Nein, gute Freunde werden Roger Federer und Gerard Piqué in diesem Leben sicher keine mehr. Gestern entschied der Fussballer als Teil eines Gremiums, in dem auch der US-Verbandspräsident David Haggerty, René Stammbach von Swiss Tennis und der Spanier Galo Blanco sitzen, dass die beiden Wildcards für die Davis-Cup-Finalwoche im November 2019 an die früheren Sieger Argentinien und Grossbritannien gehen.

Die Schweiz geht leer aus und empfängt Anfang Februar in der Qualifikation Russland. Dass Roger Federer und Stan Wawrinka eine Woche nach den Australian Open an dieser Partie teilnehmen, ist unwahrscheinlich. Damit scheint auch klar, dass mit Roger Federer der erfolgreichste Tennissspieler der Geschichte bei der Premiere des Davis Cups nach neuem Format fehlt.

Es ist davon auszugehen, dass Piqué den Dialog mit Federer gesucht hat, so wurde er schon im Sommer bei dessen Manager Tony Godsick vorstellig. Doch noch während der US Open sagte Federer, er habe bisher noch nicht persönlich mit dem Spanier geredet. Federers Interesse daran schien überschaubar. In New York sagte er: «Ganz ehrlich: Es ist für uns schon etwas komisch, einen Fussballer in unserer Welt zu haben.»

Ein Wettbewerb für eine neue Generation

Gerard Piqué wird mit seiner Kosmos-Gruppe den Davis Cup radikal reformieren. Ab 2019 wird der Sieger des 118 Jahre alten Teamwettbewerbs in einer Finalwoche im November ermittelt. 18 Nationen nehmen daran teil: 12 Gewinner der Qualifikation mit Heim- und Auswärtsspielen, die vier Halbfinalisten des Vorjahrs und zwei Wildcard-Empfänger. Kosmos schüttet über die nächsten 25 Jahre drei Milliarden Dollar an Verbände und Spieler aus.

Die Vision: ein Wettbewerb für eine neue Generation. Federer ist 37 Jahre alt, Wawrinka 33. Wenn sie zurücktreten, versinkt das Schweizer Tennis in der Bedeutungslosigkeit. Für Piqué ist Federer eine Altlast, die es möglichst schnell loszuwerden gilt. Nach dieser Logik macht der Entscheid gegen die Schweiz Sinn.

Federer machte indes nie einen Hehl daraus, dass er sich an Piqués Aktionismus stört. «Jeder muss seinen Hut, den er trägt, ablegen und den Sport als Ganzes sehen. Der Davis Cup, die ITF, die ATP: Wir brauchen uns gegenseitig», sagte er jüngst. Er sei keiner, der die Konfrontation suche. Doch Piqué hat Federer längst den Fehdehandschuh hingeworfen.

Dass er seine nächste Idee, den Majesty Cup, bei dem der Sieger ein Preisgeld von 10 Millionen Dollar erhält und die 63 weiteren Teilnehmer leer ausgehen, ausgerechnet an jenem Wochenende lancierte, an dem der Laver Cup ausgetragen wurde, darf man durchaus als Provokation sehen. Zudem möchte Piqué den Majesty Cup oder die Davis-Cup-Finalwoche künftig im September austragen. Dann also, wenn auch der Laver Cup über die Bühne geht.

Piqués Korb ist wohl nur ein Revanchefoul

Federer hat indes klar gemacht, dass der Laver Cup auch künftig im September stattfinden soll. Seine Liebe zum Davis Cup ist längst erkaltet und er dürfte nie ein Interesse an einer Teilnahme gehabt haben. Vordergründig hat Piqué ihm zwar einen Korb erteilt, doch vermutlich war das nur ein Revanchefoul.