lust auf den Winter, ich schmecke den Winter. Hier am Freestyle besonders.

Die Erwartungen an den aktuellen Olympiasieger sind riesig. Haben Sie etwas Spezielles geplant?
Ich werde mein «erstes Mal» als Olympiasieger vor allem geniessen. Und ich werde versuchen, viel Zeit mit den Fans zu verbringen. Ich kann mich extrem in die Fans hineinversetzen, weil ich mit acht auch hier war und Tony Hawk um eine Unterschrift bat. Ich bin nicht der, welcher alle Fanpost persönlich beantwortet. Dazu habe ich die Disziplin und Zeit nicht. Deshalb möchte ich mir nun hier diese Zeit nehmen.

Was geht vor der Anfahrt auf eine grosse Schanze in Ihnen vor?
Es ist unspektakulär. Ich möchte einfach einen guten Eindruck hinterlassen. Viel passiert nicht im Kopf. Man nimmt sich etwas vor und versucht, es möglichst gut zu zeigen.
In der Luft geniesst man es auch.

Der Event und die Schanzen haben sich immer weiter vergrössert. Ist die Grenze erreicht?
Der Sport macht immer noch grosse Fortschritte. Wir könnten noch mehr zeigen! Im Vergleich zu den Bergen ist dies hier eine Mini-Schanze. Da würde meine Cousine rüberspringen, wenn sie snowboarden könnte (lacht). Meiner Meinung nach könnte man noch etwas mehr in eine höhere Big-Air-Schanze investieren als in die ganzen Showeffekte wie Crossover-Session oder Konzerte.