Serie A

Plötzlich Tabellenführer: Der kleine Inzaghi lässt Lazio Rom träumen

Der Star und sein Coach: Stürmer Ciro Immobile und Simone Inzaghi peilen in der italienischen Hauptstadt Historisches an.

Der Star und sein Coach: Stürmer Ciro Immobile und Simone Inzaghi peilen in der italienischen Hauptstadt Historisches an.

Die Römer stehen überraschend an der Spitze der Serie A. Den Erfolg brachte ein Trainer, der immer im Schatten stand.

Die Brüder Inzaghi waren mal Stürmer. Filippo, der ältere, ging lange für die AC Milan auf Torejagd. Immer am Rande des Abseits, meistens erfolgreich. Er stocherte und stolperte den Ball ins Netz wie kein Zweiter, er wurde als «Superpippo» verehrt, zweimal gewann er die Champions League, dazwischen reckte er im Trikot der Squadra Azzurra den WM-Pokal in den Berliner Nachthimmel. Simone Inzaghi, der jüngere, hatte es immer schwer, im Schatten von Superpippo zu erblühen. Eine solide Karriere gewiss, aber zu den Stars auf Europas Fussball-Bühnen gehörte er nicht. Heute sind die Inzaghis Trainer. Während Filippo beim Zweit­ligisten Benevento einen respektablen Job macht, ist es ­in­zwischen Simone, dem die ­Gazetten ihre Wertschätzung schenken. Denn der kleine Inzaghi hat erreicht, was vor ihm viele Jahre keiner geschafft hat: Mit Lazio Rom steht er an der Spitze der Serie A.

Ein 2:0-Erfolg über Bologna hievte die Biancocelesti am ­vergangenen Wochenende auf Rang eins. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines unfassbaren Laufs. Seit letztem September, einem 0:1 bei Inter, hat die Mannschaft in der Liga nicht mehr verloren. Mit elf Siegen in Serie knackten die Römer zwischendurch den Vereinsrekord.

Sehnsucht im blau-weissen Teil der Ewigen Stadt

Und natürlich ist es Ciro Immobile, der regelmässig in Jubelpose von den Titelseiten der Sportblätter grüsst. Der Angreifer, während seiner Dortmunder Zeit eher mit Lustlosigkeit denn mit Torgefahr aufgefallen, trifft nach Belieben. Schon 27 Tore sind es in der laufenden Meisterschaft. Mehr als Ronaldo, mehr als Lewandowski und Haaland, mehr als jeder andere.

«Er ist im Moment der beste Stürmer in Europa», schwärmte Berater Alessandro Moggi kürzlich im italienischen Radio. Doch es ist das gesamte Kollektiv, Resultat der smarten Kaderplanung von Sportdirektor Igli Tare, das die Laziali in jener beeindruckenden Konstanz siegen lässt.

Zwölf Spieltage stehen für die Società Sportiva Lazio noch an. Das erklärte Saisonziel ist die Quali für die Champions League. Im blau-weissen Teil der Hauptstadt träumen jedoch einige bereits vom Scudetto, dem ersten Titel seit 20 Jahren. Gerne geht vergessen, dass damals auch Joker Simone Inzaghi sieben Treffer zur Meisterschaft beisteuerte.

Bringt er als Coach die Trophäe tatsächlich wieder nach Rom, wird es dem 43-Jährigen nicht mehr so schnell passieren, dass ihn die Tifosi ausser Acht lassen. Der kleine Inzaghi hätte sich in der Ewigen Stadt unsterblich gemacht. Und vielleicht gäbe es im Lande des Calcio neben Superpippo auch bald Platz für einen Supersimone.

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