Playoffs aufs Eis gelegt: eine explosive Mischung aus Geld, Geist und Viren

Bis zum 15. März ruht der Spielbetrieb im Eishockey. Dann muss wieder gespielt werden, sonst kostet es Millionen.

Klaus Zaugg
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Der Puck rollt nicht, die Meisterschaft ist unterbrochen.

Der Puck rollt nicht, die Meisterschaft ist unterbrochen.

Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zug, 18. April 2019)

Nur eine Medienkonferenz. Unten im Erdgeschoss im «Haus des Sports» in Ittigen verkündet Liga-Direktor Denis Vaucher, was die Klubvertreter beschlossen haben. Mit einer Dreiviertelmehrheit: Die Meisterschaft wird bis zum 15. März unterbrochen. Kein Hockey auf der grossen Bühne. Erwartet wird, dass der Bundesrat am 13. März entscheidet, ob das Verbot von Massenveranstaltungen aufgehoben oder verlängert wird. Dann werde man weiter sehen.

Fragen werden gestellt: Wer ist Meister, wenn nicht mehr gespielt werden kann? Bis wann müsste der Spielbetrieb spätestens wieder aufgenommen werden, um doch noch den Meister und die Auf-/Absteiger zu ermitteln? Wann ist der letztmögliche Spieltag vor der WM, die am 8. Mai beginnt? Werden im Falle einer Verlängerung des Verbotes durch den Bundesrat doch Spiele ohne Publikum ausgetragen? Denis Vaucher ist Fürsprecher und Pragmatiker. Es ist seine grosse Stunde. Er gibt keine verbindlichen Antworten. Es gibt nur diesen einen Beschluss: Pause in den beiden obersten Ligen bis zum 15. März. Hinter dem 15. März zieht eine Nebelwand herauf, die alles verhüllt. Niemand weiss, was die Entwicklung der nächsten Tage bringen, was die Behörden über den 15. März hinaus anordnen werden. Gemäss Vaucher sagen die Reglemente nicht einmal, wer im Falle eines Abbruches des Championats Meister wäre. Diese Medienkonferenz ist also auf den ersten Blick langweilig und belanglos. Dabei geht aber fast vergessen, dass es ganz grosses juristisches Kino ist. Dass es hier um zweistellige Millionenbeträge geht. Ja, dass falsche Worte Millionen kosten können. Es ist für den Liga-Direktor ein juristischer Eiertanz vor den Kameras, die jedes Wort erfassen. Was er sagt, kann später vor Gericht verwendet werden. Eine explosive Mischung aus Geld, Geist und Viren. Noch nie hat sich die untrennbare Verknüpfung von Sport, Politik und Wirtschaft so dramatisch gezeigt. Wer will, kann sagen: Das Eishockey zahlt den Preis für den Verkauf der Seele.

Der zentrale Punkt ist nämlich: So lange es höhere Gewalt ist, so lange haften die Klubs nicht. Sie müssen sich ja den behördlichen Anordnungen unterziehen. Der Entscheid, bis zum 15. März nicht zu spielen, weil man keine Spiele ohne Publikum will, ist juristisch noch ohne jedes Risiko: Es bleibt nach dem 15. März noch genug Zeit, um notfalls ohne Publikum das Programm über die Bühne zu bringen. Die Klubs spielen die Meisterschaft nicht aus Freude am Sport. Sie spielen diese auch, weil sie müssen. Das Geld kommt nicht nur von Gönnern, Werbern und Fans. Insgesamt kassieren sie auch über 30 Millionen pro Saison aus den Kassen des privaten und staatstragenden Fernsehens. Dafür müssen sie ein Spektakel aufführen. Sportlicher Geist für Geld. Wenn die Klubs nun beschliessen, die Meisterschaft nach dem 15. März ganz abzubrechen oder zu verkürzen, dann handelt es sich um Vertragsbruch. Die Klubs können für diesen Entscheid zur Kasse gebeten werden. Denn der Bundesrat verbietet ja nicht, Spiele auszutragen. Er verbietet nur, Zuschauer ins Stadion zu lassen. Die Playoffs sind bis zum 15. März auf Eis gelegt. Die Playoffs in den Anwaltskanzleien haben erst begonnen. Schade, dass das Publikum bei diesen juristischen Playoffs ausgeschlossen ist.