«Das Jahr 2015 habe ich abgehakt», sagt Pius Schwizer. Mit grossen Erwartungen war er gestartet, doch dann ging es drunter und drüber. Sechs, sieben gute Pferde habe er verloren. «Verschiedene Leute wollten mich als Geldmaschine benutzen», sagt er. Besitzer stellten Schwizer ihre Pferde zur Verfügung, verkauften sie über Nacht wieder. «Ich war in Antwerpen, dort erfuhr ich, am Montag geht Toulago weg, aber noch während ich beim Turnier in Belgien ritt, holten sie ihn am Samstag schon ab», erzählt er. «Das ist charakterlos.» Er hänge schliesslich auch an einem Tier.

Nicht mehr alles in Stein gemeisselt

So etwas habe es früher nicht gegeben. «Solche wie der kürzlich gestorbene Max Hauri gibt es immer weniger», bedauert Schwizer. «Bei dem war ein Handschlag in Stein gemeisselt.» Von gewissen Personen sei er sehr enttäuscht. «Jetzt arbeite ich nur noch mit Leuten zusammen, die mit mir auch über das Thema reden», betont er. Auch wenn er sich schnell auf Pferde einstellen könne, so brauche er doch einen Stock von zwei, drei guten Pferden, mit denen er einige Jahre arbeite, um wirklich Erfolg zu haben. «Es ist ja erstaunlich, dass ich trotz allem noch die Nummer 32 der Welt bin», sagt Schwizer.

So verpasste Schwizer die Europameisterschaft in Aachen. Im November kam dann auch noch sein zweijähriger Hund Nounou unter einen Zug. «Da fiel ich wirklich in ein Loch», blickt Schwizer zurück. Doch seither blickt er nach vorne. Seine Lebensgefährtin Florence hat ihm einen neuen Hund geschenkt – Bounty, wieder ein Jack-Russel-Terrier.

«Mit Florence habe ich es gut», erzählt er. Seit vier Jahren ist er mit ihr zusammen. Von Nicole ist er geschieden. «Aber wir verstehen uns wirklich gut», sagt er. Es war seine zweite Scheidung, noch einmal heiraten will er nicht. «Das ist nicht mein Ding, ich lass das sein», sagt er lachend. Es sei für eine Frau neben ihm auch nicht einfach gewesen: «Wir Reiter sind viel unterwegs, es hat immer viele schöne Mädchen, die einem umschwärmen und ich bin halt ein Mann, kein Wallach.» Doch Florence müsse sich keine Sorgen mehr machen: «Jetzt habe ich das im Griff», sagt der 53-Jährige.

Pferde mit Potenzial

So wie das Reiten. «Mein Ziel ist Olympia, da braucht es vier gute Reiter und ich bin einer davon», sagt er selbstbewusst. Mit Future und Giovanni habe er zwei sehr gute Pferde, Leonard habe viel Potenzial, sei vielleicht schon in drei, vier Monaten so weit. «Das kann schnell gehen», sagt er.

Rio wären seine dritten Olympischen Spiele. In Hongkong 2008 gewann er Bronze mit dem Team, in London 2012 verpassten die Schweizer die Medaille ganz knapp. «Erfahrung ist ganz wichtig und die habe ich», sagt Schwizer. Mit dem ganzen Rummel bei Olympia sei es nicht ganz einfach.

Den Spielen ordnet er seinen ganzen Plan unter. «Ich werde meine Toppferde gezielt einsetzen, sie nicht überfordern», betont er. Denn auch ein sehr guter Reiter sei ohne ein Pferd in Form verloren. «Künstlern kann keiner», sagt er. Deshalb werde er nach Zürich auch die Hallensaison beenden, früh im Freien starten. Doch Schwizer denkt auch an sich: «Täglich mache ich wieder meine Fitnessübungen, dehne und jogge.» In seinem Alter müsse er dem Körper Sorge tragen. Deshalb spiele er auch nicht mehr Fussball: «zu gefährlich». Schliesslich will er sich nicht dereinst den Vorwurf machen müssen, das Jahr 2016 selbst versaut zu haben.