Sein Ex-Strohmann Prinz Ali fiel Michel Platini sofort in den Rücken, der südkoreanische Auto-Milliardär Chung Moon-Joon liess sich für seine Attacke einen Tag Zeit - und zwei oder drei weitere Rivalen werden sich dem Boss der Europäischen Fussball-Union (Uefa) auf seinem Weg zur Macht beim taumelnden Weltverband Fifa auch noch in den Weg stellen.

Platini gilt nach der Bekanntgabe seiner Kandidatur zwar als der grosse Favorit, seine Wahl zum Präsidenten der tief in der Krise steckenden Fifa wird aber kein Selbstläufer - obwohl der 60-Jährige angeblich von vier der sechs Kontinentalverbände (Europa, Südamerika, Nord- und Mittelamerika sowie Asien) unterstützt wird. Dafür bietet der frühere Offensivstar einfach eine zu grosse Angriffsfläche, die seine Glaubwürdigkeit als Reformer in Zweifel ziehen.

Undurchsichtiger Strippenzieher

Auf diese Schwachstellen - Platinis frühere Nähe zum scheidenden Fifa-Boss Sepp Blatter, die Vorwürfe der Vetternwirtschaft und sein Image als undurchsichtiger Strippenzieher ohne Transparenz nach aussen - werden die Gegner des Franzosen in den sieben Monaten bis zum Wahlkongress am 26. Februar 2016 in Zürich unaufhörlich zielen.

Die potenziellen Gegenkandidaten Ali bin Al Hussein (39) und Chung (63) haben umgehend die Finger in Platinis Wunden gelegt. Liberias Verbandsboss Musa Bility (48), das brasilianische Idol Zico (62) und die argentinische Skandal-Ikone Diego Maradona (54) werden dies auch tun, falls sie tatsächlich antreten. Prinz Ali, der bei der Abstimmung Ende Mai als Kandidat von Platinis Gnaden an Blatter gescheitert war, und Chung haben den Wahlkampf jedenfalls bereits eröffnet.

Platini ist ein Produkt des jetzigen Systems

"Es wird sehr schwer für Platini, weitreichende Reformen durchzusetzen. Es ist fraglich, ob Platini eine neue Ära symbolisieren kann", sagte der frühere Fifa-Vizepräsident Chung, der nur eine Amtszeit zur Verfügung stehen möchte: "Kann Platini ein guter Fifa-Präsident sein? Ich glaube nicht. Platini ist ein Produkt des jetzigen Systems."

Der Sohn des Hyundai-Gründers und Mehrheitseigner des Autobauers, dessen Vermögen auf rund eine Milliarde Euro geschätzt wird, versprüht Optimismus. "Es wird Zeit, dass die Fifa wieder einen Präsidenten hat, der nicht aus Europa kommt. Deshalb habe ich eine gute Chance", äusserte der Intimfeind Blatters, der in der nächsten Woche seine Kandidatur offiziell hinterlegen will: "Wenn ich gewählt werde, will ich für mehr Transparenz sorgen und die Korruption beseitigen."

Während der in Asien einflussreiche Chung auch aufgrund seiner Finanzkraft auf jeden Fall antreten wird, denkt Prinz Ali - der Chung 2011 aus dem Fifa-Exekutivkomitee verdrängt hatte - noch über eine erneute Kandidatur nach.

"Platini ist nicht gut für die Fifa"

Seine Attacke auf Platini hat der Jordanier vorsorglich aber bereits geritten. "Platini ist nicht gut für die Fifa. Die Fans und die Spieler haben Besseres verdient", sagte Ali: "Die Fifa braucht eine unabhängige Führung, die von den Praktiken der Vergangenheit unbelastet ist."

Wer auch immer die Fifa zukünftig führen will, muss bis zum 26. Oktober seine Kandidatur hinterlegen und dabei mindestens fünf der 209 Fifa-Mitgliedsländer als Unterstützer vorweisen. Danach wird die Fifa-Ethikkommission darüber befinden, ob alle Kandidaten zugelassen werden.

Mit der Wahl eines neuen Präsidenten ist es aber nicht getan - so sieht es zumindest Thomas Bach. "Die Probleme der Fifa werden damit nicht gelöst sein, das reicht nicht aus", sagte der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) der Nachrichtenagentur AFP: "Es muss Reformen bei den Strukturen geben und die Transparenz muss verbessert werden."

Das gilt im Übrigen auch für die Uefa. Deshalb gilt Vizepräsident Angel Maria Villar Llona auch als ungeeigneter Kandidat für eine mögliche Platini-Nachfolge - schließlich ermittelt die Fifa-Ethikkommission gegen den Spanier.